G-BA beschließt Erstfassung der Richtlinie nach § 22a SGB V

Neue Präventionsleistungen für Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderungen

Es war ein langer Weg, aber er hat sich gelohnt: Am 19. Oktober hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) die erste Fassung der Richtlinie nach § 22a SGB V beschlossen. Ab dem 1. Juli 2018 haben Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderungen einen verbindlichen Rechtsanspruch auf zusätzliche zahnärztliche Vorsorgemaßnahmen im Rahmen der GKV.

Mit der vom G-BA beschlossenen Erstfassung der „Richtlinie über Maßnahmen zur Verhütung von Zahnerkrankungen bei Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen“ hat diese Personengruppen künftig einen verbindlichen Rechtsanspruch auf zusätzliche zahnärztliche Vorsorgemaßnahmen im Rahmen der GKV. Die Richtlinie tritt nach Prüfung durch das Bundesgesundheitsministerium zum 1. Juli 2018 in Kraft. proDente

Schon 2015 hatte der Gesetzgeber den G-BA mit der Regelung konkreter zahnärztlicher Präventionsleistungen beauftragt. Anfang 2016 brachte die KZBV dann einen eigenen Richtlinienentwurf in den G-BA ein, um die Beratungen zu beschleunigen.

"Für die Betroffenen, die in der Regel nicht eigenverantwortlich für ihre Mundhygiene sorgen können, gab es bislang keine adäquate Versorgung", verdeutlicht der KZBV-Vorsitzende Dr. Wolfgang Eßer das Problem. Gerade diese Patienten seien jedoch auf besondere Unterstützung angewiesen, da ihre Mundgesundheit bekanntlich im Schnitt deutlich schlechter ist als die der übrigen Bevölkerung.

Eßer: "Das Risiko für Karies-, Parodontal- und Mundschleimhauterkrankungen ist bei Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen besonders hoch. Wir begrüßen daher ausdrücklich, dass mit der neuen Richtlinie nun ein wichtiger Schritt getan wurde, um für diese vulnerable Patientengruppe die gleiche Teilhabe an einer bedarfsgerechten, zahnärztlichen Versorgung zu ermöglichen."

Die neuen Leistungen

Mit den neuen Leistungen haben Betroffene erstmals Anspruch auf präventive Betreuung beim Zahnarzt – insbesondere darauf,
- dass der Mundgesundheitsstatus erhoben,
- ein Plan zur individuellen Mund- und Prothesenpflege erstellt und
- über die Bedeutung der Mundhygiene aufgeklärt wird sowie
- dass Maßnahmen zur Erhaltung der Mundgesundheit
- und einmal im Kalenderhalbjahr harte Zahnbeläge entfernt werden.
- Pflege- oder Unterstützungspersonen sollen zudem in die Aufklärung und die Erstellung des Pflegeplans einbezogen werden.

Aufgrund des besonderen Versorgungsbedarfs von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen hatte die Zahnärzteschaft bereits im Jahr 2010 ihr umfassendes Konzept „Mundgesund trotz Handicap und hohem Alter“ (AuB-Konzept)* vorgestellt.

Seitdem wirbt die KZBV in der Politik – mit Erfolg – kontinuierlich für die Umsetzung dieser Inhalte und die Notwendigkeit einer gesetzlichen Implementierung: Nachdem der Gesetzgeber zunächst mit den § 22a, § 87 Abs. 2i und § 87 Abs. 2j SGB V wichtige Teile des AuB-Konzepts aufgegriffen hatte, erfolgt mit der Verabschiedung dieser Richtlinie jetzt die Umsetzung in die Versorgung.

Ein wichtiger Meilenstein

Der Beschluss ist auch ein wichtiger Meilenstein für die Arbeitsgemeinschaft für Zahnmedizin für Menschen mit Behinderung (AG ZMB). Die AG wies auf ihrer zweiten Jahrestagung am 16. September auf die Bedeutung der Richtlinie für die Versorgung hin und adressierte in einem offenen Brief weiteren Handlungsbedarf.

„Mit der Umsetzung der gesetzlich vorgegebenen Inhalte in der Richtlinie ist ein erster wichtiger Schritt gelungen. Zukünftig werden damit auch die Kollegen honoriert, die seit Jahren diese Patienten engagiert und uneigennützig betreuen“, betonen die beiden Vorsitzenden Prof. Andreas Schulte und Dr. Imke Kaschke.

Als Sachverständige hatten Schulte und Kaschke mit Verweis auf das Versorgungskonzept der KZBV bereits in den Beratungen im G-BA ausgeführt, warum die Leistungen für diese Patientengruppe besonders ausgestaltet werden müssen. Sie weisen daher auch darauf hin, dass mit dem Inkrafttreten der Richtlinie nur ein Teil der Forderungen aus dem AuB-Konzept erfüllt wird: „Unser Appell lautet deshalb, auch die übrigen Forderungen aus dem AuB-Konzept zu erfüllen. Konkret ist nun der G-BA am Zug und muss darauf aufbauend über weitere notwendige Prophylaxeleistungen beraten.“

Der Ball ist weiterhin im Feld des G-BA

Auch Eßer sieht den Ball weiterhin im Feld des G-BA: „Die Verabschiedung der Richtlinie ist sehr zu begrüßen, aber kein Signal zum Ausruhen. Es gilt jetzt, in einem zweiten Schritt über weitere Leistungen zu beraten, die bislang aus Gründen der Verfahrensbeschleunigung noch nicht in die Richtlinie überführt werden konnten.“

*Das Konzept „Mundgesund trotz Handicap und hohem Alter“ können Sie auf der KZBV-Website abbrufen.

 

RA Christian Nobmann

Leiter Abteilung Koordination Gemeinsamer Bundesausschuss in der KZBV

162633159497159498159499162634 159647 170850
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare