Editorial

„Reform für bessere Zähne im Pflegeheim verfehlt Ziel“

Dr. Uwe Axel Richter Chefredakteur zm-Axentis.de

Wenige Wochen im bundesdeutschen Gesundheitswesen genügen, um zu wissen: das Wort Studie signalisiert Wissenschaftlichkeit, die Zahlen schaffen das Imago von Seriosität. Das Ganze von höchster Ebene verbalisiert und mit Expertenstatements professoral unterlegt – und das „richtige“, im Sinne von gewünschte, Bild ist in der Öffentlichkeit erzeugt. Das hat mit Wissenschaft nicht zwingend etwas zu tun, aber es wirkt so. Die Dieselkrise hat es ja deutlich gemacht: Grob falsche Zahlenrelationen, falsche Messmethoden, falsche Behauptungen – alles bekannt, und trotzdem ist es der DUH, Deutsche Umwelt Hilfe(sic!), gelungen, die Politik vor sich herzutreiben und das gewünschte Ergebnis zu erzeugen: Der Diesel ist schlecht. Schauen Sie sich einmal die Entwicklung der Zulassungszahlen in den letzten Monaten an … 

Insoweit steht der diesjährige Barmer Zahnreport 2018 in einer „guten“ Tradition. Bereits in der Überschrift geht es um eine Reform, bessere Zähne und das momentane Politikersuperwort Pflege bzw. Pflegeheime. Das sind diese Einrichtungen, von denen es in Deutschland ca. 14.000 gibt, bei denen per Koalitionsvertrag aber 8.000 neue Pflegekräfte ausreichen sollen, den Pflegenotstand zu beheben. Wobei nicht einmal klar ist, von welchem Baum die 8.000 Pflegerinnen und Pfleger geschüttelt werden sollen. Der Baum der Erkenntnis kann es ja nicht sein. Obwohl, wenn davon genascht, sehr schnell klar geworden wäre, dass bei einem Untersuchungszeitraum von zwei Jahren und bei einem Jahr zuvor in den BEMA eingeführter neuer Besuchsziffern – immerhin 7 an der Zahl – das Wort Reform allein schon eine massive Verfälschung darstellt. Die Behauptung der Zielverfehlung besserer Zähne im Pflegeheim gleicht da einem besonders groben Foulspiel. Die Sinnverdrehung von Verbesserung der Mundgesundheit zu besseren (was meint das eigentlich?) Zähnen sei da nur der Vollständigkeit halber noch erwähnt. 

Doch es gibt weitere Kritikpunkte, die insbesondere in der Selbstverwaltung sauer aufstoßen, obwohl diese „Studie“, die nicht umsonst „Report“ genannt wird, von zahnärztlichem Sachverstand begleitet wurde. Dazu drei Beispiele, die Dr. Wolfgang Eßer in einer ersten Bewertung ausgeführt hat. „Problem Methodik: Aus dem Barmer Report geht hervor, dass Zahnärzte keine bzw. nur wenige therapeutische Leistungen im Pflegeheim anbieten. Stimmt. Denn vor Ort ist diese meist gar nicht möglich. Die Pflegebedürftigen, die in die Zahnarztpraxis transportiert werden, um dort behandelt zu werden, gelten dann nämlich als normale Patienten. Sie tauchen in diesen Statistiken nicht mehr auf. Problem Pflegeheime: Die Mundgesundheit spielt in den meisten Pflegeheimen noch eine untergeordnete Rolle. Daher ist es zwingend nötig, dass der Zahnarzt in die Pflegeheime geht und dort präventiv tätig wird. Das heißt vor allem die Pflegenden darin anzuleiten, wie sie die Mundgesundheit ihrer Bewohner verbessern können. Dafür sind die BEMA-Ziffern gedacht. Problem ambulante Betreuung: Die Kassen tun so, als ob Sie Aufklärungsarbeit leisten würden. Aber zwei Drittel der Pflegebedürftigen werden ambulant zu Hause versorgt. Die Kassen klären diesbezüglich niemanden auf“, so der Vorstandsvorsitzende der KZBV. Hat der Präsident des Bundesversicherungsamtes mit seiner fundamentalen Kritik an den Marketingbemühungen der Krankenkassen um junge Mitglieder und gute Risiken doch Recht, dass dies zulasten der Versorgung der alten Patienten ginge? Letztlich kann man das Ganze drehen und wenden, wie man will: Wenn man an einer gemeinschaftlichen Lösung interessiert ist, muss zu einer ehrlichen Diskussion zurückgekehrt werden. „Heilberufe und Kassen sollten gemeinsam konstruktiv zusammenarbeiten“, so Eßer. Da wären gemeinsam gelebte Ziele in der Tat schon einmal ein Anfang. Apropos Anfang: Die DMS V, die erneut hervorragende zahnmedizinische Präventionsergebnisse dokumentiert hat, beschreibt zusammen mit den Vorgängerstudien einen Zeitraum von fast 30 Jahren. Zudem begann die Präventionsarbeit der Zahnärzteschaft noch deutlich früher. In dem diesjährigen Zahnreport bereits nach 2 Jahren solche Ergebnisse finden zu wollen, ist da schon ein wenig vermessen, oder?

Trotzdem noch eine positive Botschaft aus dem Report. Die BEK beklagt, dass im Vergleich zu den Besuchsziffern zu wenig therapeutische Leistungsziffern abgerechnet würden. Immerhin, hier haben wir schriftlich, dass die gerne behauptete und in die Nähe des Betrugs gerückte angebliche Abrechnungsoptmiererei der niedergelassenen Zahnärztinnen und Zahnärzte nicht zutrifft. 

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