Volker Looman zu Geldanlagen in der Schweiz

Dem Euro ist es egal, wo er ins Gras beißt

Grüezi, bienvenue, benvenuti, allegra! Lieben Sie die Schweiz? Mögen Sie die Eidgenossen?? Schätzen Sie das Swiss Private Banking??? Falls ja, sollten Sie diesen Artikel auf keinen Fall zwischen Tür und Angel lesen!

Der Autor ist freiberuflicher Finanzanalytiker in Stuttgart. Jede Woche veröffentlicht er in der FAZ einen Aufsatz über Geldanlagen. Außerdem unterstützt er Zahnärzte auf Honorarbasis bei der Gestaltung des Privatvermögens. www.looman.de privat

Wenn nein, sollten Sie den Aufsatz genauso aufmerksam studieren, weil Ihnen ähnliche Fallstricke auch in dieser Republik drohen.

Die Geschichte fußt auf einer realen Begebenheit. Im Mittelpunkt stehen zwei Brüder und eine Bank. Die beiden Gentlemen haben vor drei Jahren von ihrem Vater „schwarze“ Millionen geerbt, die der alte Herr in Luzern vergraben hatte. In der Zwischenzeit haben die Erben mit dem Finanzamt reinen Tisch gemacht. Übrig geblieben sind drei Millionen Franken, für jeden Erben also anderthalb Einheiten, wie diese Summen in Fachkreisen heißen.

Die beiden Millionäre wollen 500.000 Franken ausgeben und 2,5 Millionen Franken weiterhin in der Schweiz lagern, weil sie den hiesigen Verhältnissen nicht über den Weg trauen. Euro, Flüchtlinge, Inflation, Nullzinsen und Staatsverschuldung sind für sie Gefahren, für die es in ihren Augen nur eine Lösung gibt: Das Konto in der Schweiz. Folglich haben sich die Erben einer Kantonalbank anvertraut.

Die „internationalen Vermögensberater“ des Instituts haben die Brüder nach ihren Wünschen befragt. Im Vordergrund stünden, so notierten die Experten, sowohl Kapitalerhalt als auch Ertrag. Daher lautet ihr strategischer Vorschlag: 50 Prozent in Euro-Anleihen, 15 Prozent in Fremdwährungsanleihen, 5 Prozent in Immobilien, 20 Prozent in Aktien und 10 Prozent in Rohstoffe.

Gegen die Aufteilung ist nichts einzuwenden, doch die Umsetzung erinnert an mittelalterliche Wegelagerei. Der Kauf der Anlagen, überwiegend Investmentfonds, kostet 3,2 Prozent. Die jährlichen Gebühren liegen bei 1,5 Prozent. Ich weiß nicht, wie gut Sie im Prozentrechnen sind. Daher will ich Sie nicht auf die Folter spannen. Wenn die Vorschläge in die Tat umgesetzt werden, streicht die Kantonalbank einmalig 80.000 Franken ein. Außerdem erhält sie jedes Jahr zusätzlich 37.500 Franken. Das sind bei einer Anlagedauer von zehn Jahren – einen Moment bitte – total 455.000 Stutz, wie der Franken in der Umgangssprache heißt. Nicht übel – oder?

Der tiefe Glaube, die Geldanlage sei in der Schweiz sicherer als in Deutschland, ist in meinen Augen totaler Aberglaube. Damit sind Fehlentscheidungen verbunden, die manche Leute ein „Schweinegeld“ kosten, wenn Sie mir diese rustikale Formulierung gestatten. Die Gefahr droht auch den Brüdern. Bei nüchterner Betrachtung der Dinge sind andere Probleme zu lösen als das Geld in der Schweiz zu bunkern.

Die erste Aufgabe ist die Strukturierung der Gesamtvermögen. Jeder Bruder hat mehrere Depots und Immobilien in Deutschland. Dafür sind individuelle Strukturen zu entwickeln, wie viel Geld in Bargeld, Anleihen, Immobilien, Aktien und Rohstoffe investiert wird. Das sind alte Kamellen, doch offenbar ist Geldanlage so schwierig, dass man immer wieder bei Adam und Eva anfangen muss. Jeder Anleger hat für sein Gesamtvermögen die passende Mischung zu entwickeln, und diese Aufgabe wird in der Schweiz nicht besser erledigt als in Deutschland.

Die zweite Aufgabe ist die Verteilung der ausgewählten Anlagen auf verschiedene Währungen. Wer dem Euro misstraut, muss eben Teile des Bargelds sowie der Anleihen und Aktien in Dollar, Franken, Kronen oder Schekel anlegen. Euro-Anlagen in der Schweiz wären für die Katz’, weil es dem Euro egal ist, wo er vor die Hunde geht, wenn er ins Gras beißt. Ich hoffe, dieser Hinweis ist deutlich ... 

Die dritte Aufgabe ist die Umsetzung der Struktur. Die einmaligen Kosten von 80.000 Franken für die Anlage der zweieinhalb Millionen sind Geldverschwendung in Reinkultur. Der Kauf der Anlagen kostet bei Direktbanken in Deutschland maximal 1.000 Euro. Ich möchte Anleger in ähnlichen Lebenslagen nicht davon abhalten, das restliche Geld mit vollen Händen auszugeben, doch muss das Kapital ausgerechnet einer Bank in den Rachen geworfen werden?

Nicht zu vergessen sind die Ersparnisse bei der Verwaltung. Die laufenden Aufwendungen von 37.500 Franken oder abgerundet 32.000 Euro pro Jahr erfordern ein weites Herz. Haben Sie das? Sonst erlaube ich mir, Ihnen den Vorschlag zu machen, auf den Hokuspokus zu verzichten, die eine Hälfte zu spenden und die andere Hälfte in standesgemäße Skiferien in Arosa, Davos, St. Moritz oder Zermatt zu stecken.

In frischer Bergluft könnten bei Raclette und Fendant die beiden Fragen geklärt werden, die eine Lagerung von Geld in der Schweiz rechtfertigen. Haben Sie die Sorge, in naher Zukunft in Deutschland enteignet zu werden, und sind Sie sich, falls Sie die Frage mit „Ja“ beantworten, auch wirklich ganz sicher, dass Ihnen diese Gefahr in der Schweiz nicht droht? Wenn die zweite Antwort ebenfalls „Jawohl“ lautet, dann sollten Sie einen Teil der Anleihen und Aktien auf einem Konto am Rigi ob Küssnacht deponieren. Bitte vergessen Sie aber nicht, allfällige Erben davon in Kenntnis zu setzen. Sonst wird aus dem Schatz nach Ihrem Hinschied herrenloses Vermögen, das die Eidgenossen mit Kusshand konfiszieren werden.

Kolumnen entsprechen nicht immer der Ansicht der Herausgeber.

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