Implantologie

Reicht ein Implantat im zahnlosen Unterkiefer?

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Ergebnisse: In den bisherigen Ergebnissen zeigte sich, dass sich die Kaufunktion in beiden Gruppen (mit Sofortbelastung und mit verzögerter Belastung) deutlich verbessert hat – unabhängig davon, zu welchem Zeitpunkt belastet wurde [Passia, Abou-Ayash, Reissmann et al., 2017]. Ebenfalls konnte kein Zusammenhang bezüglich der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität und der Belastungsvariante evaluiert werden [Schwindling et al., 2018]. Bezüglich der Einflussfaktoren kam man in der Studie zu dem Ergebnis, dass vor allem die Restknochenhöhe den entscheidenden Faktor für eine erfolgreiche mittige Implantatinsertion darstellt [Passia, Abou-Ayash, Bender et al., 2017]. 

Die 24-Monats-Ergebnisse zeigten zudem, dass die Implantatüberlebensrate statistisch signifikant niedriger bei den Implantaten mit Sofortbelastung als in der Vergleichsgruppe war, so dass diese Indikation vor Anwendung am Patienten besonders gründlich evaluiert werden sollte [Kern et al., 2018]. 

Bei den Teilnehmern der Studie zeigten sich keine schwerwiegenden Komplikationen während des zweijährigen Untersuchungszeitraums. Prothesenbrüche zählten zu den häufigsten prothetischen Problemen, die auftraten. Um dieser Komplikation bereits im Vorfeld vorzubeugen, war gerade bei sehr zierlich gestalteten Unterkieferprothesen ein Metallbügel im Bereich der Frontzähne eingearbeitet worden, da sich die Frakturen gehäuft im Bereich der einpolymerisierten Matrize befanden. Auch Druckstellen traten vereinzelt durch die neue Lagestabilität der modifizierten Prothese auf, diese wurden auf übliche Weise entfernt. 

Eine weitere Komplikation stellte der Retentionsverlust der Matrize da. Das Matrizensystem (Dalbo-Plus, Cendres & METAUX SA, Schweiz) ermöglicht eine einfache Aktivierung chairside mit einem vorgefertigten Instrument. War jedoch bereits das Maximum der möglichen Aktivierung erreicht, so erfolgte ein Austausch der Matrize gegen eine stärkere Variante. Das System ermöglicht eine Auswahl vor drei unterschiedlich starken Retentionen. Zunächst wurden Matrizen in der Standardstärke eingesetzt. Optimiert werden konnte die Retention durch den „Tuning soft“- oder den „Tuning“-Einsatz. Um die Belastung des Implantats gleichmäßig zu gewährleisten, ist es erforderlich, zum einen regelmäßig den Sitz der Prothese zu kontrollieren, zum anderen bei Bedarf zu unterfüttern, damit die Prothesenbasis gleichmäßig auf der Schleimhaut zu liegen kommt. Komplikationen wie Prothesenbrüche würden sich durch das Setzen von zwei Implantaten reduzieren. Dies belegen auch Bryant et al. in ihrer Studie, in der ein Vergleich zwischen einem und zwei Implantaten nach einem Zeitraum von fünf Jahren evaluiert wird [Bryant et al., 2015]. 

Klinisches Vorgehen zur Mittelimplantatinsertion

Eine Indikation für die Versorgung liegt vor, wenn die oben genannten anatomischen und funktionellen Voraussetzungen vorliegen. Im ersten Schritt sollte über eine röntgenologische Evaluation eine Überprüfung der Knochenqualität und -quantität erfolgen, wobei eine Mindesthöhe von 11 bis 20 mm erforderlich ist. Im Anschluss daran kann das Setzen des mittigen Implantats (Camlog Screw Line, Camolg Biotechnologies, Wimsheim, Länge 13 mm, Durchmessser 3,8 mm) erfolgen. Nach der Implantat-Insertion sollten ein 1,5 mm hoher Gingivaformer in das Implantat eingebracht und ein spannungsfreier Nahtverschluss durchgeführt werden. Um die Operationswunde nicht zu stark zu belasten, sollte die Totalprothese im Bereich des Implantats ausgeschliffen werden und danach eine weichbleibende Unterfütterung erhalten (Softliner, GC, Tokio, Japan). 

Abbildung 3: Kugelkopfattachment in situ, Abbildung 4: Matrize mit ovalem Retentionsdeckel  | Maltzahn

Abbildung 5: Einpolymerisierte Matrize in der Totalprothese im Unterkiefer, Abbildung 6: Zahnersatz bei Recalluntersuchung  | Maltzahn

Anschließend sollte eine röntgenologische Kontrolle mittels Panoramaschichtaufnahme erfolgen. Nach einer Implantateinheilung von drei Monaten können chairside die Retentionselemente in den vorhandenen Zahnersatz eingearbeitet werden. Das Kugelkopfattachment (Gingivahöhe 1,5 mm, Camlog) wird mit einem manuellen Drehmomentschlüssel (Camlog) mit einem definierten Drehmoment von 30 Ncm eingesetzt (Abbildung 3). 

Es folgt das achsengerechte Ausrichten der Matrize mit ovalem Retentionsdeckel (Dalbo-Plus ellipitic Cendres & METAUX SA) auf dem Kugelkopf (Abbildung 4).

Für das Einpolymerisieren der Matrize in den Kunststoff muss zunächst eine Aussparung regio 31/41 von lingual ausgeschliffen werden, so dass via Spiegel eine Platzbedarfskontrolle erfolgen kann. Die Oberfläche der Matrize sollte für einen stabilen Verbund zum Kunststoff im Rahmen einer Silanisierung und Silikatisierung vorbehandelt werden. Dafür kann die Prothesenbasis mit Aluminiumoxidpulver mit 2 bar mechanisch und mit einem Kunststoffprimer chemisch vorbehandelt werden. Danach kann das Einpolymerisieren in die Prothese mithilfe eines Kunststoffs für Provisorien (Luxatemp, DMG, Hamburg) erfolgen (Abbildung 5). Zu empfehlen ist, die Passung der modifizierten Prothese erneut mit einem Fließsilikon zu überprüfen. Die Patienten sollten wie üblich nach einer Eingliederung von neuem Zahnersatz Instruktionen zur Handhabung sowie zur Hygiene des Zahnersatzes erhalten und über einen regelmäßig notwendigen Recall aufgeklärt werden (Abbildung 6).

Ausblick/Fazit

Die bisherigen Ergebnisse der multizentrischen Studie deuten darauf hin, dass das mittige Implantat im zahnlosen Unterkiefer eine kostengünstige und wenig belastende Alternative zu einer Abstützung über zwei Implantate bietet, die unkompliziert und chairside am Patienten angewendet werden kann. Jedoch scheint die Art der Belastungsvariante für den Langzeiterfolg eine entscheidende Rolle zu spielen, weshalb der verzögerten Belastung der Vorzug gegeben werden sollte. Die Indikation zur Sofortbelastung sollte strengen Richtlinien und einer umfassenden Aufklärung des Patienten unterliegen.

Zu einer Verbesserung der Lagestabilität von Unterkiefer-Prothesen scheint nach den Ergebnissen der heute vorliegenden Studien bereits ein Implantat beizutragen. Dennoch sollten neben den Wünschen des Patienten Parameter wie Anatomie und funktionelle Gegebenheiten essenzielle Punkte vor der Planung einer Implantation darstellen, um unabhängig von der Implantatanzahl ein optimales Ergebnis zu erzielen. 

Dr. Nadine Freifrau von Maltzahn, OÄ
Spezialistin für Prothetik (DGPro)
Medizinische Hochschule Hannover
Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Biomedizinische Werkstoffkunde
Carl-Neuberg-Str.1
30625 Hannover
vonMaltzahn.Nadine@mh-hannover.de

Prof. Dr. Meike Stiesch
Medizinische Hochschule Hannover
Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Biomedizinische Werkstoffkunde
Carl-Neuberg-Str.1
30625 Hannover

Dr. Nadine Freifrau von Maltzahn | Pawlaczyk MMH

 

Dr. Nadine Freifrau von Maltzahn

2003 bis 2009 Studium der Zahnmedizin in Kiel, 2009 bis 2011 Assistenzzahnärztin in freier Praxis in Kiel, 2011 bis 2016 Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Biomedizinische Werkstoffkunde der MH Hannover, 2013 Promotion, 2015 Spezialistin für Prothetik (DGPro), 2016 bis heute Oberärztin an der Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Biomedizinische Werkstoffkunde der MHH

 

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