Jürgen Weitkamp wird 80 Jahre

"Wir haben wirklich alles auf den Kopf gestellt!"

Er hat die Prävention in der Zahnmedizin forciert, die Fortbildung reformiert, den Berufsstand professionalisiert und den Nachwuchs nach vorne geschoben. Ja, Dr. Dr. Jürgen Weitkamp hat „wirklich alles auf den Kopf gestellt“! Am 15. Juli wird der langjährige Präsident und jetzige Ehrenpräsident der Bundeszahnärztekammer 80 Jahre alt.

Dr. Dr. Jürgen Weitkamp mit Prof. Dr. Wolfgang Sprekels (l) und Prof. Dr. Dietmar Oesterreich (r) zm Archiv

Eine berufliche Laufbahn nach dem Vorbild seines Vaters hatte der gebürtige Bielefelder zunächst gar nicht im Sinn. Stattdessen wollte der Zahnarztsohn Journalist werden. Aber nach einigen Fingerübungen für ein Lokalblatt entschied sich der Abiturient dann für die Medizin und schrieb sich an der Universität Marburg ein. Weil dort ein zahn- und allgemeinmedizinisches Doppelstudium nicht möglich war, wechselte er schließlich nach Mainz. Weitkamp legte 1963/1965 die Staatsexamen ab, wurde 1968 zum Dr. med. und Dr. med. dent. promoviert und war als wissenschaftlicher Assistent tätig. 

Stationen eines Lebens: 1959 als Corpsstundent bei Hassia Gießen zu Mainz | privat

Mitte der 1990er-Jahre an seinem Münsteraner Arbeitsplatz | ZÄKWL

Vor dem Einstieg in die väterliche Praxis im ostwestfälischen Lübbecke absolvierte der junge Zahnmediziner ein 18-monatiges Postgraduate-Studium an der University of Michigan in Ann Arbor, an der Prof. Dr. Sigurd P. Ramfjord lehrte und forschte. Weitkamp: „Die USA waren damals auf vielen Gebieten führend und Ramfjord, den fast jeder Zahnmediziner auf der Welt kannte, eine Koryphäe in den Bereichen Parodontologie und Okklusion. Er forderte Leistung von seinen Studenten – unerbittlich, konsequent und kompromisslos.“ 

 

Sein Protest machte den 38-Jährigen bekannt

Die US-Erfahrungen prägten Weitkamps Berufs- und Lebensweg und bestimm(t)en sein Verständnis einer zeitgemäßen, präventiv ausgerichteten und wissenschaftlich basierten Zahnheilkunde. 

Mitte der 1970er-Jahre startete Weitkamp in der Standespolitik, nicht ahnend, dass sein Engagement ihn ein Vierteljahrhundert später bis an die Spitze der deutschen Zahnärzteschaft bringen würde. Im Streit um die Einbeziehung der Prothetik ins Sachleistungsprinzip, die von den meisten Zahnmedizinern wegen der absehbaren Überforderung des solidarischen Gesundheitssystems und der Finanzkraft der Krankenkassen abgelehnt wurde, opponierte der damals 38-Jährige gegen die zustimmende Haltung der KZV Westfalen-Lippe. Sein vehementer Protest auf einer Bezirksversammlung machte ihn schlagartig über die Kammergrenze hinaus bekannt. In den FVDZ gelangte er indes nur mithilfe des Bundesvorsitzenden Helmut Zedelmaier – der zuständige Landesverband wollte den Rebellen nicht in seinen Reihen.

am 25. September 1996 bei der Einweihung der neuen Akademie für Fortbildung der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe | ZÄKWL

Bei den Wahlen zur Vertreterversammlung der KZVWL hatten Weitkamp und Kollegen 1977 mit einer eigenen Liste Erfolg, die bisherige KZVWL-Führung wurde abgelöst, Weitkamp Mitglied des neuen Vorstands und im selben Jahr zugleich stellvertretender Vorsitzender des FVDZ. 1990 gewann er mit großer Mehrheit die Wahl als Präsident der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe und wurde ferner Vorsitzender der KZBV-Vertreterversammlung. Diese einzigartige Doppelposition – als Mitglied des BZÄK-Vorstands und Gast der KZBV-Vorstandssitzungen – verschaffte Weitkamp bis zu seinem Wechsel nach Berlin tiefe Einblicke in die Standespolitik und schnell wachsende Bedeutung auf Bundesebene.

mit langjährigen Mitstreitern und Weggefährten: Weitkamp mit BZÄK-Hauptgeschäftsführer Klaus Schlechtweg und seinen beiden Vizepräsidenten Prof. Dr. Wolfgang Sprekels und Prof. Dr. Dietmar Oesterreich (v.l.n.r.) | zm-Archiv

Das war neu: Zahnärzte sollen mit Patienten reden

Seine Agenda an der Spitze der Münsteraner Kammer wurde schnell deutlich. „Ich wollte die Kammer politisieren und zum Sprachrohr der gesamten Zahnärzteschaft machen, verkrustete Strukturen aufbrechen. Das Kammergeschehen war damals sehr auf Repräsentation angelegt, auf die Bewahrung alter Formen und Rituale.“ In Weitkamps gesundheitspolitischen Zukunftsvisionen rückten die Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention in den Vordergrund, es entstanden Konzepte wie „Zahnheilkunde plus“ und „Sprechende Zahnheilkunde“. „Zahnärzte müssen mit den Patienten reden, ihnen die Behandlung erklären, Alternativen benennen“, erklärt Weitkamp den damals neuen Ansatz. Mit dem Beirat „Qualität“ entstand ein Gremium für den interdisziplinären Gedankenaustausch mit Fachleuten aus dem Finanz-, Gesundheits- und Wirtschaftssektor. Dazu kam eine Bildungs- und Qualifizierungsoffensive. Weitkamp: „Mir war immer klar: Die freiberuflich ausgeübte Zahnheilkunde ist so gut wie beruflich Tätige kompetent sind. Und Kompetenz erwirbt man durch Studium, die Arbeit in der Praxis und regelmäßige Fortbildung.“

im Oktober 1970 in Paris beim Symposium von Prof. Raphaël Cherchève, Pionier der Implantologie und Odontostomatologie | privat

 

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