Neues Verfahren zur Behandlung von Kiefergelenkköpfchenfrakturen

Versorgung mit selbstauflösendem Magnesium-Implantat

Der 25-jährige Patient zog sich im vergangenen Herbst bei einem Fahrradunfall schwerste Unterkiefer- und Kiefergelenksfrakturen zu. Die Versorgung erfolgte mit einem sich selbstauflösenden Implantat.

Der junge Mann stürzte im Oktober 2017 auf dem Nachhauseweg von der Arbeit mit dem Fahrrad. Dabei prallte er mit dem Kinn so hart auf, dass er sich eine dreifache Unterkieferfraktur zuzog, eine diakapituläre Kiefergelenkfraktur links, eine hohe Kiefergelenkfortsatzfraktur rechts und eine mediane Unterkieferkörperfraktur.

Die Behandlung

Die Unterkieferkörperfraktur und Kiefergelenkfortsatzfraktur rechts wurden mit Platten und Schrauben aus Titan versorgt, wie es MKG-chirurgischer Standard ist.

Nur wenige MKG-chirurgische Kliniken in Deutschland sind auch darauf spezialisiert, Kiefergelenkköpfchenfrakturen (diakapituläre Frakturen) operativ zu versorgen. In Dresden ist dies schon lange Tradition. Neu ist hier jedoch, dafür resorbierbares Ostteosynthesematerial zu benutzen.

Somit wurde bei dem Patienten selbstverständlich auch die Kiefergelenkköpfchenfraktur operiert, und zwar mit dem weltweit ersten biotransformierbaren Metallwerkstoff auf Magnesium-Basis.

Fixierung mit selbstauflösendem Material aus Magnesium

Der Zugang zum Kiefergelenkköpfchen erfolgte über einen Schnitt am Ohr - ähnlich wie bei einem Facelift. Das innere Fragment des Kiefergelenkköpfchens wurde von der Kaumuskulatur (M. pterygoideus lateralis) nach vorne gezogen. Es musste zuerst mobilisiert werden, um dann zu dem Kiefergelenkfortsatz mit dem restlichen Kieferköpfchen hin reponiert zu werden.

Anschließend wurde das Fragment zunächst mit einem Kirschnerdraht fixiert, über den es dann mit einer speziellen kanülierten Headless-Bone-Screw aus Magnesium (Magnezix®) an den seitlichen Pol des Unterkiefergelenkkopfs geschraubt wurde. Damit gelang es, die Höhe des Unterkieferasts exakt wiederherzustellen und so einer Verkürzung dieser Unterkieferseite vorzubeugen.

Nach der OP

Nach einer vorübergehenden Ruhigstellung für zwei Tage erwies sich die Verzahnung als regelrecht und eine Mundabweichung bei der Öffnung war nicht zu sehen. Im DVT war eine regelrechte Frakturstellung zu sehen. Bei regelmäßiger Übung und Normalisierung der Kost zeigte sich in den ambulanten Nachkontrollen nach drei Monaten eine weitgehend normale Mundöffnung von vier Zentimetern und auch die Seitbewegung des Unterkiefers nach rechts und links war regelrecht mit sechs beziehungsweise sieben Millimetern.

Selbstauflösende Schrauben und Platten aus Magnesium

Bei Magnezix® handelt es sich um den weltweit ersten biotransformierbaren Metallwerkstoff auf Magnesium-Basis. Er zeichnet sich durch beste biomechanische Eigenschaften aus: Die Elastizität ähnelt der des Knochens, während die Stabilität eher den Metallen entspricht.

Diese Magnesium-Implantate werden so gestaltet wie ordinäre Schrauben und Platten aus Titan. Die osteokonduktive Fähigkeit stimuliert das Knochenwachstum, so dass schließlich neues Knochengewebe das Magnesium-Implantat ersetzt.

Da dieses hochinnovative Osteosynthesematerial aus Magnesium resorbierbar ist, wird eine Materialentfernung, wie sie bei Titanschrauben häufig noch erfolgt, somit überflüssig. Aktuell wird es ausschließlich in der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am Dresdner Universitätsklinikum zur Stabilisierung von Kiefergelenkköpfchen eingesetzt.

Polymere als Alternative für nicht lasttragende Osteosynthesen

Eine schon länger bestehende Alternative zum Magnesium-Implantat ist die Verwendung von Osteosynthese-Material aus Polymeren wie Polylactid oder Polymilchsäuren. Eine Besonderheit hierbei ist, dass dieses Material mittels Ultraschall-Applikation (SonicWeld Rx®) erwärmt und verformt werden kann. Pins aus diesem Werkstoff (Resorb-x®) können so in vorgebohrte Löcher im Knochen eingeschmolzen werden und Frakturen miteinander verbinden.

Auch können mit diesem Verfahren Platten und Meshs an die knöchernen Gegebenheiten angepasst und mittels Pins in vorgebohrte Löcher fixiert werden. Durch die Ultraschalltechnologie verflüssigen sich die Pins an der Oberfläche, verbinden sich mit den Platten beziehungsweise Meshs und fließen in die knöchernen Hohlräume ein.

Hierdurch können nicht lasttragende Osteosynthesen im kraniomaxillofazialen Bereich erreicht werden, welche ebenfalls keine Materialentfernung benötigen, da sich das Material über den Zeitraum von ein bis zwei Jahren von selbst abbaut.

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