Eine therapeutische Herausforderung in der Kindersprechstunde

Behandlung von MIH-Patienten

 

Ätiologie

Ursachen und Wirkungszusammenhänge bei der Entstehung der Mineralisationsstörungen sind noch weitgehend ungeklärt. Als Ursachen der MIH werden vielfältige Einflussfaktoren diskutiert, so unter anderem:

 - Pneumonie

- hohes Fieber

- hochdosierte Antibiotikagabe

- Störung im Mineralhaushalt

- Dioxin oder polychloriertes Biphenyl in der Muttermilch und mehr als neun Monate langes Stillen

- Frühgeburt und Sauerstoffmangel bei der Geburt oder später

- Respiratorische Erkrankungen in der frühen Kindheit (Asthma bronchiale, rezidivierende Bronchitiden)

- Infektionskrankheiten wie Diphterie, Scharlach, Mumps und Masern während der ersten drei Lebensmonate

- Zöliakie

- Vitamin-D-Defizit oder auch Nahrungszusätze

Studien an Ratten hatten einen Zusammenhang zwischen Bisphenol A und MIH nahegelegt [Jedeon et al., 2013; Jedeon et al., 2014]. Eine vorrangige Ursache konnte bislang allerdings nicht identifiziert werden.

Diagnostik

Hypomineralisationen an den Sechsjahr-Molaren können nach Wetzel und Reckel [Wetzel und Reckel, 1991] in drei Schweregrade eingeteilt werden:

  • Schweregrad 1 (leicht): 

Molaren mit Schweregrad 1 weisen einzelne weiß-cremige abgegrenzte Opazitäten im Bereich der Kaufläche und/oder der Höcker/des oberen Kronendrittels ohne Substanzverlust auf.

  • Schweregrad 2 (mittel): 

Bei Schweregrad 2 erfassen die Opazitäten fast alle Höcker und das obere Kronendrittel mit geringem Substanzverlust.

  • Schweregrad 3 (schwer): 

Dieser ist durch großflächige gelb-braune Verfärbungen mit Defekten der Kronenmorphologie aufgrund ausgeprägter Schmelzverluste gekennzeichnet.

Alle Schweregrade können mit oder ohne Beteiligung der Schneidezähne auftreten. Die Verteilung auf die einzelnen Schweregrade ist annähernd identisch. Ebenso sind Mädchen und Jungen gleichermaßen betroffen (Tabelle 1).

Abbildung 6: Röntgenkontrollein ITN, Bissflügel rechts und links vom 26.05.2011 | Gronwald, ZFZ Stuttgart

Abbildung 7: Stahlkrone in ITN vom 26.05.2011 | Gronwald, ZFZ Stuttgart

Abbildung 8: Befund nach ITN vom 26.05.2011 | Gronwald, ZFZ Stuttgart

Ein neuer Index zur Befunderhebung und Therapieplanung bei Patienten mit MIH wurde von einer internationalen Arbeitsgruppe erarbeitet (MIH-Treatment Need Index, Würzburger Konzept, Tabelle 2). Dieser Index soll gleichermaßen für die Epidemiologie und die Individualbetreuung geeignet sein und wird in jedem Gebiss in sechs Messbereichen (Sextanten, Milch- und bleibende Zähne) erhoben.

Differenzialdiagnostisch müssen folgende Krankheitsbilder in Betracht gezogen werden:

- Amelogenesis imperfecta

- Dentalfluorose,

- Schmelzfehlbildungen durch Tetrazyklingabe,

- Trauma

- apikale Entzündungen der Milchzähne (Turnerzahn)

 -  Karies

Therapiemöglichkeiten

Generell sollten die von MIH betroffenen Kinder engmaschig in einem Intensivprophylaxeprogramm betreut werden mit entsprechenden professionellen und häuslichen Fluorid-, Chlorhexidin-, Arginin- und TCP-haltigen Produktanwendungen zur Desensibilisierung, Stabilisierung und Reduktion der Kariesaktivität. Bei engmaschigem Recall (mindestens alle 3 Monate) können gegebenenfalls auch minimal befallene Okklusalflächen mit Fissurenversiegelungen versorgt werden.

Abbildung 9: Ausgangsbefund vom 10.05.2011 | Gronwald, ZFZ Stuttgart

Abbildung 10: Panoramaschichtaufnahme vom 10.05.2011 | Gronwald, ZFZ Stuttgart

Wenn mit Komposit als Füllungsmaterial behandelt wird, sollten aufgrund des schwachen/veränderten Ätzprofils alle veränderten Schmelzareale zumindest am Präparationsrand entfernt werden – ansonsten ist eine schnelle Randspaltbildung und/oder Sekundärkaries absehbar.

Als zeitlich begrenzte Übergangslösung bis zur definitiven Überkronung oder bis zur Extraktionstherapie und kieferorthopädischen Mesialisierung der zweiten Molaren können die Sechsjahrmolaren mit konfektionierten Stahlkronen versorgt werden.

Als langfristige Lösung können Goldteilkronen/Goldkronen, Verblendkeramikkronen oder Keramikteilkronen/Keramikkronen (adhäsiv befestigt oder zementierbar mit entsprechender Keramik) eingesetzt werden. Diese therapeutischen Möglichkeiten sind jedoch abhängig vom Alter und der Kooperationsfähigkeit des Kindes und auch mit einem höheren Zeit- und Kostenaufwand verbunden.

Teilweise ist eine Behandlung in Narkose unumgänglich, wenn die Schmerzausschaltung – sei es Füllungstherapie oder Präparation – mit lokaler Anästhesie nicht möglich ist. Sollte eine lokale Schmerzausschaltung an diesen Zähnen nicht möglich sein, bietet die Behandlung mit Lachgas leider oft keine Alternative. Dies wäre allenfalls eine Sedierung, die jedoch einen vergleichbaren Aufwand wie eine Narkose bedeutet (Anästhesist, Aufwachraum, Monitoring etc.) – allerdings mit erhöhtem Risiko (unklare Dosis/Wirkung, ungesicherte Atmung etc.).

Abbildung 11: Fotostatus vom 11.11.2011 | Gronwald, ZFZ Stuttgart

     

    Bei der systemisch bedingten Hypomineralisation können beide Dentitionen betroffen sein. Hier sehen Sie verschiedene Therapieoptionen.

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