(Defensive) Alterszahnheilkunde

Unorthodoxe Interventionen wagen

Im hohen Alter besitzen Menschen unterschiedlich viele Zähne. Neben parodontalen und endodontischen Erkrankungen finden sich zum Teil umfangreiche Zahnhartsubstanzläsionen wie ausgedehnte Wurzelkaries, Abrasionen, Attritionen, Erosionen und Frakturen.

Die Pflegeperson (rechts) wird von einer erfahrenen ZFA (links) in der Mundhygiene einschließlich der Interdentalraumhygiene der Patientin unterwiesen Staehle

Im hohen Alter besitzen Menschen unterschiedlich viele Zähne. Neben parodontalen und endodontischen Erkrankungen finden sich zum Teil umfangreiche Zahnhartsubstanzläsionen wie ausgedehnte Wurzelkaries, Abrasionen, Attritionen, Erosionen und Frakturen. Hinzu kommen Zahnverluste mit Lückenbildungen, die aufgrund besonderer Lebensverhältnisse und -einschränkungen zuweilen durch Prothesen, Brücken oder Implantate nicht ohne Weiteres geschlossen werden können. Inzwischen kann die restaurative Zahnerhaltung mit alternativen Methoden zur Versorgung beitragen. Besonders die Weiterentwicklungen der Komposite und ihrer sachgerechten Verarbeitung haben hier neue Wege eröffnet [Frese et al., 2014; Opdam et al., 2010; Staehle, 1999, 2003, 2014; Wolff et al., 2015a,b; Staehle et al. 2017]. 

In diesem Beitrag wird auf folgende Gegebenheiten näher eingegangen: 

  • Management von Einzelzahnlücken 
  • Management nicht-kariesbedingter
  • Läsionen
  • Behandlung von Wurzelkaries
  • Vorgehen bei Höckerfrakturen
  • Reparaturrestaurationen
  • Anpassung neuer direkter Restaurationen an bestehende prothetische Versorgungen

Die Behandlungsoptionen müssen unter anderem den allgemeinen körperlichen und geistigen Gesundheitszustand, die Aktivität, die manuelle Geschicklichkeit, die Konzentrationsfähigkeit und die Compliance von Senioren, deren Lebensverhältnisse und -erwartungen bekanntlich äußerst variabel sind, berücksichtigen. Die besonderen Begleitumstände der Gerontostomatologie (altersgerechte Praxiseinrichtung und -organisation, Einschätzung der funktionellen Kapazität, Complianceförderung und mehr) sind an anderer Stelle beschrieben [Ludwig, 2016; Müller und Nitschke, 2010; Nitschke, 2016; Reißmann und Lamprecht, 2018] und werden deshalb hier nur am Rande erörtert.

Abbildung 1 A-I: 84-jähriger Patient mit arterieller Verschlusskrankheit (Claudicatio intermittens)

 a bis c: Durch einen Sturz fehlt ein 1. Prämolar im Oberkiefer. Der Patient ist gesellschaftlich noch stark aktiv und wünscht einen Lückenschluss. Von einer Implantatversorgung möchte er Abstand nehmen. Es wird ein Lückenschluss durch Zahnverbreiterung vorgenommen (Details siehe [Staehle et al., 2015 und Staehle et al., 2017]). | Staehle

 a bis c: Durch einen Sturz fehlt ein 1. Prämolar im Oberkiefer. Der Patient ist gesellschaftlich noch stark aktiv und wünscht einen Lückenschluss. Von einer Implantatversorgung möchte er Abstand nehmen. Es wird ein Lückenschluss durch Zahnverbreiterung vorgenommen (Details siehe [Staehle et al., 2015 und Staehle et al., 2017]). | Staehle

 a bis c: Durch einen Sturz fehlt ein 1. Prämolar im Oberkiefer. Der Patient ist gesellschaftlich noch stark aktiv und wünscht einen Lückenschluss. Von einer Implantatversorgung möchte er Abstand nehmen. Es wird ein Lückenschluss durch Zahnverbreiterung vorgenommen (Details siehe [Staehle et al., 2015 und Staehle et al., 2017]). | Staehle

d: nach Abstrahlung mit Edelkorundpulver und Fadenapplikation an Zahn 25. | Staehle

e bis g: nach Lückenschluss durch Zahnverbreiterung. | Staehle

e bis g: nach Lückenschluss durch Zahnverbreiterung. | Staehle

e bis g: nach Lückenschluss durch Zahnverbreiterung. | Staehle

h und i: Kontrolle nach acht Jahren (Patient ist jetzt 92 Jahre alt): Wegen der Verschlusskrankheit musste ein Bein amputiert werden. Die Zahnverbreiterung ist intakt, der Patient kommt nach wie vor sehr gut damit zurecht (Reinigung mit großen Interdentalraumbürsten). | Staehle

h und i: Kontrolle nach acht Jahren (Patient ist jetzt 92 Jahre alt): Wegen der Verschlusskrankheit musste ein Bein amputiert werden. Die Zahnverbreiterung ist intakt, der Patient kommt nach wie vor sehr gut damit zurecht (Reinigung mit großen Interdentalraumbürsten). | Staehle

1. Lückenmanagement (Monitoring, direkte Zahnverbreiterungen oder -anhänger, Prinzip der verkürzten Zahnreihe)

Senioren haben – wie oben ausgeführt – immer häufiger zahlreiche eigene Zähne. Im Fall von Lückenbildungen müssen diverse Behandlungsalternativen in Erwägung gezogen werden. Dazu zählen neben klassischen prothetischen und implantologischen Versorgungen auch andere Optionen (Tabelle 1). Nicht jede Lücke muss geschlossen werden. Wenn funktionell und ästhetisch keine relevanten Einschränkungen bestehen, kann auch ein Monitoring (Belassen und Beobachten) eine gute Lösung sein [Staehle, 2010; Listl et al., 2016]. Daneben kommen zuweilen Zahnumformungen und -verbreiterungen (Abbildung 1) oder direkte Freiendanhänger aus Komposit als Behandlungsmittel zum Lückenschluss in Betracht [Staehle, 2007, 2009, 2010, 2012, 2017; Staehle et al., 2014, 2015a, b; Frese und Staehle, 2018]. Schließlich ist für Patienten, bei denen aufwendiger festsitzender Zahnersatz nicht möglich ist und die keine herausnehmbare prothetische Versorgung wünschen, die Verfolgung des Prinzips der verkürzten Zahnreihe [Walter, 2016] zuweilen eine gute Alternative. Zur praktischen Realisierung dieses Konzepts kann heute die konservierend-restaurative Zahnheilkunde (zum Beispiel über Zahnverbreiterungen und -anhänger, eventuell in Kombination mit Schienungen) ebenfalls viel beitragen. 

Optionen des Lückenmanagements als Ergänzung/ Alternative zu konventionellen implantologischen und prothetischen Interventionen
Monitoring (Belassen und Beobachten)
Lückenschluss durch direkt eingebrachte Zahnverbreiterungen oder -anhänger
Verfolgung des Prinzips der verkürzten Zahnreihe
Tabelle 1; Quelle: H. J. Staehle 

10684811065947106594810659491068482 1068483 1065951
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