Moderne Hypnose in der Zahnheilkunde

Die Macht der suggestiven Kommunikation

Hypnose ist ganz anders, als Sie es sich vermutlich vorstellen. Sie erleichtert den Alltag in jeder Praxis. Mit moderner Hypnose wird die ganz normale tägliche Arbeit einfacher, effektiver und angenehmer. Für die Patienten bedeutet das: weniger Angst, Stress und Schmerz – für das Team mehr Freude an der Arbeit.

Induktionstechniken

Mit indirekten Suggestionen von allen Mitarbeiterinnen der Praxis, durch eine angstabbauende, positiv verstärkende Kommunikation und durch Vermeiden von Angstauslösern (wie zum Beispiel konventioneller Praxiseinrichtung und typischem Zahnarztgeruch) wird beim Patienten eine positive Erwartungshaltung ausgelöst. Er ist neugierig, wie in dieser Praxis ganz besonders auf seine individuellen Wünsche und Ängste eingegangen wird und wie ihm geholfen wird, in einen guten inneren Zustand zu kommen.


Curriculum Hypnose

In ganz Deutschland wird das Curri¬culum „Zahnärztliche Hypnose und Kommunikation“ (mit 96 Stunden Ausbildung und 32 Stunden Super¬vision) angeboten. Die Deutsche Gesellschaft für Zahnärztliche Hypnose (DGZH) vertritt das Konzept der Einbindung des ganzen Praxisteams in die Vorbereitung und Durchführung.
Der Patient erfährt dabei schon beim ersten Kontakt über Angebote zur Entspannung und zum Angstabbau; jede Mitarbeiterin ist im Übertragen von Ruhe, Sicherheit und Geborgenheit geschult. Sie unterstützt durch sug¬gestive Kommunikation das Entstehen von natürlichen Trancezuständen. Sie erkennt darüber hinaus Ressourcen und Abneigungen des Patienten und dokumentiert diese auf dem Anamnese¬bogen. Weil das ganze Team mitwirkt, reduziert sich der Zeitaufwand für die Induktion der Hypnose für die Behandler ganz erheblich. Es ist letztlich wie bei der Parodontalbehandlung: je besser die Vorbehandlung, umso effektiver die Therapie.
www.dgzh.de


Indirekte Induktionstechniken

• Seeding: Bereits beim ersten Kontakt am Telefon wird eingestreut, dass die Praxis verschiedene Methoden zur Angst-, Schmerz- und Stressreduktion anbietet. So kann der Patient sich schon vorher überlegen, ob er entspannende Musik, eine Anleitung zur Selbsthypnose, Hypnose oder (im Extremfall) eine Vollnarkose für eine angenehme Zahnbehandlung wählen möchte.

• Der Rahmen: Das Vermeiden aversiver Reize (wie typischer Zahnarztgeruch, typische Geräusche, eine „sterile“ weiße Einrichtung, Mahnplakate) verblüfft den neuen Patienten. Ein gutes Betriebsklima und ein freundlicher, kompetenter Service schaffen Vertrauen. Das Angebot, schon im Wartezimmer spezielle Entspannungs-CDs anzuhören und sich über die Möglichkeiten einer entspannten Zahnbehandlung zu informieren, schafft zudem eine positive Erwartungshaltung.

• Nonverbale Techniken: Auch wenn der Patient sagt, dass er „keine Angst hat“ und die Behandlung ganz normal ablaufen kann, sind mit nonverbalen Techniken (Monotonie im Arbeitsrhythmus, indirektes Vertiefen der Atmung, beruhigende Hintergrundmusik) Trancezustände möglich. So ist der Patient während der Behandlung in einem guten Zustand und vergisst die Zeit und die Arbeit im Mund. Menschen mit Kontrollbedürfnis kann man das Angebot machen, die Behandlung im Spiegel zu „überwachen“. Das führt bei ihnen zu dissoziativen Zuständen. Momentan ist die Induktion im Wandel. Gerade in den vergangenen Jahren wurden moderne Induktionstechniken entwickelt und verfeinert.

• Dabei wird zur indirekten Hypnose die Drei-Worte-Induktion nach Prior und Fiedler in drei bis fünf Minuten durchgeführt. Hierbei wird der Patient nicht im klassischen Sinn hypnotisiert, er fühlt sich jedoch entspannt, sicher und wohl. Konkret geht das so: Er wird nach einer schönen Erinnerung aus seinem Leben gefragt und soll dann für diese Erinnerung drei Wörter finden, die ihm dieses Erlebnis genau memorieren. Dann wird der Patient aufgefordert, seine drei Wörter für die Dauer der Behandlung ständig mental zu wiederholen. Der Behandler und die Helferin sagen anfangs zur Induktion von beiden Seiten lächelnd und mit suggestiver Betonung die drei Wörter und arbeiten dann schweigend weiter.

• CDs: Sie sind ohne Zeitaufwand einsetzbar und leiten mit Selbsthypnose zur Bewältigung von Angst, Schmerz und Stress an – vor, während und nach der Zahnbehandlung. Schon während der Mundhygiene nutzen immer mehr Patienten das Angebot, eine entsprechende CD zu hören, um sich während und nach der Behandlung entspannt und gut zu fühlen. Patienten, die keine Lokalanästhesie wünschen – etwa Schwangere, Stillende oder Patienten mit einer entsprechenden Medikamentenunverträglichkeit – können mit der CD „Beim Zahnarzt ohne Spritze“ sehr gut ohne oder mit gering dosierter Anästhesie behandelt werden. Die positiven „Nebenwirkungen“ sind: weniger Schwellungen und eine raschere Wundheilung.

Behandlungsunwillige Kinder sind wohl in jeder Zahnarztpraxis bekannt. Jeder erfolglose Behandlungsversuch steigert bei allen Beteiligten das Frustrationsgefühl. Auch für diese Gruppe gibt es spezielle CDs. CMD-Patienten erreichen eine Schmerzkontrolle und eine Reduktion des Bruxismus über eine speziell konzipierte CDs.

Direkte Induktionstechniken

Wenn die Hypnose individuell, ohne CD durchgeführt werden soll, ist beim Arbeiten ohne Spritze eine rasche und wirksame Induktion erforderlich. Bei allen Patienten, die eine „richtige Hypnose“ wünschen, besonders bei heftiger Symptomatik wie phobischer Reaktion, starkem Würgereiz, Prothesenintoleranz, Mundbrennen oder Aphthosis des ganzen Mundes ist oft die direkte Einleitung der Hypnose mit der „Turboinduktion“ nach Thomas Stöcker oder der „rapid induction“ nach Victor Rausch angezeigt. Dabei wird der Patient innerhalb von drei bis zehn Minuten in eine tiefe Hypnose versetzt, in der dann die Behandlung durchgeführt werden kann. Die Einleitung kann auch als Doppelinduktion durchgeführt werden, bei der zwei Personen gleichzeitig sprechen und der Patient häufig einen sehr tiefen Trancezustand erreicht. Für gewöhnlich sitzt ein Behandler auf der linken Seite des Patienten und der andere ihm gegenüber rechts.

„Wirklich schmerzfrei ohne Spritze?“

Viele Patienten (und Zahnärzte) gehen heute noch davon aus, dass eine Zahnbehandlung ohne chemische Anästhesie einem Rückschritt ins Mittelalter gleichkommt und dass dies in jedem Fall mit Schmerzen und Quälerei einhergehen müsse. Mit Hypnose können jedoch alle Eingriffe in der Zahnmedizin ohne Trauma und Schmerzerleben bei jenem Teil der Patienten durchgeführt werden, der sich freiwillig für eine Behandlung in Hypnose entschließt. Dies ist das beste Auswahlkriterium. Falls die Analgesie nicht ausreichend ist (bei etwa 20 Prozent der Patienten, die sich für eine Behandlung ohne Spritze entschieden haben), kann mit wenig chemischer Anästhesie meist sofort völlige Schmerzfreiheit erreicht werden.

Fazit

Letztlich besteht das von der DGZH verfolgte Ziel darin, durch eine möglichst weite Verbreitung von Hypnose und Entspannungstechniken, Patienten eine sanfte Zahnheilkunde anzubieten. Je mehr von ihnen völlig entspannt behandelt werden und je weniger (zurzeit noch 70 Prozent!) Angst vor dem Zahnarzt haben, umso weniger wird der Berufsstand attackiert werden. Die gelegentliche Aggression gegenüber Zahnärzten kann reduziert werden, wenn mehr Patienten sagen: „Ich gehe gern zu meinem Zahnarzt!“

Dr. Albrecht Schmierer, Gründer und von 1994 bis 2012 Präsident
der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Hypnose (DGZH) e.V.

Esslingerstr. 40, 70182 Stuttgart, Schmierer@hypnose.de


Interview mit Dr. Gerhard Schütz

Leichte, mittlere oder tiefe Trance – was bietet sich für die zahnärztliche Behandlung an?
Der entscheidende Punkt ist die Behandlungsfähigkeit. Ist diese durch eine leichte Trance gegeben, dann reicht das. Häufig ist das der Fall. Mittlerweile gibt es aber auch Induktionsformen, mit denen man relativ schnell eine mittlere oder eine tiefe Trance einleiten kann, wenn dies nötig ist, um den Patienten behandlungsfähig zu machen.

Kann man während einer Hypnose auch Gesundheitsbotschaften unterbringen?
Ja. Neben der Behandlungsfähigkeit gibt es noch andere Ziele, die eine Hypnose verfolgt. So kann man eine Sitzung auch dahingehend lenken, dass der Patient etwas für seine Gesundheit macht. Man sagt ihm, dass er für seine Gesundheit Sorge tragen soll, indem er sich mindestens zweimal am Tag die Zähne putzt und auf seine Ernährung achtet. Weil der Patient in einem entspannten hypnotischen Zustand ist, ist er dann empfänglicher für verbale Botschaften. Diese haben eine stärkere suggestive Kraft auf den Patienten. Wichtig ist hier aber der fürsorgliche Ton desjenigen, der den Patienten unter Hypnose anspricht.

Und wo liegen die Gefahren der Hypnose in der Zahnarztpraxis?
Prinzipiell ist ein hypnotischer Vorgang immer etwas Unberechenbares. Man weiß nie, was passiert. Der Patient befindet sich in einem relativ schutzlosen Zustand und wird von außen gelenkt. Man muss wissen, wie man einen ungewollten negativen Zustand wieder positiv ausrichten kann. Vor allem muss man wissen, wie man den Patienten am Ende der Behandlung wieder richtig wach macht. Das nennt man Dehypnose. Der Patient, der wieder in den Straßenverkehr geht, muss ja wieder voll wahrnehmungsfähig sein.

Das vollständige Interview mit Diplompsychologe und Psychotherapeut Dr. Gerhard Schütz, Ausbilder, Trainer und Supervisor der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Hypnose (DGZH) e.V., finden Sie auf hier|_blank.


• Wer mehr wissen will: Vom 7. bis zum 10. September 2017 findet in Berlin der Hypnose-Kongress statt.  www.hypnose-kongress-berlin.de

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