Interview mit der VDDS-Vorsitzenden Sabine Zude

25 Jahre VDDS

Sabine Zude ist Vorsitzende des Verbands Deutscher Dentalsoftware Unternehmen (VDDS). Zum 25-jährigen Jubiläum erzählt sie, warum der Verband damals gegründet wurde und welche Herausforderungen heute anstehen – zum Beispiel im Zuge der Digitalisierung Schnittstellen und standardisierte Lösungen für die Praxen zu schaffen.

Sabine Zude, Vorsitzende des VDDS e.V. VDDS e.V.

Frau Zude, warum wurde vor 25 Jahren der VDDS gegründet?

Sabine Zude: Die Hersteller von Praxisverwaltungssystemen haben frühzeitig erkannt, dass gleiche Interessen gegenüber den öffentlichen Körperschaften bestehen und haben sich daher in einem Verband vereint. Es hat sicherlich einige Jahre gedauert, um gemeinsame Themen wie zum Beispiel die Einführung von Abrechnungsvorgaben optimal in den Zahnarztpraxen einzuführen. Inzwischen läuft die Zusammenarbeit mit der KZBV partnerschaftlich und fast reibungslos. Ein weiterer Grund war, dass Rechenzentren beziehungsweise Factoringunternehmen und andere Hersteller von Softwarelösungen oder digitalen Röntgensystemen den Markt eroberten. Jedes Unternehmen hatte eigene Vorstellungen, wie der Austausch der Patientendaten vonstatten gehen sollte. Es gab einen Wildwuchs von Insellösungen, die an die PVS-Hersteller herangetragen wurden. Unser Verband hat sich daher für die Standardisierung von Schnittstellen eingesetzt.

Zude und Dr. Wolfgang Eßer, Vorsitzender des Vorstands der KZBV, auf dem gemeinsamen Neujahrsempfang der deutschen Zahnärzteschaft Ende Januar 2019 in Berlin | Lopata/axentis.de

Die Satzung wurde erweitert, so dass neben den ordentlichen Mitgliedern die Struktur zur Aufnahme von außerordentlichen Mitgliedern geschaffen wurde. Rechenzentren und andere Hersteller von Softwaresystemen wurden zur außerordentlichen Mitgliedschaft eingeladen. Somit haben diese die Möglichkeit, in unseren Arbeitsgruppen an den Weiterentwicklungen der Schnittstellen mitzuarbeiten.

Zurzeit haben wir zehn ordentliche und 51 außerordentliche Mitglieder. Damit bilden wir circa 90 Prozent des Marktes der Dentalsoftware ab. Kleinere PVS-Hersteller scheuen den Aufwand und die Kosten, die die Mitgliedschaft für die ordentlichen Mitglieder mit sich bringt. Diese haben jedoch auch die Möglichkeit, als außerordentliches Mitglied beizutreten, erhalten dadurch Zugang zur VDDS-RZ-Schnittstelle und partizipieren von anderen Arbeitsergebnissen des VDDS.

Wie sieht die Verbandsarbeit konkret aus?

Unser Verband trifft sich meistens viermal im Jahr. Zusätzlich tagen die Arbeitsgruppen wie die zur VDDS-RZ-XML-, VDDS-Transfer, VDDS DICOM- und VDDS-Laborclient-Schnittstelle, das kostet natürlich auch Manpower. Unsere Geschäftsstelle sitzt historisch gewachsen in Köln, außerdem haben wir ein Hauptstadtbüro in Berlin. 

Welche Änderungen stehen in naher Zukunft an?

Zum 1. Januar 2020 wird in den Zahnarztpraxen die neue Röntgenverordnung DIN 6862–2 eingeführt, die auf den DICOM-Standard verweist. Im Rahmen der IDS im März 2015 hat der VDDS Teilnehmer aus der Industrie und der Zahnärzteschaft zu einem ersten technischen Forum eingeladen, um über die Einführung dieser neuen Röntgenverordnung zu diskutieren. Diese Norm verweist auf den DICOM-Standard und ist ab 2020 auch in der Zahnheilkunde anzuwenden. Die Forumsteilnehmer waren sich einig, dass man die Herausforderungen gemeinsam meistern möchte. 

Außerdem hat der VDDS die Industriehersteller dazu eingeladen, als außerordentliche Mitglieder beizutreten. Gemeinsam arbeiten PVS- und Industriehersteller an einer komfortablen Umsetzung für die Zahnarztpraxen. Während der IDS 2019 findet dazu das IX. technische Forum statt. 

Was wünschen Sie sich von der KZBV beziehungsweise den KZVn?

Kurz- bis mittelfristig wünschen wir uns eine Direktübertragung der DTA-Abrechnungsdaten in die KZVn. Bisher muss die Praxis die Abrechnungsdaten auf dem Rechner oder einem externen Medium zwischenspeichern, um diese in einem separaten Schritt auf die Homepage der KZVn zu bringen. Wenn diese direkt aus der PVS zur Homepage der KZV übertragen werden können, gibt es Arbeits- und Zeitvorteile in den Zahnarztpraxen. 

Thema Laborpreise – wo liegen dort Ihrer Meinung nach die Fallstricke?

Wenn die KZVen die Daten im VDDS-Labor-Schnittstellenformat auf der Homepage ablegen, kann die Praxis diese Laborpreisaktualisierung direkt in der PVS einlesen. 

Leider gibt es noch einige KZVen, die die Schnittstelle nicht unterstützen und den VDDS nur bedingt über das Vorliegen neuer Preise informieren. Die Informationen erhalten wir dann mitunter erst im Laufe des Januars – die Laborpreise sind aber bereits zum 1.1. gültig. Die Eingabe der Preise durch die Praxis ist zeitintensiv und mitunter fehleranfällig. Bis die PVS-Hersteller die Preise – ebenfalls manuell – erfassen und in einem separaten Update aussenden, vergeht ebenfalls wertvolle Zeit. Wir würden uns im Sinne der Zahnarztpraxen daher wünschen, dass alle KZVen die VDDS-Laborpreis-Schnittstelle unterstützen. 

Sie haben die Vergangenheit und die Gegenwart Ihrer Verbandsarbeit beschrieben. Wie wird es mit dem VDDS weitergehen?

Wir wollen weiter mit unseren Mitgliedern den Markt durchdringen und an gemeinsamen Schnittstellenlösungen arbeiten. Im Zuge der Interoperabilität wird es immer wichtiger, dass standardisierte Lösungen eingesetzt werden.

Thema Frauen in Führungspositionen der Dentalbranche und -verbände: Wie sehen Sie sich in diesem Kontext?

Sowohl Industrie als auch Verbände sind nach wie vor männerdominiert. Trotzdem bin ich nicht für eine Frauenquote, sondern für Wettbewerb. Ich glaube, dass gute Frauen genauso gewählt werden wie gute Männer. Die Verbandsarbeit macht mir Spaß, sie kostet aber auch Zeit für zusätzliches, freiwilliges Engagement. Eventuell scheuen sich Frauen vor dem erhöhten Zeitaufwand oder auch vor mehr Verantwortung. Da müssen Sie bitte andere Frauen befragen, warum sie sich für ein solches Amt nicht zur Verfügung stellen. Ich jedenfalls bin sowohl meinem Unternehmen als auch dem Verband dankbar, diese Chancen erhalten zu haben. 

Die Fragen stellte Marko T. Hinz.

Der VDDS

Der Verband Deutscher Dental-Software Unternehmen e.V. (VDDS) ist die Interessenvertretung der Anbieter von Abrechnungs- und Verwaltungs-Software für Zahnärzte. Die Mitgliedsunternehmen des VDDS repräsentieren nach eigenen Angaben rund 90 Prozent des Marktes dentaler Software. Ziel ist, die Qualität, Effizienz und Kompatibilität von Software in der zahnärztlichen Versorgung zu erhöhen, indem IT-Standards im Bereich zahnärztlicher Software gesetzt werden und so ein Qualitätsstandard definiert wird. Der Verband versteht sich als Schnittstelle zwischen Industrie, Politik und den Zahnärzten. Zu diesem Zweck pflegt der VDDS Kontakte zu allen relevanten Gruppen der „öffentlichen Hand” und baut diese kontinuierlich aus.

Glossar

DICOM: Digital Imaging and Communications in Medicine = Digitale Bildgebung und -kommunikation in der Medizin

DTA: Datenträgeraustausch

PVS: Praxisverwaltungssystem

RZ: Rechenzentrum/-zentren

XML: Extensible Markup Language, ein textbasiertes Format für den Austausch strukturierter Informationen

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