Haiti zehn Jahre nach dem Beben

Der Einsatz bleibt gefährlich

Vor zehn Jahren bebte die Erde in Haiti und zerstörte das arme Land. Zahnarzt Tobias Bauer baute inmitten von Trümmern seine Praxis auf – mit eingeflogenen Utensilien. Hier behandelt er bis heute.

Mit einfachsten Mitteln und 
unter 
schwierigsten Umständen 
behandeln Bauer und sein Team 
in der mobilen Praxis, die sie an 
verschiedenen Orten installieren. Bauer

Als vor zehn Jahren der Karibik-Staat Haiti von einem schweren Erdbeben erschüttert wird, sterben mindestens 300.000 Menschen. Es ist das verheerendste Erdbeben des 21. Jahrhunderts.

Oft bauen wir unsere Praxis auch unter freiem Himmel auf.

Tobias Bauer, DIANO

Die Zerstörung war gigantisch, die vielen Verletzten wurden notversorgt. Dabei blieb die zahnärztliche Versorgung häufig auf der Stecke. Das Land ist arm und zudem immer wieder von Unruhen gebeutelt. Trotzdem – oder gerade deshalb beschloss der deutsche Zahnarzt Tobias Bauer aus Singen am Bodensee nach Haiti zu fliegen, um zu helfen. Er gründete die Dental International Aid Networking Organisation (kurz: DIANO) – mit der Organisation hat er mittlerweile ein großes Netzwerk aufgebaut.

Am Anfang herrschte das totale Chaos

„Am Anfang war es unheimlich schwierig: Es herrschte das totale Chaos und die Infrastruktur war erheblich zerstört. Erst nach und nach konnten wir uns die mobile Praxis aufbauen“, erzählt Bauer. Über die Jahre organisierten er und sein Einsatzteam eine eigene Struktur. Inzwischen installieren sie ihre mobile Praxis mit Geräten, Behandlungsstuhl und Stromgenerator in Klinken, Schulen oder Waisenhäusern. „Oft bauen wir unsere Praxis auch unter freiem Himmel auf“, ergänzt der Zahnarzt.

Nach dem schweren Erdbeben vor zehn Jahren mussten unzählige Verletzte in solchen Zelt-Lazaretten untergebracht werden.  | Bauer

Alle Behandlungsgeräte, Medikamente und Hygieneutensilien mussten für den Einsatz in Haiti aus Deutschland eingeflogen werden. Darunter viele Spenden. Ein logistischer Kraftakt. | Bauer

Was nach dem schwierigen Start in dem schwer verstörten Land heute besser funktioniert, ist vor allem dem großen Netzwerk der Hilfsorganisation zu verdanken: Hier vereinen sich heute verschiedene Hilfsprojekte, auch über die Zahnmedizin hinaus. Es entstehen Partnerschaften mit gleichgesinnten Medizinern und Hilfswerken vor Ort. Projekte, die Bauer initiiert hat, können an andere helfende Hände abgegeben werden.

Eine Zahnbürste macht die Kids happy, aber ...

Aus der Heimat kommen Geld- und Sachspenden, zum Beispiel aus Praxisauflösungen. Regelmäßig engagieren sich StudentInnen und übernehmen die Aufklärung zur Mundhygiene in den Schulen. „Das macht den Kindern dort tatsächlich viel Spaß und wenn es dann zum Schluss noch eine Zahnbürste gibt, sind sie total happy“, berichtet Bauer. Allerdings klärt er die freiwilligen Helfer vorher genau auf: Es ist kein einfacher Job: Die schlechten Bedingungen und die Armut erschweren die Arbeit. Und wenn mitten in der Behandlung beim Absaugen der Stromgenerator kein Benzin mehr hat, heißt es Ruhe bewahren und den blutenden Mund versorgen.

Weil sich viele Haitianer keinen oder nur wenig Zucker leisten können, haben die Kinder auch nicht so schlechte Zähne. | Bauer

Zudem ist die Arbeit nicht ungefährlich. Unruhen verzögern die Einsätze. Bewaffnete Haitianer und das kontrollierende Militär gehören hier zum Alltag. Das Auswärtige Amt spricht immer wieder Reisewarnungen für das Land aus. Auch in Nachbarstaaten wie Jamaika und der Dominikanischen Republik wird über die prekäre Lage in Haiti gesprochen. Das hält einige zurück, hierher zu kommen.

Hier läuft einiges anders, das muss man wissen!

Für die Zukunft investiert Bauers Hilfsorganisation in die Ausbildung von FachassistentInnen und ZahntechnikerInnen. Auch die Studierenden können hier einiges an Praxiserfahrungen sammeln. Bauer sieht das ganzheitlich: „Dazu gehört auch das Verständnis für die Kultur hier. Es läuft einiges anders, das muss man wissen und akzeptieren.“ Und dieses Wissen müsse unbedingt mit in die Aufklärungsarbeit zur Mundhygiene genommen werden. Was ihn antreibt, ist jedes dankbare Lächeln der PatientInnen nach der Behandlung, „dann weiß man genau, warum man es gemacht hat“.

Allgemein sind die Zahnprobleme nicht so heftig wie in der Dominikanischen Republik, denn die Haitianer können sich Zucker und zuckerhaltige Lebensmittel kaum leisten. Vor allem die Kinder haben bessere Zähne. Schlimme Fälle mit eitrigen Entzündungen oder lebensbedrohlichen Abszessen gebe es zwar auch, aber diese seien eher der schlechten Infrastruktur geschuldet.

Tobias Bauer (r.) flog direkt nach dem katastrophalen Erdbeben nach Haiti. Doch auch nach zehn Jahren und mehreren Einsätzen bleibt noch viel zu tun. | Bauer

Tobias Bauer versucht seit zehn Jahren, den Spagat zwischen der eigenen Praxis in Singen und den Einsätzen in Haiti zu schaffen. Dafür opfert er die Sommerferien und weitere Urlaube, um sein Projekt voranzubringen. Denn was er aufgebaut hat, soll weiterlaufen. Gerade, weil sich zahlreiche internationale Hilfsorganisationen nach der Erstversorgung und dem Anschub zur Selbsthilfe wieder zurückziehen. Es bleibt aber viel zu tun in Haiti.

DIANO

Die Dental International Aid Networking Organisation (DIANO) ist ein Zusammenschluss von Zahnärzten, die sich der Freiwilligenarbeit verbunden fühlen. Teilweise haben sie eigene Projekte ins Leben gerufen, teilweise unterstützen sie Einrichtungen oder beteiligen sich an laufenden Projekten.

  • Ziel: Im Zentrum steht die Vernetzung und Zusammenarbeit. Um die unterschiedlichen Gruppen zusammenzubringen, wurde das Internetforum Dental Aid gegründet.
  • Gründung: DIANO – früher Dental Aid Projekt – ging 2009 aus dem „Voluntary Work Abroad in Dentistry“ hervor.
  • Einsatzgebiete: Zu den Schwerpunktländern zählen Haiti, die Dominikanische Republik sowie Kuba und Jamaica.

Postfach 445, 78204 Singen
Tel.: 07731/62212
Fax: 07731/62292
dental.aid.project@gmail.com

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