Reparatur von Restaurationen – Teil 2

Reparatur indirekter Restaurationen

Die Reparatur indirekter Restaurationen ist viel komplexer als die von Kompositfüllungen, weil man hier die Besonderheiten der beteiligten Werkstoffe inklusive Vorbehandlung berücksichtigen muss. Das Konzept der zweiphasigen Reparaturrestauration ist dabei eine universell anwendbare Technik, mit der sich eine Beeinträchtigung der Schmelz- und Dentinhaftung durch die Vorbehandlung der Primärrestauration sicher vermeiden lässt.

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Bernd Haller

Defekte an Restaurationen sind meist Folge von Sekundärkaries oder von Frakturen, sei es der Zahnsubstanz oder der Restaurationen. Bei der Frage der Therapie gehört es heute zum Standard, vor dem kompletten Ersatz zuerst die Möglichkeit der Reparatur zu prüfen. Der Erhalt einer indirekten Restauration (Inlay, Teilkrone, Krone) durch eine Reparatur bedeutet nicht nur Substanzschonung und Vermeidung unnötiger Pulpairritationen, sondern auch Kostenersparnis für die Patienten. Finanzielle Aspekte spielen vor allem eine Rolle, wenn durch die Reparatur einer Pfeilerkrone festsitzender Zahnersatz erhalten werden kann (Abbildung 1).

Abb. 1: Beispiel für den Erhalt von festsitzendem VMK-Zahnersatz durch eine Reparatur: a: abgeplatzte Keramikverblendung, b: Zustand nach Isolierung mit Kofferdam (Schlitztechnik) und intraoraler Silikatisierung mit Cojet™, c: fertige Reparatur | Alexander Merz

Die Reparatur indirekter Restaurationen gestaltet sich meist komplexer als die im ersten Teil besprochene Reparatur von Kompositfüllungen, insbesondere wenn neben der Haftung des Reparaturkomposits an Schmelz und Dentin auch ein möglichst optimaler Verbund zum Werkstoff der Primärrestauration erforderlich ist. Die Werkstoffvielfalt (Silikat-, Oxid- und Hybridkeramiken, Komposite, PMMA, Edelmetall- und NEM-Legierungen) erfordert in solchen Fällen differenzierte Überlegungen zur optimalen Vorbehandlung der defekten Restauration. Dafür stehen werkstoffspezifische Spezialprimer, Universalprimer und seit einiger Zeit auch Universaladhäsive zur Verfügung.

So beeinflussen Art und Lokalisation den Defekt

Die Art und die Lokalisation des Defekts (Abbildung 2) beeinflussen die Zahl der Arbeitsschritte und damit die Komplexität der Prozedur. Grundsätzlich lassen sich in Bezug auf die beteiligten Substrate zwei Ausgangssituationen unterscheiden: Defekte an indirekten Restaurationen sind entweder auf das Restaurationsmaterial begrenzt oder sie erstrecken sich darüber hinaus auf die angrenzende Zahnhartsubstanz.

Typische rein werkstoffbegrenzte Defekte sind (Chipping-)Frakturen an Restaurationen aus Keramik, Hybridkeramik oder Komposit. Sie lassen sich meist relativ unkompliziert reparieren, weil nur die Vorbehandlung des Werkstoffs berücksichtigt werden muss. Ist die Fraktur an der Randleiste aufgetreten, wird in die betroffene Approximalfläche eine kastenförmige „Box-only-Kavität“ („Slot“) präpariert und nach geeigneter Vorbehandlung des Werkstoffs (siehe unten) eine Reparaturfüllung aus Komposit gelegt (Abbildung 3). Schwache oder fehlende Approximalkontakte lassen sich auf die gleiche Art korrigieren (Abbildung 4). Eine möglichst gute und belastungsstabile Haftung des Reparaturkomposits am Restaurationsmaterial ist in all diesen Situationen essenziell für die Haltbarkeit der Reparatur.

Abb. 2: Mögliche Defekte an indirekten Restaurationen: Die Reparatur gestaltet sich je nach Lokalisation des Defekts relativ unkompliziert oder komplex. ER = Erweiterung einer vorhandenen Restauration um eine neue Approximalfläche, CF = Chippingfraktur, R1–3 = Randdefekte, HF = Höckerfraktur, rote Linien = Haftflächen zwischen Reparaturkomposit und Primärrestauration, gelbe Linien = Haftflächen zwischen Reparaturkomposit und Zahnsubstanz | Bernd Haller

Tab. 1: Abkürzungen: 6-MHPA = 6-Methacryloyloxy hexyl phosphon acetat, 10-MDP = 10-Methacryloyloxydecyl dihydrogen phosphat, BPDM = Biphenyl dicarboxyl dimethacrylat, VBATDT = 6-(4-Vinylbenzyl-n-propyl) amino-1, 3, 5-triazine-2, 4-dithiol, 10-MDTP = 10-Methacryloyloxydecyl dihydrogen thiophosphat, Bis-GMA = Bisphenol-A diglycidyl methacrylat, PETIA = Pentaerythritol triacrylat, HEMA = 2-Hydroxy ethyl methacrylat, THFMA = Tetrahydro- furfurylmethacrylat, EM = Edelmetall, NEM = Nichtedelmetall | Quelle: Haller

Abb. 3: Reparatur einer verblendeten Zirkonoxidkrone nach Keramikabfraktur an der mesialen Randleiste: a: Ausgangssituation, b: Präparation einer Slot-Kavität zur Abstützung des Reparaturkomposits bei Kaubelastung, c: Die Ätzung mit Flusssäure (hier: Ultradent Porcelain Etch™, Fa. Ultradent Products) gilt der Verblendkeramik. Im Anschluss daran wurde noch eine intraorale Silikatisierung (Cojet™, Fa. 3M Deutschland GmbH, Seefeld) durchgeführt, die auf das freiliegende Zirkonoxidgerüst zielte. Es folgte die Behandlung der gesamten Reparaturfläche mit einem Silan- und 10-MDP-haltigen Universalprimer (Monobond Plus™, Fa. Ivoclar Vivadent), bevor ein hydrophobes, nicht funktionelles Adhäsiv aufgetragen und lichtgehärtet wurde. d: Schutzmaßnahmen bei der intraoralen Anwendung von Flusssäure, e: fertige Reparatur (klinisch), f: Reparaturfüllung im Mundfilm (rechtfertigende Indikation: Überschusskontrolle/Periimplantitis-Prophylaxe) | Bernd Haller

Komplexer gestaltet sich die Reparatur, wenn die adhäsive Vorbehandlung nicht nur auf das Restaurationsmaterial, sondern auch auf die beteiligte Zahnhartsubstanz (Schmelz, Dentin) abgestimmt werden muss, wie etwa bei einer Höckerfraktur. Ähnlich ist die Situation, wenn die Restauration im Fall einer neu entstandenen Primärkaries um eine Approximalfläche erweitert oder nach einer tiefer reichenden Chippingfraktur die gesamte Approximalfläche erneuert werden muss (Abbildung 5). Alle diese Situationen haben gemeinsam, dass der Defekt nicht nur von Restaurationsmaterial, sondern auch von Schmelz und gegebenenfalls Dentin begrenzt ist. Dies gilt auch für Sekundärkariesläsionen und andere Randdefekte (Randspalten, Aussprengungen). Handelt es sich um okklusale Randdefekte, muss bei der Wahl des Reparaturverfahrens berücksichtigt werden, dass die Reparaturfüllung Kaubelastungen ausgesetzt ist (Abbildung 6). Dieser Aspekt spielt bei approximal-lateralen Randabschnitten und bei oralen oder vestibulären (Teil-) Kronenrändern keine Rolle. Weniger komplexe Reparaturprozeduren können hier völlig ausreichend sein (Abbildung 7).

Tab. 2: *nach Ätzung mit Flusssäure oder Aufrauhung und Silikatisierung mit CojetTM, Abkürzungen: 10-MDP = 10-Methacryloyloxydecyl dihydrogen phosphat, 10-MDTP = 10-Methacryloyloxydecyl dihydrogen thiophosphat | Quelle: Haller

Abb. 4: Wiederherstellung eines Approximalkontakts zwischen den Kronen 26 und 27: In die Mesialfläche von 27 wurde ein Slot präpariert, mit einer zervikalen Stufe zur Abstützung des Reparaturkomposits bei Kaubelastung. Die adhäsive Vorbehandlung musste auf das Edelmetallgerüst und auf die Feldspatkeramik der Verblendung abgestimmt werden (siehe Tabelle 3). | Bernd Haller

Sekundärkariesläsionen an approximal-zervikalen Restaurationsrändern sind von bukkal oder lingual meist nicht zugänglich. Für eine Reparatur muss in diesem Fall der gesamte approximale Restaurationsteil entfernt werden (Abbildung 8). Damit entsteht eine Situation wie bei approximalen Erweiterungsrestaurationen. Die Teilerhaltung der approximalen Restaurationsfläche ist nur möglich, wenn deren bukko-linguale Ausdehnung groß genug ist und die zervikale Kariesläsion über eine Slot-Präparation zugänglich ist. Eine weitere Reparaturindikation ist der Verschluss endodontischer Zugangskavitäten in Kronen und Teilkronen [Kanzow et al., 2017] (Abbildung 9).

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Leserkommentare (2)
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Jörg WeilerHybridkeramik / Komposit
Vielen Dank für den sehr umfassenden Artikel.
Die Rubrik Hybridkeramik ist in der Tat, durch irreführende Bezeichnungen der Materialien durch die Hersteller, eine inhomogene Gruppe. Werkstoffkundlich trifft der Begriff Hybridkeramik nur auf das Material Enamic
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zu, da hier der keramische Anteil ein formstabiles Gerüst hat. Wenn der keramische Anteil in Form kleiner Partikel vorliegt, wird üblicherweise von Kompositen gesprochen.
Dann fallen Shofu Block HC, cerasmart und einige andere in die Rubrik Komposit. Da die Hersteller aber so gut wie nie angeben aus welchen Material die Füllkörper sind, also ob sie ätzbar sind, schließe ich mich hier gerne der Empfehlung an. Das Verfahren zur Reparatur von direkten Kompositrestaurationen; es wird bei aktuellen Untersuchungen auch erfolgreich für die Konditionierung von indirekten Kompositerestaurationen eingesetzt. Gut daran ist, dass auf diese Weise für uns Praktiker die Anzahl der notwendigen Reparaturkonzepte ein bisschen kleiner ist. Meiner eigenen Erfahrung nachfunktioniert diese Verfahren ebenso erfolgreich mit Vita Enamic, so dass ich für mich die eine Hybridkeramik auch in die Gruppe Komposit eingegliedert habe.
Dr. Jörg Weiler

Vor 3 Monaten 4 Wochen
1582636309
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Jörg Mühlau
Sehr gut, aber bitte mit ausreichend Erläuterungen zur Abrechnung der erhaltenden Bemühungen

Vor 4 Monaten 3 Tagen
1582139260
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