Kommentar von Prof. Dr. Christoph Benz zur Corona-Krise

Bei allem was Du tust, bedenke das Ende

Die PZR wurde medienwirksam zur Hochrisikobehandlung erklärt, die Senioren sind zur Hochrisikogruppe geworden, und die erwartbare Rezession dürfte den Hochfrost in unsere prothetischen Blütenträume schicken.

Prof. Dr. Christoph Benz, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer

Prof. Dr. Christoph Benz, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer Axentis.de

Im Jahr 2012 stellte das renommierte Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR gemeinsam mit dem Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) die Prognosestudie „Zahnmedizin 2030“ vor. Diese Studie rief wenig Begeisterung hervor, weil sie nur zwei Wachstumsbereiche zu identifizieren vermochte: Prävention/Paro und Senioren/Pflege.

Prothetik werde zahlenmäßig zurückgehen, aber durch höhere Einnahmen finanziell etwa gleich bleiben ... So ist es gekommen. Die PZR hat sich zum wichtigsten wirtschaftlichen Erfolgsparameter unserer Praxen entwickelt und die Zahnmedizin in der Pflege wächst – langsam, aber stetig. Der Barmer-Zahnreport zeigt, dass prothetische Leistungen zwischen 2012 und 2017 zwar um zehn Prozent weniger geworden sind, aber doch durch den vermehrten Wechsel zu andersartigen Leistungen immerhin die Grundlohnsummensteigerung erreichen. So weit, so erträglich, dennoch wird niemand bestreiten, dass die Zahnmedizin in einem schwierigen Wandlungsprozess steckt, und unser „Immunsystem“ nicht besonders gut gegenüber äußeren Veränderungen aufgestellt ist.

Bohren in den Schiffsrumpf der Zahnmedizin

Auf dieses geschwächte „Immunsystem“ trifft jetzt das Coronavirus. Die PZR wurde medienwirksam zur Hochrisikobehandlung erklärt, die Senioren sind zur Hochrisikogruppe geworden, und die erwartbare Rezession dürfte den Hochfrost in unsere prothetischen Blütenträume schicken.

Schicksalsschläge muss man aushalten, es sei denn, man redet sie selbst herbei. Zahnärztliche Teams, die Angst haben, wird niemand verurteilen, auch nicht, wenn sie in der ersten Unsicherheit instinktiv weniger behandeln. Dafür ist der Erkenntnisprozess zu SARS-CoV-2 zu dynamisch. Doch mittlerweile zeigen gerade die Erkenntnisse aus China, dass die zahnärztlichen Standardhygienemaßnahmen wirksam sind – auch gegen das Coronavirus.

Es ist daher jetzt an der Zeit, die Erkenntnisse auch zur Kenntnis zu nehmen und perfide Gedanken à la „Wenn ich jetzt weniger behandle, könnten meine Patienten abwandern. Besser, wenn alle Praxen zu sind!“ wieder aus dem Kopf zu verbannen. Denn was war die Folge dessen? Ein wildes Bohren in den Schiffsrumpf der Zahnmedizin: Zahnmedizin ist Hochrisiko, PZR ist gefährlich, wir sind die am meisten gefährdete Arztgruppe, wir sind Superspreader. Patienten werden zu Unterschriftenlisten überredet und Politiker mit Schließungswünschen bombardiert. Der Lohn der Mühe: Die Panik wächst und „Zahnarzt = Corona“ und „PZR = Covid“ ist fest in den Köpfen unserer Patienten verankert.

Herodot mahnte, bei allem was man tut, das Ende zu bedenken – heute würde man von der Exit-Strategie sprechen. Mit genau welchen Argumenten holen wir die gerade noch mit Angst imprägnierten Patienten in wenigen Wochen wieder in die Praxen zurück? Wir könnten natürlich auch auf ein kurzes Gedächtnis hoffen, oder geschlossen bleiben, bis eine Impfung da ist.

Jetzt werden doch einige sagen, diese Darstellung sei zynisch, weil die Gesundheit immer Vorrang vor allen wirtschaftlichen Überlegungen haben muss. Völlig richtig, aber welche Gesundheitsrisiken können wir denn belegen?

Welche Gesundheitsrisiken lassen sich denn belegen?

In China lief der gemeinst-mögliche Feldversuch: Ärzte und Zahnärzte wussten bis zum 22. Januar 2020 nicht, dass am 17. November 2019 eine Epidemie ausgebrochen war. „Tausende“ aus den Medizinberufen haben sich infiziert, mindesten 46 Ärzte sind gestorben, besonders betroffen waren die HNO und die Ophtalmologie.

Das 1.098 Personen starke Team der Zahnklinik Wuhan hat im Dezember und Januar etwa 120.000 Patienten ganz normal behandelt – Aerosol, einfacher Mundschutz, Kittel. Neun haben sich infiziert, davon drei zu Hause und sechs vielleicht bei der Arbeit. Kein Hochrisiko, kein Superspreader, kein Weltuntergang.

Angst darf jeder haben, aber jetzt bitte wieder helfen, das Vertrauen in unseren schönen Beruf „herbeizugraswurzeln“.

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