Entwicklung des Alignermarkts in Deutschland

70 Prozent weniger Kunden – aber 32 Millionen Euro neues Kapital

Zuletzt machte der Aligner-Anbieter SunshineSmile (jetzt PlusDental) Schlagzeilen, weil er mit einer einstweiligen Verfügung gegen die Zahnärztekammer Schleswig-Holstein vor dem dortigen Oberlandesgericht scheiterte. Jetzt hat das Unternehmen von internationalen Investoren 32 Millionen Euro eingeworben. Wie die Branche durch den Lockdown gekommen ist und wie sich ihr Geschäftsmodell ändert.

Mit dem Geld will das Unternehmen seine Expansion fortsetzen. Aktuell vertreibt PlusDental an 80 Standorten in fünf Ländern Aligner aus eigener Produktion – in Deutschland (55), Österreich (5), der Schweiz (11), Spanien (4) und Großbritannien (5).

Der größte Teil des neuen Kapitals stammt von dem in Hongkong ansässigen „Ping An Global Voyager Fund“, der PlusDental als neuer Investor unterstützt. Ping An betreibt das chinesische Ärzte- und Apothekennetzwerk „Ping An Good Doctor”, das nach eigenen Angaben täglich mehr als 700.000 digitale Arztbesuche abwickelt. Weiterer Financier ist Christian Wegner, Gründer der Berliner Re-Commerce-Plattform Momox. Außerdem haben die Bestandsinvestoren HV Holtzbrinck Ventures und Lakestar ihren Kapitaleinsatz erhöht.

Der Invest erreichte das Unternehmen Ende Mai – nach einer Pandemie-bedingten Durststrecke. „Der Rückgang an Neukunden und Kontrollterminen war auch bei uns von März bis Mai sehr deutlich. Viele unsere Partner-Zahnärzte waren in der Zeit geschlossen oder haben nur Notfallbehandlungen durchgeführt“, berichtet Geschäftsführer Dr. Peter Baumgart. „Jetzt sehen wir, dass die Nachfrage nach unseren Behandlungen schon wieder sehr stark ist und auch unsere Partner-Zahnärzte wieder zunehmend geöffnet haben, so dass wir bereits wieder bis zu 2.000 Termine pro Woche vermitteln können.“ Das Geschäft mit den Abdrucksets – das PlusDental im Unterschied zum deutschen Mitbewerber DrSmile noch im Programm hat – schrumpft Baumgart zufolge allerdings kontinuierlich. Nach seinen Angaben macht es weniger als fünf Prozent des Gesamtgeschäfts aus und werde durch das „ständig wachsende Netzwerk an Partner-Zahnärzten“ weiter sinken.

Weiter expandieren will auch DrSmile. Bislang hat das Start-up  49 Partnerpraxen in Deutschland und Österreich und ist laut Mitgründer Jens Urbaniak seit Anfang 2020 auch mit einem Standort in Spanien vertreten. Aufgrund des strikten Lockdowns kam das Geschäft in den vergangenen Monaten dort jedoch weitestgehend zum Erliegen. Urbaniak spricht von einem Rückgang um 90 Prozent. In Deutschland war die Nachfrage um bis zu 70 Prozent eingebrochen, seit Mai gehe es aber wieder „stetig bergauf“.

Die Nachfrage steigt wieder

Grundsätzlich, so glaubt Urbaniak, stehe man immer noch am Anfang der digitalen Transformation in der Zahnmedizin. Für sein Produkt sieht er in der öffentlichen Wahrnehmung noch solange Potenzial, bis Aligner wie in den USA „zum Synonym für die Zahnspange geworden sind“.

Vom Corona-Virus überrascht wurde auch SmileDirectClub. Kurz nach Markteintritt in Deutschland im Frühjahr 2020 wurden die ersten Filialen in Berlin und Hamburg auch schon wieder geschlossen, die Planung für 28 weitere deutsche Städte liegt dem Vernehmen seitdem auf Eis. „Natürlich konnte unser Geschäft aufgrund der Pandemie in Deutschland nicht so starten, wie wir uns das zunächst vorgestellt hatten“, schreibt das Unternehmen auf Anfrage. Als erstes sei in den nächsten Wochen die Wiedereröffnung des Berliner Scan-Shops geplant. Die Frage, wie viele Kunden SmileDirectClub in Deutschland gewonnen hat, lässt das Unternehmen offen, ebenso die Frage, wie sich das Geschäft mit den Abdrucksets per Post während der Pandemie entwickelt hat.

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