Deutsche Cleft Kinderhilfe

Die einheimischen Teams sichern die Versorgung

Der Verein, der Spaltkindern in armen Regionen der Welt hilft, setzt seit Jahren auch auf die Ausbildung von Medizinern vor Ort. Diese Strategie hat sich in der Zeit der Pandemie einmal mehr bewährt, weil die Hilfe da bleibt. So werden bis zum Ende dieses Jahres voraussichtlich bis zu 6.500 Operationen durchgeführt worden sein – und damit sogar mehr als vor der Pandemie.

Weltweit kommen jedes Jahr etwa 250.000 Kinder mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (LKG) zur Welt. Bleibt diese unbehandelt, kann das je nach Schwere der Ausprägung nachhaltige Beeinträchtigungen für die Gesundheit und das Leben der Kinder bedeuten. Die Deutsche Cleft Kinderhilfe (DCKH) organisiert die Finanzierung der Spalt-Operationen als zentrale Maßnahme. Die Fehlbildungen werden per oralchirurgischer Operation beseitigt und den Patienten wird dadurch mehr Lebensqualität ermöglicht. Cleft-Kinder haben mitunter schlechte, kariöse Zähne, da die Mundhygiene durch die Spalte erschwert ist. Zum Teil müssen Zähne sogar extrahiert werden. Außerdem können sich Abszesse im Mund bilden, die unbehandelt bis zur Sepsis führen.

In Schwerpunktländern wie Indien, Bangladesch, Bolivien und Pakistan haben die Betroffenen oft keine Lobby. Die Hilfe für Kinder mit LKG-Spalten stützt sich wesentlich auf die Arbeit von Hilfsorganisationen wie der DCKH. „Es mangelt an Spezialisten, die die Behandlung durchführen können. Außerdem ist die OP für Ärzte oft nicht lukrativ“, erklärt der Vorstandsvorsitzende Alexander Gross, der den Verein 2002 gegründet hat. Die Ärzte und Helfer, die von der DCKH unterstützt werden, sind das ganze Jahr über im Einsatz.

Spenden Sie für die Spalt-Kinder

Eine Spalt-OP kostet 300 Euro, ein COVID-Schutz 50 Euro. Jede Hilfe zählt! Bitte spenden Sie:

Deutsche Cleft Kinderhilfe e. V.

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE46 2512 0510 0008 4842 00

BIC: BFSWDE33HAN

Deutsche Cleft Kinderhilfe e. V. in Ruanda

Das Besondere am Konzept ist dabei, dass ein Teil der Mediziner vor Ort ausgebildet wird. So sind die Hilfseinsätze unabhängiger von Restriktionen wie internationalen Reisebeschränkungen möglich und vor allem nachhaltig angelegt. Das hat die Versorgung gerade in den vergangenen zwei Jahren der Coronavirus-Pandemie stabilisieren können. „Es bewährt sich, auch wenn es zwischen 10 und 15 Jahren dauert, bis die Projekte vor Ort nachhaltig etabliert sind“, berichtet Gross. „Über die Operationen hinaus ist dabei der Ausbau der interdisziplinären Hilfe ein wichtiger Aspekt. Eine umfassende Behandlung mit Sprachtherapie, HNO-Heilkunde, Kieferorthopädie und psychosozialer Betreuung trägt wesentlich zur positiven Entwicklung der physischen Gesundheit und Integration der Kinder in Schule und Gesellschaft bei“, erklärt Andrea Weiberg, Geschäftsführerin der DCKH und Teil der Doppelspitze.

Immer Zusammen mit den einheimischen Kräften 

Neben den Auswirkungen der Pandemie kämpften die Helfer vor Ort in diesem Jahr noch mit anderen Problemen, etwa politischen Konflikten, die die Arbeit zusätzlich erschweren oder wie in Afghanistan gar unterbrechen. Dort mussten die vier Chirurgen nach der Machtübernahme der Taliban ihre Arbeit einstellen. Derzeit ist die Entwicklung unklar. „Wir hoffen sehr, dass unsere Teams ihre Arbeit wieder aufnehmen“, sagt Weiberg. Die Lage in dem Land ist nach wie vor sehr unsicher, das Gesundheitssystem kaum ausreichend stabil.

In Bangladesch hingegen konnten vier weitere Ärzte im ganzen Land operieren und nutzten dafür die Infrastruktur der Provinzkrankenhäuser. So war es möglich, auch Patienten außerhalb der großen Städte zu versorgen. Obwohl es zeitweise einen Lockdown gab, konnten hier 1.400 OPs geschafft werden. Darüber hinaus berichtet Weiberg stolz von der in diesem Jahr angelaufenen Weiterbildung von zwei Nachwuchschirurgen aus Bangladesch.

Auch in Bolivien konnten die Einsätze fortgeführt werden „und das auch außerhalb unserer festen Projektstandorte in La Paz und Cochabamba! Hier erreichen wir Spaltkinder aus besonders armen Familien“, erzählt Weiberg. Es gibt nun ebenfalls vier Ärzte-Teams, um den großen Bedarf in dem südamerikanischen Land zu bewältigen.

Auf der anderen Seite der Erde konnte sich der kleine Kilyan aus Bolivien über einen erfolgreichen Ergriff freuen. Von der großen LKG-Spalte ist inzwischen nur noch eine kleine Narbe zu sehen. | Auf der anderen Seite der Erde konnte sich der kleine Kilyan aus Bolivien über einen erfolgreichen Ergriff freuen. Von der großen LKG-Spalte ist inzwischen nur noch eine kleine Narbe zu sehen.

Ein Hilfseinsatz in Ayaviri, einer Kleinstadt in der Region Pune, war der erfolgreiche Auftakt der Hilfe in Peru. Doch momentan können keine Operationen außerhalb von Lima durchgeführt werden, da die Kapazitäten in den Provinzkrankenhäusern durch zu viele COVID-Patienten erschöpft sind. Viele Kinder warten hier auf die Hilfe des Vereins. Es ist zu hoffen, dass sich die Situation bis zum Jahresende entspannt und die Hilfe dort wieder aufgenommen werden kann.

Zu einem der wenigen Länder weltweit, die die Pandemie relativ gut im Griff hatten, gehört Vietnam. Allerdings stiegen im Sommer die Infektionszahlen sprunghaft an und es folgte ein landesweiter, strenger Lockdown. „Davon betroffen waren sowohl unsere beiden Klinikpartnerschaften in Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt als auch unsere Partnerorganisation OSCA, die sich vor allem um Spaltkinder ethnischer Minderheiten aus dem Umland kümmert“, erklärt Weiberg. Inzwischen hat sich die Lage stabilisiert und das Team ist zuversichtlich, die geplanten Operationen bis zum Ende des Jahres durchführen zu können.

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