Der besondere Fall

Mit Le-Fort-I das Nasennebenhöhlen-CA entfernt

Heftarchiv Zahnmedizin
Ausgabe 5/2017
Ausgabe 5/2017
IDS 2017 – Zahnmedizin heute: intelligenter, komfortabler, teurer
Ein 69-jähriger Patient stellte sich nach Überweisung durch die HNO-Kollegen in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie Marburg mit einem Rezidiv eines Adenokarzinoms der linken Kieferhöhle zur Mitbeurteilung vor.

Das Adenokarzinom des Sinus ethmoidalis links (T3 N0 M0) war 2011 via Rhinotomie mit anschließender Radiatio therapiert worden. Klinischer Befund: Bei Aufnahme zeigten sich ein retronasaler Sekretabgang und eine Nasenatmungsbehinderung. Der intraorale Befund war unauffällig. Bei der anterioren Rhinoskopie wurde eine Raumforderung im Bereich der linken Nasenhaupthöhle und des Septums festgestellt.

Diagnose

• CT Thorax und CT Abdomen:

Die durchgeführte Computertomografie von Thorax und Abdomen mit Kontrastmittel zeigte keinen Hinweis auf Fernmetastasen.

• MRT Kopf-Hals:

Die Magnetresonanztomografie (MRT) (Abbildung 1) zeigte ein Tumorrezdiv der linken Nasenhaupthöhle mit partieller Arrosion des harten Gaumens.

• Panendoskopie:

Im Bereich des linken Nasenbodens wurden submuköse Infiltrate eines muzinösen Adenokarzimoms nachgewiesen.

Therapie und Verlauf

• Operation:

Als operativer Zugangsweg wurde eine Le-Fort-I-Osteotomie gewählt (Abbildungen 2a bis 2d). Im Anschluss wurde der Oberkiefer von den Frontzähnen (Regio 13 bis 23) bis an das Palatum molle reichend subtotal reseziert.

Die Resektion wurde bis zur Schädelbasis unter Entfernung des kompletten nasoethmoidalen Komplexes inklusive des kompletten Nasenseptums durchgeführt. Mittels Titanplatten wurden Nasenskelett und Oberlippe stabilisiert. Der Defekt wurde mittels Jodoformtamponaden und Verbandplatte stabilisiert (Abbildungen 3a bis 3d).

• Histologie und postoperativer Verlauf:

Bei der histologischen Untersuchung zeigte sich ein muzinöses Adenokarzinom G2 der Nasenhaupthöhle (pT3 N0 M0). Daraufhin wurde eine Nachresektion im Bereich des Hartgaumens und der Maxilla inklusive der beiden Prämolaren 14 und 24 durchgeführt.

Der Patient konnte bei komplikationslosem Verlauf und nach röntgenologischer Kontrolle per CT (Abbildung 5) und OPG (Abbildung 6) in die ambulante Weiterbehandlung entlassen werden. Im Verlauf ist eine mikrochirurgische Rekonstruktion geplant.

Diskussion

Die Le-Fort-I-Osteotomie:

Als operative Zugangswege von Nasennebenhöhlentumoren sind fiberoptische endonasale Verfahren oder offene Resektionsweisen über die laterale Rhinotomie oder das Midfacial Degloving bekannt. In diesem Fallbeispiel soll nun exemplarisch die Le-Fort-I-Osteotomie beschrieben werden:

Nach Wechselschnittführung im Bereich des Oberkiefervestibulums werden die fazialen Kieferhöhlenwände, die Cristae zygomatico-alveolares, die Nasenapertur sowie der pterygo-maxilläre Übergang dargestellt. Danach folgt eine stumpfe Mobilisation des Nasenschlauchs mit Abtrennung des Nasenseptums.

Nun wird der Oberkiefer mittels oszillierender Sägen osteotomiert. Nach Abtrennung des Oberkiefers vom Processus pterygoideus und Durchtrennung der lateralen Nasenwände werden das basale Nasenseptum und der Vomer abgelöst. Mittels Hakenzug wird der Oberkiefer nun nach kaudal entwickelt, was als „down fracture“ bezeichnet wird.

Tumoren der Nasennebenhöhlen:

Tumoren der Nasenhaupthöhle (NHH) und der Nasennebenhöhle (NNH) sind relativ selten mit einem Anteil von weniger als drei Prozent aller Kopf-Hals-Tumoren [Sunderman, 2001; Carrau et al., 1992]. Am häufigsten ist die Kieferhöhle mit 60 bis 70 Prozent der Fälle betroffen [Luce et al., 2002]. In der Histologie wer-den meistens Plattenepithelkarzinome beschrieben. Als auslösende Faktoren werden verschiedene Feinstäube diskutiert [Gordon et al., 1998; Sunderman, 2001].

In der Bildgebung wird eine Kombination aus Magnetresonanztomografie (MRT) – für die Tumorausdehnung im Weichgewebe – und Computertomografie (CT) – für die Beurteilung der Knochenarrosion – favorisiert [Loevner et al., 2004]. Die Standardtherapie besteht aus der Tumorresektion in Kombination mit einer adjuvanten Radiatio [Roa et al., 1994]. Die Prognose ist mit einer Fünf-Jahres-Überlebensrate von 36 Prozent als schlecht einzustufen [Zaharia et al., 1989].

Möglichkeiten der Rehabilitation des knöchernen Defekts:

Als konservative Therapiemöglichkeit zur Wiederherstellung von Funktion und Ästhetik hat sich die defektprothetische Versorgung mittels Obturator etabliert. Im Rahmen der rekonstruktiven Chirurgie sind zahlreiche Möglichkeiten zur Defektrekonstruktion mittels Radialislappen, Musculus-rectus-abdominis-Lappen und der Temporalislappen beschrieben worden. Für die spätere implantatprothetische Versorgung werden freie myokutane Lappen wie Skapular- oder Fibulalappen verwendet [Triana et al., 2000].

Dr. Dr. Paul Heymann, Dr. Anne Attrodt, Dr. Dr. Christine Moll, Prof. Dr. Dr. Andreas Neff, PD. Dr. Dr. Dr. Thomas ZiebartKlinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort MarburgBaldingerstraße, 35043 Marburg E-mail:

Prof. Dr. Afshin TeymoortashKlinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort MarburgBaldingerstraße, 35043 Marburg

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