80. Geburtstag von Dr. Karl Horst Schirbort

Der Vater des Zahnarzt-Korbes

Heftarchiv Gesellschaft
Ausgabe 9/2017
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Nachfolger gesucht

Die Maloche von der Pike auf gelernt

Auch für diverse Kammergremien war Schirbort tätig. Seine standespolitische „Heimat“ ist und bleibt aber der Freie Verband Deutscher Zahnärzte (FVDZ). Schirbort: „Ich bin Freiverbändler mit Leib und Seele. Das Hauptthema ist, dass wir verhindern müssen, dass das Gesundheitswesen staatlich bestimmt wird – ein Thema, das mich tief bewegt.“ Schirbort trat 1967 ein und hatte von 1979 bis 1991 den Landesvorsitz Niedersachsen inne. Er kämpfte gegen das Sachleistungssystem, dessen bürokratische Vorgaben, Kontrollen und Sanktionen: „Ich habe mich immer dafür verwendet, dass mehr Freiheit ins System kommt, dass die Eigenverantwortung sowohl bei den Leistungsträgern als auch bei den Leistungsempfängern greift.“

Ihm war es wichtig, in seinen Ämtern tatsächlich die Politik umzusetzen, die er aus dem Freien Verband heraus verinnerlicht hatte. Seine kritische Distanz zu dieser Zeit kommt rückblickend. „Das habe ich aus Überzeugung mitgemacht, bis ich gemerkt habe, dass die guten Ansätze nicht mehr praktisch nachvollziehbar waren. Dass das, was wir machen wollten, gar nicht möglich war.“

Es war aus dieser FVDZ-Politik heraus folgerichtig, dass die sogenannte Korb-Idee geboren wurde. Korb, das war der Weg hin zum Ziel: die Kassenzulassung abzugeben und nur noch frei zu praktizieren. Schirbort erinnert sich: „Für den Korb bin ich zu einem großen Teil verantwortlich. Ich will mich nicht als überheblich bezeichnen, aber ich bin der Vater des Korbes gewesen. Ich habe das Modell Mitte der 80er Jahre erstmals auf einer Landesversammlung des Freien Verbandes in Niedersachsen vorgestellt. Der Korb entstand nicht, weil es uns materiell schlecht ging. Es ging um ideologische Gründe. Hauptgrund war, dass man uns immer mehr Rechte weggenommen hat.“ Das Modell fand enormes Interesse, in etlichen Ländern bildeten sich „Korb-Initiativen“.

1992 spitzte sich die Budgetdiskussion zu. Schirbort zog als Botschafter des Freien Verbandes durch das Land und warb vehement für das Ende der Kassenpraxis. Zuvor waren die Eckpunkte für das Gesundheitsstrukturgesetz (GSG) bekannt geworden. Im sogenannten Kompromiss von Lahnstein wollten CDU, FDP und SPD die explodierenenden Kosten im Gesundheitswesen in den Griff bekommen und hatten sich auf folgende Punkte geeinigt: Zuzahlungen durch GKV-Versicherte, Bedarfsplanung und Zulassungsbeschränkungen, mehr Wettbewerb für die Kassen – und eine jahrelang festgelegte Budgetierung der ärztlichen und zahnärztlichen Vergütung.

Schirbort formulierte damals in einem Vortrag Ende Oktober 1992 in Mainz so: „In der Praxis werden wir Erfüllungsgehilfen der Krankenkassen sein und in den Ehrenämtern der Selbstverwaltung zu reinen Erfüllungsgehilfen der Ministerialbürokratie degradiert. Eine qualifizierte Zahnheilkunde wird es damit nicht geben. Wer das mit sich geschehen lassen will, muss im System der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben. Wer das alles nicht will, muss die GKV verlassen.“

Rückblickend wurde das Korb-Modell nie realisiert. Schirbort bilanziert heute: „Wir hatten schon über 50 Prozent im Korb, konnten uns aber dann berufsintern nicht einig werden, ob das reicht, deshalb haben wir das Modell nicht umgesetzt. Das Ergebnis wäre zu knapp gewesen.“ Als Vorsitzender der KZV Niedersachsen musste er sich einer besonderen Herausforderung stellen. Im Jahr 1995 erfolgte im Rahmen eines Honorarstreits mit den Kassen ein vertragsloser Zustand, vom Sozialministerium wurde vorübergehend ein Staatskommissar in der KZV eingesetzt. Die KZV habe sich hierbei stets im Rahmen des Gesetzlichen bewegt, erklärt Schirbort rückblickend. Dennoch seien hier viele Emotionen hochgekocht, bei der Kollegenschaft wie auch in der Öffentlichkeit. Schirbort: „Wir mussten Telefonterror aushalten, bis hin zur Androhung körperlicher Gewalt. Es gab Anzeigen beim Finanzamt, die haltlos waren. Das ist alles im Sande verlaufen.“ Und warum das alles? Schirbort analysierte damals das Ansinnen der Politik und formulierte es im Niedersächsischen Zahnärzteblatt so: „Man will den Vorsitzenden der KZVN diskreditieren und das nicht nur in Niedersachsen, sondern vor allem auf Bundesebene.“

Denn Schirbort war damals schon Vorsitzender der KZBV. Sein Stellvertreter war Dr. Peter Kuttruff. Im Programm der neuen, 1994 gewählten KZBV-Vorstandsmannschaft aus Mitgliedern des Freien Verbandes standen unter anderem eine Neubestimmung des GKV-Leistungskataloges durch Festlegung einer „guten und ausreichenden Grundversorgung“, ein klares Bekenntnis zu Kostenerstattung und Festzuschüssen, die freie Arztwahl und die Abschaffung von Deckelung und Degression. Ein großes Thema war und blieb die Budgetproblematik. Der damalige Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer forderte weiterhin die Begrenzung zahnärztlicher Leistungen, der parlamentarische Werdegang für die GKV-Neuordnungsgesetze I und II hatte begonnen. Schirbort: „Der Gesamtvorstand ist dagegen losgegangen. Damals habe ich den einfachen Satz geprägt, von dem ich nie gedacht hätte, dass er in der Politik so viel Furore macht: Mit begrenzten Mitteln gibt es keine unbegrenzten Leistungen.“

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