Rekonstruktion von Alveolarkammdefekten

Retromolare Knochenblockentnahme mittels MicroSaw-Technik

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Heftarchiv Zahnmedizin
Ausgabe 14/2017
Ausgabe 14/2017
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Erstmals hat ein Deutscher den 1. Preis der American Academy of Osseointegration erhalten. Hier stellen Prof. Fouad Khoury und sein Koautor Thomas Hanser die Studie zur Rekonstruktion von Alveolarkammdefekten mittels retromolarer Knochenblockentnahme von der Linea obliqua externa des Unterkiefers mit der MicroSaw-Technik vor.

Die Rekonstruktion von Alveolarkammdefekten nach Zahnverlust ist eine der größten Herausforderungen in der zahnärztlichen Implantologie. Um bestehende Knochendefekte zu rekonstruieren, werden autogene, alloplastische oder allogene Transplantate herangezogen. Die Art der Transplantatintegration und -regeneration hängt hauptsächlich von dessen Ursprung und Zusammensetzung ab. Alloplastische und allogene Transplantate mit ihrer osteokonduktiven Eigenschaft dienen als Leitschiene für neues Knochenwachstum, das vom Empfängerlager ausgeht. Ein autogenes Knochentransplantat ist hingegen osteoinduktiv, osteogen und osteokonduktiv und weist deshalb – verglichen mit Biomaterialien – ein signifikant höheres Regenerationspotenzial auf [Khoury F, 2007].

Deshalb ist der autogene Knochen – vor allem bei größeren lateralen oder vertikalen Defekten – nach wie vor der Goldstandard im Rahmen knochenaugmentativer Maßnahmen [Zouhary K, 2010; Nkenke E, 2014; Misch CM,1997; Cordaro L, 2011].

Um das Potenzial autogener Knochentransplantate in der täglichen Praxis nutzen zu können, gilt es, sichere, reproduzierbare und komplikationsarme Entnahmemöglichkeiten auch für voluminöse Transplantate unter Lokalanästhesie anzubieten [Khoury F, 1999; Pikos MA, 2005; Misch CM, 2000].

Ziel dieser prospektiven Studie war es, die Ergebnisse der retromolaren Knochenblockentnahme von der Linea obliqua externa des Unterkiefers mit der MicroSaw-Technik [Khoury F, 2010] unter Berücksichtigung des operativen Aufwands und der Transplantatverarbeitung zu bewerten, mögliche Morbiditäten und Komplikationen herauszuarbeiten sowie das Volumen der entnommenen Knochentransplantate zu ermitteln.

Design und Methode

In einem Zeitraum von zehn Jahren wurden bei 3.328 Patienten insgesamt 3.874 retromolare Knochenblocktransplantate von der Mandibula entnommen. 419 Patienten (12,59 Prozent) unterzogen sich einer bilateralen Knochenblockentnahme und bei 127 Patienten (3,82 Prozent) erfolgte innerhalb des Untersuchungszeitraums mehr als eine Transplantatentnahme aus derselben Entnahmestelle. Bereits der Palpationsbefund der retromolaren Region liefert primäre und wichtige Informationen über das Volumen der Linea obliqua externa. Weitere wertvolle Informationen, wie zum Beispiel die Kortikalisdicke sowie die Lage des Mandibularkanals, können dem DVT entnommen werden (Abbildungen 1 bis 3).

Die Blöcke wurden in Anlehnung an das MicroSaw-Protokoll entnommen. Dabei werden zwei proximal-vertikale und eine basalhorizontale Osteotomie mit der Diamantscheibe sowie kleine Perforationen okklusalkrestal mit einem dünnen Drillbohrer angelegt (Abbildungen 4 bis 6). Die MicroSaw (Dentsply Sirona Implants, Mannheim) kann maximal eine Schnitttiefe von 3,1 mm erreichen, was in der Regel der Kortikalisdicke im molarenund im retromolaren Bereich entspricht. Daher werden die Osteotomien mit einer Schnitttiefe von 2 bis 3 mm nur sehr oberflächlich im Sinne von Sollbruchstellen angelegt.

Mit einem feinen Meißel wird im Bereich der krestalen Perforationen eine Spannung erzeugt, die zur lateralen Luxation des Knochenblocks führt (Abbildung 7). Die gewonnenen Knochenblöcke wurden mit der Diamantscheibe in zwei dünne Knochenblöcke geteilt (Abbildungen 8 und 9). Die Knochenaugmentation erfolgte gemäß dem biologischen Augmentationskonzept der Knochenschalentechnik (Split Bone Block (SBB)-Technique, Abbildungen 10 bis 13). In 431 Fällen (11,12 Prozent) war nur eine Knochenschale zur Augmentation erforderlich, so dass die zweite in die retromolare Spenderstelle zurückgesetzt wurde, um diese zu rekonstruieren.

Ergebnisse

Die durchschnittliche Transplantatentnahmezeit betrug 6,5 ± 2,5 Minuten bei einem durchschnittlichen Transplantatvolumen von 1,9 ± 0,9 cm3 (Maximum 4,4 cm3). Selbst wenn es in seltenen Fällen bei der Entnahme von voluminösen Blöcken zu einer Exposition des Nervus alveolaris inferior gekommen war (4,33 Prozent), kam es in keinem Fall zu schweren Nervenläsionen mit permanenter Anästhesie. Insgesamt 61 (1,58 Prozent) Spenderstellen zeigten primäre Komplikationen der Wundheilung, von denen die meisten Patienten Raucher waren (80,4 Prozent).

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