Die neue zm-Kolumne rund um die relevanten Praxisfragen

Hilfe – wie komme ich an gutes Personal?

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Heftarchiv Praxis
Ausgabe 18/2017
Ausgabe 18/2017
Bezahlen Sie für Ihren guten Ruf?


Diese E-Mail habe ich von einem unserer Kunden bekommen, den wir mittlerweile seit zweieinhalb Jahren betreuen. Die Praxis haben wir zu spezifischen Themen beraten. In Bezug auf das Personal war der Leidensdruck bislang noch nicht so groß, um etwas zu unternehmen. 

Hier zeigt sich, dass selbst eine gut strukturierte und organisatorisch hervorragend aufgestellte Praxis nicht automatisch von Personalengpässen verschont bleibt. Trotz (sehr) guter betriebswirtschaftlicher Kennzahlen mit einem nachhaltigen Wachstum und einer stabilen Ertragssituation ist zu erkennen, dass eine wesentliche Säule der Zukunftsarchitektur dadurch porös wird, dass sich in der Vergangenheit zu wenig um das Personal bemüht worden ist. 

Einen kurzfristigen Ansatz zu finden, ist wirklich wahnsinnig schwer und meist teuer. An dieser Stelle möchte ich daher zunächst die Versäumnisse und langfristige Ansätze aufzeigen. Basierend auf jahrelanger Erfahrung in der Beratung von Zahnarztpraxen sehe ich drei zu differenzierende Schwerpunkte:

Der erste Punkt ist die Ausbildungssituation einer Praxis, die ich gern in der heutigen Kolumne beleuchten möchte. Die Punkte zwei und drei beziehen sich auf die Mitarbeiterpflege und die Attraktivität der Praxis als Arbeitgeber – das heißt einerseits „Wie pflege ich die bestehenden Mitarbeiter?“ und andererseits „Wie mache ich meine Praxis attraktiv als Bewerbungsplatz bzw. als Arbeitgeber für qualifiziertes Personal?“. Diese beiden Fragen werde ich den kommenden zm-Ausgaben beantworten. 

Jetzt geht es zunächst um die Ausbildungssituation – mit einem Beispiel aus der Praxis: Ich habe per Zufallsprinzip in der nächsten größeren Stadt in der Nähe meines Heimatorts 20 Zahnarztpraxen identifiziert, mir die (nicht immer vorhandenen) Webseiten der Praxen angeschaut und überprüft, wie viele dieser Praxen sich als Ausbildungsbetrieb darstellen und ihre Vorzüge aufzeigen. Das Ergebnis ist erschreckend: Stand Mitte August (Test am 15.08.2017) konnte ich lediglich eine Praxis ermitteln, die es halbwegs versucht hat. In einer harten Betrachtungsweise hat keine einzige Praxis ihre Hausaufgaben ansatzweise gemacht. Kombiniert mit aktuellen Statistiken, die zeigen, dass die ZFA-Ausbildung der unbeliebteste Ausbildungsberuf in Deutschland ist, klingeln hier die Alarmglocken. 

Hinzu kommt, dass in den gängigen Anzeigen und dem Berufsbild nahezu nur Frauen angesprochen werden. Die wenigsten Praxen verfügen über eine gezielte Darstellung als Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb. Sie wissen in einer hohen Prozentzahl nicht einmal, was eine Ausbildung zur ZFA für die Praxis bedeutet und welche Möglichkeiten die Praxis bzw. die Branche für eine ZFA in Zukunft bereithält. 

Problem erkannt – Problem gebannt? Die Aufbesserung des Berufsstands ist insbesondere eine Aufgabe der Gremien und Landeszahnärztekammern – die Wertschätzung eigener Ausbildung und Nachwuchskräfte jedoch Sache der einzelnen Praxis. Doch wie kann ich als Praxis aktiv werden?

Der erste Schritt: 

Als Praxis muss ich gedanklich den Schritt gehen und mich als guten Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb darstellen. Ich kann mir Gedanken drüber machen, wie ich die Ausbildungssituation für die ZFA am besten darstelle: sei es durch Fortbildungen, Gesundheitsprävention oder Aufstiegsmöglichkeiten nach der Ausbildungszeit, Wiedereingliederungsmöglichkeiten nach der Elternzeit, Heimarbeitsmöglichkeiten, etc. 

Das ist nicht nur Aufgabe des Standes, das ist auch Aufgabe eines jeden von uns, eines jeden meiner Mandate, einer jeden Zahnarztpraxis, die wir in dem Markt betrachten und sehen. Leider sehen wir derzeit sehr wenige, die sich eingehend mit der Thematik beschäftigen. Ich kann hier nur unterstreichen und betonen: Kümmern Sie sich darum! Machen Sie sich Gedanken, was Sie machen wollen, wie eine ZFA bei Ihnen gelebt wird. Setzen Sie nicht nur darauf, dass Ausbildung eine Holschuld ist, sondern gestalten Sie Wege, das Konzept einer Holschuld zu ermöglichen und potenzielle Bewerber nicht vorher schon zu verlieren bzw. zu verschrecken.

Zweiter Schritt: 

Gestalten Sie Ihre Website so, dass Ihre Praxis auch für potenzielle Mitarbeiter und Auszubildende attraktiv ist. Denn: Nicht nur Patienten informieren sich im Internet über Ihre Praxis, auch Arbeitnehmer wählen diesen Weg, um sich mit ihrer – möglicherweise – neuen Arbeitsstelle bekannt zu machen. 

Dritter Schritt: 

Klären Sie darüber auf, wie attraktiv der Gesundheitsmarkt derzeit und in Zukunft für Ihre Praxis ist. Gehen Sie an die Schulen Ihrer Umgebung, machen Sie bei Veranstaltungen mit, zeigen Sie Ihre Praxis an Tagen der offenen Tür, zeigen Sie Möglichkeiten auf, machen Sie aufmerksam auf den Umgang mit Schwangerschaft, Elternzeit und Wiedereinstiegsmöglichkeiten nach einer Schwangerschaft. 

Die erste Aktion startet jedoch im eigenen Wartezimmer. Machen Sie einen Aushang, dass Sie Azubis suchen. Die eine oder andere Mutter, oft auch die Oma, suchen immer für für die Tochter oder für die Enkelin.

Verstehen Sie die aktuelle Personalsituation als „kleinen Kratzer am Arm“, der Sie an die Wunde erinnert und mit der Wundversorgung beauftragt. 

In diesem Sinne …Ihr Christian Henrici

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