Repetitorium Lysosomale Speicherkrankheiten

Kleiner Enzymmangel mit großen Folgen

Heftarchiv Medizin
Ausgabe 7/2017
Ausgabe 7/2017
Die KroKOPIEN kommen

Morbus Gaucher

Der Morbus Gaucher stellt die häufigste Speicherkrankheit dieser Art dar. Sie basiert auf einem Mangel an ß-Glukozerebrosidase, einem Enzym des Sphingolipidstoffwechsels. Infolgedessen reichert sich das Abbauprodukt Glukozerebrosid insbesondere in den Makrophagen an, weil die gespaltenen Glykolipide vor allem beim Abbau von Lymphozyten und Erythrozyten in Makrophagen anfallen. Mit zunehmender Speicherungschwellen die Makrophagen zu sogenannten Gaucher-Zellen an. Die Gaucher-Speicherzellen sammeln sich in verschiedenen Organen, etwa in der Leber, in der Milz und im Knochenmark. Das erklärt die charakteristischen Symptome der Erkrankung wie die Hepatosplenomegalie in Verbindung mit einer Anämie, einer Thrombozytopenie sowie einer erhöhten Blutungsneigung. Die Patienten klagen in der Regel über eine rasche Ermüdbarkeit, Leistungsschwäche, Konzentrationsschwierigkeiten und eine erhöhte Infektanfälligkeit.

Im Verlauf der Erkrankung können außerdem gravierende Komplikationen im Bereich der Knochen auftreten bis hin zum Knocheninfarkt, schmerzhaften Knochenkrisen und Frakturen. Viele Patienten entwickeln allerdings lediglich viszerale Symptome. Möglich sind auch neuropathische Krankheitsverläufe.

Seit Anfang der Neunzigerjahre gibt es mit der Enzymersatztherapie beim Morbus Gaucher eine spezifische Behandlungsmöglichkeit. Bei eher milder Symptomatik ist außerdem eine Substratreduktionstherapie möglich.

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Morbus Fabry

Der Morbus Fabry beruht auf einem X-chromosomal vererbten Mangel des lysosomalen Enzyms α-Galaktosidase A. Hierdurch kommt es zu Funktionsschädigungen an verschiedenen Organen und Geweben. Die Symptome sind vielgestaltig und treten nicht nur bei Erwachsenen, sondern oft bereits ab dem zweiten Lebensjahr auf, werden aber häufig nicht richtig erkannt. Vor allem durch Morbus Fabry bedingte Schmerzen bei Kindern werden oftmals als „Wachstumsschmerz“ fehlgedeutet.

Betroffen sind vor allem die Haut, die Augen, das Herz und die Nieren sowie das periphere und das zentrale Nervensystem. Geklagt wird typischerweise über Schmerzen, eine Hitzeintoleranz, gastrointestinale Beschwerden, Parästhesien in Fingern und/oder Zehen, ein Hörverlust und Augenprobleme. Häufig kommt es zu Hautläsionen, zu einer kardialen und/oder renalen Dysfunktion, nicht selten auch zum Auftreten eines Schlaganfalls vor dem 55. Lebensjahr.

Allerdings zeigt die Mehrzahl der Patienten nicht das Vollbild der Erkrankung, was die Diagnosestellung erschwert. Es dauert Schätzungen zufolge rund zwölf Jahre vom ersten Symptom bis zur richtigen Diagnose. In der Regel verstärken sich die Symptomatik wie auch die Organschäden im Verlauf der Erkrankung, was die Bedeutung einer frühzeitigen Diagnose unterstreicht.

Der Morbus Fabry beeinträchtigt nicht nur die Lebensqualität, sondern reduziert auch die Lebenserwartung. Sie ist bei Frauen um circa 15 Jahre, bei Männern um schätzungsweise 20 Jahre verkürzt. Die häufigsten Todesursachen sind ein Nierenversagen, eine Kardiomyopathie sowie zerebrale Ereignisse wie beispielsweise ein Schlaganfall. Mittlerweile kann die Erkrankung ebenso wie der Morbus Gaucher durch eine Enzymersatztherapie behandelt werden.

###more### ###title### Morbus Pompe ###title### ###more###

Morbus Hunter

Der Morbus Hunter ist einfacher zu diagnostizieren, weil die Patienten deutlich sichtbare Merkmale zeigen wie vergröberte Gesichtszüge mit abgeflachter Nase, vorgewölbter Stirn, vollen Lippen, einer vergrößerten Zunge, einer Prognathie, verdicktem, buschigem Haar sowie buschigen Augenbrauen bei meist gleichzeitiger Makrozephalie. Sie weisen außerdem oft einen auffallend kurzen Nacken und einen kurzen Rumpf auf.

Der Morbus Hunter, der auch als Mukopolysaccharidose Typ II bezeichnet wird, ist eine X-chromosomal-rezessiv vererbte Erkrankung. Sie beruht auf einem Gendefekt auf dem X-Chromosom, das für das Enzym Iduronat-2-Sulfatase (I2S) kodiert, das den Abbau spezifischer Glykosaminoglykane (GAG) katalysiert. Durch die Mutation ist der GAG-Abbau gestört, das sich dadurch in den Zellen und Geweben anreichert. Es resultiert eine Multisystemerkrankung. Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen.

Charakteristische Befunde sind häufige Infektionen der Atemwege und vor allem der Ohren, eine Nabel- oder Leistenhernie, Gelenkkontrakturen und ein vorgewölbter Bauch aufgrund einer Hepatomegalie. Es kommt außerdem oft zu Hautveränderungen mit Verdickungen und der Ausbildung weißlicher, knötchenartiger Läsionen. Zu beobachten ist meist eine Entwicklungsverzögerung der Kinder, insbesondere eine verzögerte Sprachentwicklung, Verhaltensauffälligkeiten wie beispielsweise eine Hyperaktivität und eine mentale Retardierung. Häufig tritt eine Gelenksteife auf, die zu unbeholfenen Bewegungen bis hin zu einem spastisch-ataktischen Gangbild führt. Auch eine Hör- und eventuell zusätzliche Visusstörung können beobachtet werden. Folgen können zudem eine Skoliose, eine Kyphose oder Kleinwuchs sein. Bleibt das Krankheitsbild unbehandelt, drohen erhebliche Komplikationen bis hin zu kardiovaskulären Folgeerkrankungen, die die Haupttodesursache dieser Patienten darstellen.

Allerdings ist auch der Morbus Hunter variabel in seiner Ausprägung. Es kann eine schwere Form mit geistiger Retardierung (früher Typ A) vorliegen, aber auch eine milde Krankheitsform mit geringer oder kaum merkbarer geistiger Entwicklungsverzögerung (früher Typ B). Dabei sind die Übergänge fließend.

Im Verdachtsfall ist die Bestimmung der GAG-Ausscheidung im Urin ratsam. Die Diagnose kann anschließend durch den Nachweis einer erniedrigten oder fehlenden Enzymaktivität im Serum gestellt werden. Ergänzend ist das defekte Enzym in Leukozyten oder Fibroblasten zu bestimmen. Möglich ist zudem eine molekulargenetische Analyse, ebenso wie eine pränatale Diagnose in Amnion- oder Chorionzottenzellen.

Zwar ist der Morbus Hunter nicht heilbar, aber die Erkrankung ist durch eine Enzymersatztherapie durchaus behandelbar. Dabei wird das Enzym Idursulfase einmal pro Woche als intravenöse Infusion verabreicht, was zu einer Stabilisierung des Krankheitsbildes führt. Dennoch ist die Prognose der Patienten limitiert, ihre Lebenserwartung ist stark eingeschränkt und die Mehrzahl der Betroffenen verstirbt bereits im zweiten Lebensjahrzehnt.

Christine VetterMerkenicher Str. 224, 50735 Köln

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