IDS 2021

Das geht in der Implantologie

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Heftarchiv Praxis
Ausgabe 14/2021
Ausgabe 14/2021
Der Höllenzahn im Berliner Schloss
Medizinische Werkstoffe, schlaue Software und 3-D-Druck, das sind die Innovationsfelder in der Zahnmedizin – gerade in der Implantologie. Was heute alles möglich ist und inwieweit eine stärker biologisch orientierte Implantologie schon greifbar ist, zeigt die Internationale Dental-Schau (IDS) 2021 vom 22. bis zum 25. September in Köln.

Eine hohe Patientenzufriedenheit erreicht man in der Implantologie oft durch Frühbelastung oder gar Sofortbelastung. Dafür wiederum müssen die Implantatoberflächen eine geeignete Mikrorauheit aufweisen. Eine Hochtemperatur-Säureätzung und die Lagerung in steriler Kochsalzlösung sollen Implantate jetzt fit für eine frühere Belastung machen. Insbesondere fördern sie eine hohe Sekundärstabilität bereits in der frühesten Phase der Heilung.

Die Enge Abstimmung der Komponenten ist wichtig

Anschließend soll die Versorgung natürlich lange im Mund des Patienten verbleiben. Neue Chancen eröffnen prothetische Materialien für den 3-D-Druck, die ein antagonistenfreundliches Verhalten („Pufferwirkung“) aufweisen und/oder von vornherein die Bildung von Sekundärkaries verhindern.

Dynamik bringt die Möglichkeit zu einer unmittelbaren Neuorientierung und Umentscheidung während der Behandlung: Einfach einen Abutment-Switch durchführen und schon erfolgt der Umstieg von einer Anschlussgeometrie auf eine andere.

Aufgrund der Vielfalt der Möglichkeiten und der Komplexität der Anforderungen in der Implantologie ist eine gute Zusammenarbeit von Implantologe, Prothetiker und Zahntechniker  wichtig. Allein die Abutments zeigen, was heute alles möglich ist: So lässt sich ein zweiteiliges Abutment aus einer konfektionierten Titanbase und einem damit verklebten keramischen Aufbauteil verwenden und optional im Labor patientenindividuell gestalten. Daneben kann man im Fall von verschraubten Einzelzahn-Versorgungen patientenindividuelle Titanbasen von einem industriellen Fertigungsservice beziehen. Dieser Weg steht übrigens auch für einteilige Abutments offen.

Preforms kommen hinzu: Abutmentrohlinge mit einem konfektionierten Anschluss zum Implantat, der sich zur Krone hin und im Gingivabereich individualisieren lässt. Wichtig für die Anwendung ist, welche Implantate welcher Hersteller mit welchen Anschlussgeometrien und mit welchen Daten der zugehörigen Scanbodies in der Software hinterlegt sind. Denn daraus ergeben sich die Optionen. Eine überraschende Alternative: Selbst ganz ohne Abutments lassen sich bestimmte Zahnimplantate heute versorgen.

Fast automatisch wird man noch naturnäher arbeiten und das Potenzial dafür bereitstehender Produkte ausschöpfen. Beispielsweise passen sich flexible 3-D-Röntgensysteme der Indikation an. Das Field of View schmiegt sich genau in den diagnostisch relevanten Bereich ein und bildet mit dieser an der Anatomie orientierten Optimierungsstrategie in einem OPG auch hintere Molaren vollständig ab. Ist stattdessen im Vorfeld einer Implantation die detailreiche Darstellung einer bestimmten Kieferregion gewünscht, wählt der Behandler einen dafür geeigneten Modus (etwa „zehn Ø-50x50-mm-Volumina“).

Noch näher an die Anatomie gehen

 Näher an der Anatomie – das bedeutet perspektivisch auch, nicht nur die reine Form zu rekonstruieren, sondern auch die Kräfteverteilung im neuen Knochen nach dem Vorbild der Natur zu modellieren! Ein neuer Ansatz geht von 3-D-gedruckten Scaffolds aus bleibenden lasttragenden Streben und einer mit Wachstumsfaktoren biologisierten Knochenkeramik aus. Jene wird im Zuge der Regeneration nach und nach abgebaut und durch patienteneigenes Knochengewebe ersetzt und verwächst dann mit den lasttragenden Streben. Auch hier gibt es bereits konkrete Projekte wie das Gemeinschaftsprojekt der MKG-Klinik des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein und der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. 

Christian Ehrensberger

Frankfurt am Main

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