Zukunftsagenda der Robert Bosch Stiftung

Das System von unten erneuern

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Heftarchiv Gesellschaft
Ausgabe 14/2021
Ausgabe 14/2021
Der Höllenzahn im Berliner Schloss

Eine Kasse für alle

Das Ziel der Initiative: Eine radikale Neuausrichtung des Gesundheitswesens. Hierzu hat das Autorenteam sieben Forderungen aufgestellt:

1. Das Deutsche Gesundheitswesen braucht einen Paradigmenwechsel – weg von der Orientierung auf die Behandlung und hin zur Gesunderhaltung der Menschen.

2. Gefordert wird ein solidarisches und gemeinwohlorientiertes Gesundheitssystem. Dazu gehört für die Autoren auch eine „ernsthafte Debatte über die Einführung einer allgemeinen Krankenversicherung für alle“.

3. Die Neuausrichtung des Gesundheitswesens muss bei den Menschen ansetzen. Primärversorgungszentren, die regional gut eingebunden sind, könnten dies leisten. So sollen Regionen Verantwortung übernehmen und die öffentliche Gesundheit stärken.

4. Gefordert werden Rahmenbedingungen, um die Partizipation der Bürger zu stärken. Dazu gehören Kooperationen in der Nachbarschaft, das informelle Engagement vor Ort, die Gestaltung der regionalen Gesundheitsversorgung und die Beratung von Entscheidungsträgern.

5. Investitionen in die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung sowie in höchste Qualifizierungsstandards der Gesundheitsberufe.

6. Internationale Zusammenarbeit und Vernetzung: Dies seien wichtige Aspekte bei der Vorbereitung auf Pandemien und Katastrophen, aber auch auf den Klimawandel.

7. Gefordert wird „Mut zur Weichenstellung für große Ziele“. Gefragt sei dazu eine „Politik der langen Linien“; es sollten nicht nur akute Krisen bewältigt, sondern auch Rahmenbedingungen für die Zukunft des Gesundheitswesens geschaffen werden. 

Der Staat soll ran 

Zentraler Aspekt der Agenda: die Forderung, den Bereich der Öffentlichen Gesundheit zu stärken. Hier müsse der Staat direkte Verantwortung für die Gesundheit seiner Bürger übernehmen und die Eigenverantwortung des Individuums und die professionelle Verantwortung der Gesundheitsberufe ergänzen, heißt es im Papier. Gesundheitsförderung und Prävention müssten auf Ebene der Städte und Gemeinden verankert werden. Im Sinne von „Health in All Policies“ müsse der Verhältnisprävention der Stellenwert eingeräumt werden, der ihrer Bedeutung für die Gesundheit der Bevölkerung entspreche. Das heißt laut Agenda, dass staatliche Institutionen auf gesunde Lebenswelten für die Bevölkerung oder Bevölkerungsgruppen hinwirken müssten. Gefordert wird auch eine stärkere Verknüpfung von ambulanter und stationärer Versorgung mit dem öffentlichen Gesundheitsdienst und den Gesundheitsämtern. 

Zur Stärkung des Öffentlichen Gesundheitsbereichs gehört laut Agenda auch, ein „Nationales Zentrum für öffentliche Gesundheit“ zu etablieren. Dies könne den Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst begleiten, die Digitalisierung dort vorantreiben und die Dachorganisation für die kommunalen Gesundheitsämter übernehmen.

Die in der Zukunftsagenda geforderte radikale Neuausrichtung des Gesundheitswesens meint „eine Erneuerung von unten“ – das heißt eine niedrigschwellige Gesundheitsversorgung vor Ort. Dazu sollen Primärversorgungszentren zu „lebendigen Häusern der Gesundheit“ gestaltet werden. Die Zentren sollen zu Orten ausgebaut werden, an denen verschiedene Gesundheitsberufe, multidisziplinäre Teams, Sozialberatung, ehrenamtliches und zivilgesellschaftliches Engagement in die Patientenversorgung involviert sind. Regionen, Stadt- und Landkreise müssten mehr Autonomie und Verantwortung in der regionalen Gestaltung, Planung und Steuerung der Gesundheitsversorgung erhalten, schlagen die Autoren der Agenda vor.

Mit der Corona-Pandemie stecke die Gesellschaft in einer globalen Krise, deshalb benötige die Politik wie auch die Gesellschaft einen „beherzten Richtungswechsel“, so das Fazit der Zukunftsagenda.

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