Council of European Dentists

Die Learnings aus der Pandemie

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Heftarchiv Politik
Ausgabe 14/2021
Ausgabe 14/2021
Der Höllenzahn im Berliner Schloss
Auf der Basis von 20 Umfragen hat der Council of European Dentists (CED) ein Jahr lang die Probleme untersucht, mit denen die europäischen Zahnärzte während der Pandemie zu kämpfen hatten. Jetzt zieht der Verband Bilanz. Klar sei, falls eine derartige Bedrohung nochmals auftritt, dann müsse vieles anders laufen, vor allem in Sachen PSA, Systemrelevanz, Impfpriorisierung und Patientenaufklärung.

Die ersten Erhebungen zeigten die Schließung der Zahnarztpraxen in vielen Ländern. Die zahnärztliche Versorgung wurde auf Notfälle beschränkt und die Routineversorgung in 67 (n = 21 Länder) bis 100 Prozent (n = 31 Länder) der Fälle ab April 2020 eingeschränkt oder pausiert. Dies hatte tiefgreifende Auswirkungen auf die Erbringung der zahnärztlichen Versorgung bis Herbst 2020 (Abbildung 1).

Herausforderungen und Probleme 

Ein weiteres Problem: der Mangel an Persönlicher Schutzausrüstung (PSA). Mehr als 58 Prozent (n = 17 Länder) berichteten von April bis Juni 2020 über einen Mangel an und den fehlenden Zugang zu geeigneter Ausrüstung wie Masken, Schutzbrillen, OP-Kittel und Visiere (Abbildung 2). Mehrere Länder wiesen zudem auf erhöhte Kosten im Zusammenhang mit der Infektionskontrolle hin. In einigen Mitgliedstaaten erhielten die Zahnarztpraxen finanzielle Unterstützung von ihren Regierungen – entweder direkt für Zahnärzte und Angehörige der Gesundheitsberufe (Rentenbeiträge, Steuern, Darlehen) oder allgemeine finanzielle Hilfen, die allen Bürgern oder allen Angestellten im Rahmen der COVID-19-Krise angeboten wurden. Viele Praxen mussten sich jedoch auf die zusätzliche wirtschaftliche Belastung einstellen (Abbildung 3).



Im Laufe des vergangenen Jahres drängten Zahnärzte darauf, in die Impfpriorisierung aufgenommen zu werden, was auch nach und nach passierte (Abbildung 4).



„Nach einem ganzen Jahr, in dem wir mit der Pandemie leben, kann man mit Sicherheit sagen, dass die Zahnmedizin ein wesentlicher Bestandteil der Gesundheitsversorgung ist“, bilanziert der CED.

Während der zweiten und der dritten Welle konnten viele Zahnarztpraxen in Europa trotz Lockdown geöffnet bleiben, da die Daten zeigten, dass dort keine zusätzlichen Infektionsrisiken bestehen, was von anderen internationalen Zahnärzteverbänden bestätigt wurde. In mehr als 77 Prozent der Fälle (n = 15) berichteten die nationalen Zahnärzteverbände von keinem Anstieg der Infektionsrate bei Zahnärzten. Die CED-Statistiken belegen die niedrige Inzidenz in Zahnarztpraxen, was den CED zu dem Schluss kommen lässt, dass in zahnärztlichen Einrichtungen offenbar keine ernsthafte Gefahr besteht, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren.

Schlussfolgerungen und Ausblick

Diese Schlussfolgerungen zieht der CED:

  • Erwiesen ist, dass die Zahnmedizin während der Pandemie für die Patienten, das zahnärztliche Team und die Zahnärzte selbst sicher war. Die Protokolle zur Patientensicherheit und zur Infektionskontrolle in Zahnarztpraxen haben zusätzliche Infektionsrisiken verhindert und das Vertrauen der Patienten in die Praxen gestärkt.

  • Es ist sehr wichtig, dass Zahnarztpraxen immer Zugang zu geeigneter Persönlicher Schutzausrüstung (PSA) haben. Entscheidend ist, dass der Preis keine zusätzliche finanzielle Belastung für die Praxen darstellt.

  • Grenzüberschreitende gesundheitliche Bedrohungen dürfen die Kontinuität der zahnärztlichen Versorgung nicht unterbrechen. Die zahnärztliche Versorgung – einschließlich Routineuntersuchungen, Zahnreinigung und Prophylaxe – ist eine wesentliche Gesundheitsleistung. Das Aufschieben von zahnärztlichen Behandlungen hat negative Folgen für die orale und die allgemeine Gesundheit der Patienten und schafft oder verschlimmert Ungleichheiten.

Zudem spricht sich der CED dafür aus, dass Zahnärzte bei außergewöhnlichen Gefahren wie Pandemien eine staatliche Unterstützung erhalten, um die wirtschaftlichen Belastungen abfedern zu können. Zahnärzte gehörten zu den systemerhaltenden Gesundheitsberufen und müssten bei COVID-19-Impfungen prioritär eingestuft werden. Außerdem ermutigt der CED die Kollegenschaft, sich impfen zu lassen: „Zahnärzte spielen eine Schlüsselrolle in der Öffentlichkeit, wenn es darum geht, für die COVID-19-Impfungen Vertrauen aufzubauen.“

Der Council of European Dentists (CED) vertritt als europäischer gemeinnütziger Verband über 340.000 Zahnärzte in ganz Europa. Er wurde 1961 gegründet und besteht heute aus 33 Zahnärzteverbänden in 31 europäischen Ländern. In seiner evidenzbasierten Studie „One year of CED work on COVID-19“ fasst der CED auf der Basis von 20 Umfragen die Auswirkungen von COVID-19 auf die Zahnmedizin und die Zahnärzte in Europa zusammen und leitet daraus Erkenntnisse und Lehren für die Zukunft ab.

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