Ein Fall für die bariatrische Zahnmedizin

So kreativ wurde eine Zahnärztin für ihren schwersten Patienten

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Heftarchiv Praxis
Ausgabe 11/2021
Ausgabe 11/2021
Neuer Knochen fürs Implantat
Im April 2021 konnte die Zahnärztin Claudia Lüdecke mit ihrem Team einem 260 Kilo schweren Patienten durch ihr Improvisationstalent helfen, seine andauernden Zahnschmerzen zu lindern. Statt eines Behandlungsstuhls nutzte sie zwei Wartezimmerstühle ohne Lehne, eine Fußbank und eine menschliche Kopfstütze, um die Behandlung durchführen zu können.

Der Patient hat sich erstmals im März 2021 in unserer Praxis vorgestellt“, erzählt Lüdecke, die gemeinsam mit ihrem Mann seit 1992 eine Gemeinschaftspraxis im Magdeburger Stadtteil Neue Neustadt führt. Der 33-Jährige sei jahrelang nicht beim Zahnarzt gewesen. Daher habe massiver Behandlungsbedarf bestanden, um seine Mundgesundheit wiederherzustellen. „Er litt an starken Schmerzen, die vor allem durch nicht erhaltungswürdige Zähne hervorgerufen wurden“, berichtet die Zahnärztin. 



Alle Behandlungsstühle in der Zahnarztpraxis sind nur für eine maximale Belastung bis 150 Kilo ausgelegt. Da der Patient 260 Kilo wog, habe sie ihn allerdings zunächst nicht angemessen behandeln können. Lüdecke: „Meine Idee war, ihn stattdessen an die Universitätsklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie Magdeburg zu überweisen. Ich ging davon aus, dass man ihm dort helfen kann, weil Behandlungsstühle mit höherer Belastungsgrenze sowie OP-Tische mit einer größeren Traglast vorhanden sind.“




Die Zahnärztin behandelt zusammen mit den drei anderen Behandlern noch etwa zehn andere übergewichtige Patienten in ihrer Praxis, deren Körpergewicht zwischen 150 und 160 Kilogramm liegt. Vor der Behandlung werden alle nach ihrem Gewicht gefragt, um die Belastungsgrenze des Behandlungsstuhls nicht auszureizen.

Für die Zukunft wünscht sich die Zahnärztin, dass Fachkliniken die Behandlung von stark übergewichtigen Patienten übernehmen, da diese besser ausgestattet sind. „Die Zahl stark übergewichtiger Patienten wird sicherlich noch zunehmen,“ prophezeit sie. Lüdecke hat sich für ihren Beruf entschieden, weil sie als Zahnärztin ihre handwerkliche Kreativität ausleben und ihrem Interesse für Ästhetik nachgehen kann. Vor allem die Arbeit mit und am Menschen zeichnet für sie diesen Beruf aus. „Auch heute – nach fast 30 Jahren – kann ich sagen, dass mich meine Tätigkeit als Zahnärztin erfüllt und mir Freude bereitet.“

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