Schmuck aus Zirkonoxid

Die Herren der Ringe

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Heftarchiv Gesellschaft
Ausgabe 3/2021
Ausgabe 3/2021
Zahnmedizinische Fachangestellte: Ausbildung in schwierigen Zeiten
Eine perfekte Krone schmückt ihren Träger – aber geht da nicht noch ein bisschen mehr? Warum nicht aus Zirkonoxid-Keramik Ringe entwerfen? Zwei Heilbronner Zahnärzte haben aus dieser Idee ein kleines Schmuckunternehmen gemacht.

Bei der Produktentwicklung haben die Zahnärzte Dragan Razmilic und Andreas Volk nichts dem Zufall überlassen: „Wir haben einen Ring aus dem vierten Stock geworfen und er hatte keinen einzigen Kratzer. Zirkonoxid-Keramik ist praktisch unzerstörbar,“ erzählt Volk. Auch der „Fliesentest“ ist beeindruckend: Schmeißt man einen Zirkonoxid-Ring mit Schwung auf einen Fliesenboden, hat dieser hinterher mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Kratzer – der Ring hingegen bleibt unbeschadet.

Härtegrad 8 – Diese Ringe altern nicht

Zirkonoxid-Keramik hat einen Härtegrad von 8. Zum Vergleich: Der von Diamanten liegt bei 10. Und auch sonst hat das bewährte Kronen-Material Eigenschaften, die auch Schmuckträger schätzen: Es sieht sowohl poliert als auch matt elegant aus und benötigt keine Pflege. Der Stoff ist allergenfrei und biokompatibel – also auch für Träger mit sensibler Haut geeignet.

Razmilic: „Zirkonoxid gehört zur Gruppe der Oxide und ist ein anorganischer Werkstoff. Pulverisiert wird es zum Beispiel verwendet, um die Kratzfähigkeit von Nagellack zu verbessern.“ Ein Ring aus dem Haus der Zahnärzte altert praktisch nicht, anders als andere Materialien gibt es bei Zirkonoxid keine Gebrauchsspuren. Wer allerdings gern eine Gravur in seinem Ring hätte, wird gerade deshalb enttäuscht, denn die sind nicht möglich.

Zahnärzte sind passionierte Tüftler, ihr Erfindergeist gehört praktisch zur Berufs-DNA. Für die kleinste Lücke – oder das kleinste Problem – eine gute Lösung zu finden gehört zum Alltagsgeschäft. Und so hat Volk schon als Student mit der Herstellung von Ringen, damals aus Silber, experimentiert. Als Hobby und Entspannungsmaßnahme nach langen Arbeitstagen.

Die beiden Heilbronner, die die „Zahnarztpraxis am Landratsamt“ betreiben, fragten sich eines Tages, ob es wohl möglich wäre, Ringe aus Zirkonoxid herzustellen. Gesagt, getan. „Vor zwei Jahren haben wir eine neue Industriefräse gekauft und waren von den Kronen so begeistert, dass wir uns entschieden haben, Ringe zu produzieren“, sagt Razmilic gegenüber den zm. Das Herstellungsverfahren beschreibt er so: „Aus einem Block Zirkonoxid wird der jeweilige Ring vorsichtig herausgefräst, um dann in einem Sinterofen bei 1.700 Grad Celsius gesintert zu werden. Dieser Vorgang dauert 15 Stunden.“

Zwei Farbtöne – „Asphalt“ und „Ivory“

Das Schmuck-Unternehmen der Heilbronner Zahnärzte heißt ADZirOx, eine Kombination aus den Anfangsbuchstaben Andreas, Dragan und ZirkonOxid. Die Preise der Ringe liegen im unteren dreistelligen Bereich, sie werden online verkauft. Das Angebot ist klein, aber fein, es gibt nur zwei Modelle, „SmOOth“ ist schlicht und glatt gehalten, „CubiQ“ hat eine in kubischen Formen modellierte Oberfläche. „Das wirkt etwas sportlicher, nicht ganz so schlicht und ist gleichzeitig elegant“, so Volk.

Nach dem Fräsen kommen die Ringe in ein Farbbad, derzeit gibt es sie in zwei Farbtönen, „Asphalt“ und „Ivory“. „Rein theoretisch könnte man jede Farbe einsetzen“, sagt Razmilic. Für die Zukunft schließen die beiden bunte Ringe nicht aus. Aber die Kronen bleiben auch künftig King: Das kleine Schmuckunternehmen ist und bleibt ein Hobby, ihr beruflicher Schwerpunkt bleibt die Arbeit in der Praxis.

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