Der besondere Fall mit CME

Progredient wachsender Torus mandibularis

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Heftarchiv Zahnmedizin
Ausgabe 3/2021
Ausgabe 3/2021
Zahnmedizinische Fachangestellte: Ausbildung in schwierigen Zeiten
Die Vorstellung eines 61-jährigen Mannes erfolgte aufgrund ausgeprägter Exostosen im Unterkiefer beidseits. Hierbei handelt es sich nicht immer um einen behandlungsbedürftigen Befund, im vorgestellten Fall lag allerdings eine zunehmende Progredienz mit klinischen Beschwerden vor.

Der Patient stellte sich in der Ambulanz der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Universitätsmedizin Mainz nach Überweisung durch einen niedergelassenen Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen mit Exostosen im Unterkiefer vor.

Anamnestisch bestanden die Exostosen bereits seit mehreren Jahren und wurden zunächst durch den behandelnden Hauszahnarzt routinemäßig kontrolliert. Wegen einer Größenprogredienz und der Behinderung der Zungenbeweglichkeit mit beginnender Sprachveränderung erfolgte zunächst die Überweisung an einen niedergelassenen MKG-Chirurgen mit der Bitte um Therapieübernahme. Dieser überwies den Patienten bei ausgedehntem Befund an unsere Klinik.

Diagnose

Klinisch präsentierte sich der Patient in gutem Allgemein- und Ernährungszustand ohne auffällige Familienanamnese. Bei der oralen Inspektion imponierten zwei Raumforderungen im Unterkiefer lingual beidseits mit einer Adhärenz zum Alveolarkamm (Abbildung 1). Auf Palpation gab der Patient keine Schmerzen an. Es bestanden keine Gefühls- oder Geschmacksstörungen.

Zur erweiterten Diagnostik wurde eine Digitale Volumentomografie (DVT) angefertigt. Diese zeigte zwei lingual gelegene knöcherne Auftreibungen mit einer Ausdehnung von der Unterkieferfrontzahnregion bis zu den Molaren (Abbildung 2). Nebenbefundlich zeigte sich ein nicht erhaltungswürdiger Zahn 36. Bei unauffälliger Anamnese, fehlender B-Symptomatik sowie einem langsamen und verdrängenden Wachstum wurde die Verdachtsdiagnose eines Torus mandibularis gestellt.

Nach ausführlicher Beratung über mögliche Therapiealternativen entschied sich der Patient – auch aufgrund einer voranschreitenden Einschränkung der Zungenbeweglichkeit – zur Entfernung des Befunds.

In Intubationsnarkose wurde zunächst über eine marginale Schnittführung im Unterkiefer beidseits die Schleimhaut gelöst und nach lingual verdrängt (Abbildung 3). Nach vollständiger Darstellung der Exostosen wurden die Befunde unter Schutz der Zahnwurzeln mittels Piezochirurgie und Meißel osteotomiert und die Knochenkanten geglättet (Abbildung 4). Abschließend erfolgten die Extraktion des nicht erhaltungswürdigen Zahns 36 und ein Wundverschluss der Mundschleimhaut. Aufgrund des ausgedehnten Wundgebiets und der Gefahr einer lingualen Einblutung wurde der Patient postoperativ auf unserer Station aufgenommen.

Die radiologische Kontrolle zeigte einen regelrechten Befund nach Abtragung der Exostosen (Abbildung 5). Bei komplikationslosem Verlauf konnte der Patient die Klinik am zweiten postoperativen Tag verlassen. Die histopathologische Aufbereitung zeigte organoiden Knochen ohne Nachweis von Dysplasien, passend zur bereits klinisch gestellten Diagnose einer Exostose.

Literaturliste

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