ZFA-Ausbildung an der Rahel-Hirsch-Schule in Berlin-Hellersdorf

„Unser Rüstzeug sind unsere digitalen Geräte!“

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Heftarchiv Praxis
Ausgabe 3/2021
Ausgabe 3/2021
Zahnmedizinische Fachangestellte: Ausbildung in schwierigen Zeiten
Berlin, Stadtteil Hellersdorf: Von den 1.500 angehenden MFA und ZFA, die für ihre Ausbildung das Oberstufenzentrum für Medizin und Gesundheit der Rahel-Hirsch-Schule besuchen, haben 280 kein vernünftiges Endgerät und/oder kein Internet. Das sind schon zu normalen Zeiten keine guten Voraussetzungen zum Lernen – wie soll der Unterricht erst im Lockdown funktionieren? Erstaunlich gut, antwortet die Schulleitung. Wie das?

Beim Lockdown im Sommer sind wir schon ins kalte Wasser geschubst worden“, räumen Schulleiterin Nicole Verdenhalven und ihre stellvertretende Abteilungsleiterin C. Mitzscherling ein. „Damals mussten wir kämpfen, dass den Azubis seitens der Praxen die volle Lernzeit auch in dieser Zeit eingeräumt wurde.“ Jetzt sei das anders – auch weil in den Praxen seitdem ein Umdenken stattfand.

Lernen war hier auch vor Corona schon digital

Dass die Schule schon vor Corona auf digitale Unterrichtsformen setzte, kam den Schülerinnen und Schülern natürlich auch zugute. Seit 2019 wird hier mit „IServ“ gearbeitet, einer Lernplattform, die viele Möglichkeiten bietet. „Wir können Videokonferenzen anberaumen, die Teilnahme funktioniert auch mit Handy, Aufgabenblätter werden als Dateien abgelegt, die dann abgerufen werden, und es gibt einen Messenger, ähnlich wie WhatsApp“, führt Verdenhalven aus. „Aufgrund unserer Erfahrungen konnten wir dann auch relativ komplikationslos von Präsenz- auf Fernunterricht umstellen.“

Im August hatten sich die Lehrkräfte auf Standards zum virtuellen Lernen verständigt – für den Fall eines weiteren Lockdowns. Als am 28. Oktober 2020 der „Lockdown light“ für November beschlossen wurde, ordnete das Berliner Gesundheitsamt zeitgleich gemeinsam mit der Schulaufsicht ein hybrides Format – Wechselunterricht – an. „Wir hatten schon Ende September festgelegt, wie unsere Schüler und Schülerinnen bei einem erneuten Lockdown sinnvoll von zu Hause aus lernen werden“, erläutert Mitzscherling. „Das sieht unter anderem so aus, dass die Lehrer ihre Klassen mit Aufgaben versorgen und an den zwei Tagen Berufsschule bei Bedarf auch per Videokonferenz zusammenschalten können.“

Es fallen immer noch 30 Prozent durch

„Wir haben guten Kontakt zu unseren Schülern“, berichtet Verdenhalven. „Trotzdem wissen wir natürlich nicht immer, was gerade zu Hause los ist.“ Oft erfahre man eher zufällig, dass sich beispielsweise eine Schülerin mit fünf Geschwistern den PC teilen muss – und das aber gar nicht als großes Problem wahrnimmt.

Die Schule hilft den Betroffenen – möglichst schnell und unbürokratisch. Mitzscherling: „Wir bieten den Azubis ohne adäquates Endgerät oder Internet an, in der Schule Computerplätze zu buchen und von dort zu lernen. Wir haben auch alte ausrangierte PCs aufgerüstet.“ Immerhin 30 Schüler haben davon Gebrauch gemacht und sich ein solches Gerät zur ständigen Nutzung nach Hause abgeholt. „Unser Rüstzeug sind unsere digitalen Geräte“, unterstreicht Mitzscherling.

Auch die Praxen gehen jetzt stärker mit

Das Bewusstsein für die Situation sei in den Praxen indes sehr stark gewachsen. In fast allen Praxen werde im zweiten Lockdown den Azubis die Zeit zum Lernen gegeben, auch für den virtuellen Unterricht würden sie fast überall freigestellt. „Wir begrüßen es, wenn die Azubis in der Praxis Unterrichtsmaterialien ausdrucken dürfen, wenn sie selbst nicht die Möglichkeit dazu haben“, betonen beide Frauen. „Das gehört aus unserer Sicht auch zur Lernortkooperation in der dualen Ausbildung.“ Auch die Kammern unterstützen dieses Ansinnen.

Dennoch würden sie sich wünschen, dass Azubis ohne entsprechende Technik noch stärker von den Praxen unterstützt werden. „Vielleicht mit einem ‚Deal‘, dass sie ein gutes Endgerät bezuschussen, nach dem Motto: ‚Wir wollen dir bei deiner Ausbildung helfen und dich so gut wie möglich beim Lernen unterstützen‘“, regt Verdenhalven an. Beide sehen die Praxis als Partner und plädieren für ein Entgegenkommen auf beiden Seiten.

Derzeit werde der Rahmenplan von der Kultusministerkonferenz dahingehend überarbeitet, dass künftig in einer Abschlussprüfung die Zwischenprüfung stattfinden soll, was Verdenhalven und Mitzscherling sehr begrüßen: „Damit bekommt die Zwischenprüfung eine höhere Bedeutung. Dann können sich die Azubis auf die Ernsthaftigkeit einer solchen Situation einstellen und es hängt nicht alles von der Abschlussprüfung ab.“

Ihr Fazit: „Was Schule zu Corona-Zeiten betrifft: Wir lernen alle noch – Schüler wie Lehrer. Aber das Wohlwollen und die Motivation sind da!“

Die duale Ausbildung zur ZFA wird in Berlin schulisch durch das Oberstufenzentrum für Medizin/Gesundheit der Rahel-Hirsch-Schule in Hellersdorf und durch das Oberstufenzentrum Gesundheit (OSZ) im Wedding begleitet. Ein Bericht des OSZ folgt in der nächsten Ausgabe.

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