Gestaltung einer individuellen Praxisphilosophie

Die Suche nach der perfekten Typo

Heftarchiv Praxis
Ausgabe 12/2022
Ausgabe 12/2022
Das große Geschäft mit den Alignern
Dr. Oliver Knappe dachte schon länger über die Neugründung einer eigenen Praxis nach. Die passenden Räumlichkeiten fand der Zahnarzt und Oralchirurg in dem bayrischen Städtchen Neuendettelsau. Nicht nur die Renovierung kostete dann Zeit und Nerven. Auch ins Marketing floss viel Energie. Allein die Suche nach dem richtigen Logo ist ja bekanntlich eine Wissenschaft für sich. Warum sich der Aufwand auf jeden Fall lohnt, lesen Sie hier.

Drei Dinge lagen Knappe am Herzen: eine persönliche 
Praxisidentität zu schaffen, in der Gemeinde und dem Umland 
bekannt zu werden und Neupatienten zu gewinnen – was bedeutete, auch bei Zuweisern persönlich vorstellig zu werden.

Die Gründung war zwar straff geplant, nichtsdestotrotz wollte Knappe, der vorher in einer Gemeinschaftspraxis tätig war, genug Zeit haben, um ein Logo zu entwickeln, einen Internetauftritt aufzubauen und ein Praxismarketing zu erarbeiten. Parallel zu den Renovierungs-arbeiten entwickelte er daher mit professioneller Unterstützung ein Praxiskonzept und die Praxisphilosophie samt Marketingmaßnahmen. Was waren die Meilensteine bei der Praxisgründung, was die Learnings? 

Ein Fantasiename passt einfach nicht

Zuerst gilt es, eine Praxisidentität zu schaffen, die auch wirklich zu 
einem passt. Für Knappe ist die persönliche Note maßgebend. Dass seine Praxis seinen Namen trägt, stand für ihn außer Frage. Beim „Naming“ entscheidet er sich damit auch bewusst gegen einen Fantasienamen, obwohl das gerade im Trend liegt. Schon mit der Gestaltung seiner 
Praxismarke will er die Patienten aus der ländlich geprägten Region abholen: menschlich, vertrauensvoll, einladend, patientennah – das sind Werte, die Knappe auch in seiner Außendarstellung kommunizieren will. Klar herausgestellt werden soll, dass es sich nicht um eine anonyme Kette oder ein großes Versorgungszentrum handelt, sondern um eine inhabergeführte Praxis, bei der jeder Patient noch mit Namen begrüßt wird. Dabei kommt es auch auf die Details an, vor allem bei der Auswahl der Typografie. Seine Vorstellung: etwas Besonderes, ein stilvoller Blickfang, der ansprechend und gleichzeitig professionell wirkt. Es lohnt sich, Zeit in das Design zu 
investieren, schließlich findet sich die Schriftart nebst Logo in der gesamten Praxisgestaltung, offline und online, wieder. 

„Zähnchengrafiken“? Lieber ein schlichtes Logo!

Am Ende besteht das Logodesign eben nicht aus 08/15-Standardschriften, sondern in einem außergewöhnlichen Schriftbild, er entscheidet sich für Exensa Grotesk 
Regular und Kaftan Serif Regular. Damit liegt er im Trend, der weggeht von den klassischen „Zähnchengrafiken“ hin zu schlichten Logodesigns, die meist nur noch aus einer außergewöhnlichen Schrift des Namens bestehen. Auch ohne Bildmarke lässt sich ein Design bis in die Tiefe individualisieren, so dass sich für jede Praxiskultur das richtige „Outfit“ findet.

Eine tragende Rolle spielt auch die Farbigkeit, da sie für einen hohen Wiedererkennungswert sorgt. „Mir war es wichtig, die Inneneinrichtung passend zum Corporate Design modern und zeitlos zu gestalten“, erzählt Knappe. Zu guter Letzt fällt die Wahl auf eine neutrale Grauabstufung – statt auf das jetzt angesagte Apfelgrün oder die allgegenwärtigen Petroltöne, an denen er sich womöglich irgendwann satt sieht. Die Grautöne ergänzen zudem gut die Betonelemente der Praxisinneneinrichtung – sie werden an Aktualität hoffentlich auch in den nächsten Jahren nichts verlieren. Und indem sich das Logo als Folierung und Schmuckelement hinter dem Praxisempfang ins Design der Räumlichkeiten einbettet, entsteht eine klare Linie.

Wenn das Design steht, geht es 
daran, den ersten Auftritt in der 
Öffentlichkeit vorzubereiten. Zeitgleich wird die Inneneinrichtung ausgekleidet. Die Web-Visitenkarte soll den Rahmen für eine vorläufige Website schaffen und den ersten Anlaufpunkt für Patienten und Kollegen bilden. Unter der Domain www.oralchirurgie-knappe.de erhalten Patienten die Möglichkeit, 
einen ersten Eindruck zu gewinnen, sich mit Knappes Praxis schon vorab in Verbindung zu setzen und Termine über ein Onlinetool zu vereinbaren. Eine vorläufige Webpräsenz sollte übrigens mindestens vorhanden sein, bevor erste Offline-Marketing-Maßnahmen angedacht werden. 

Auch die Zuweiserkarten sind individuell designed

Bei Knappe war die vorläufige V-Card fertig, so dass er sich im nächsten Schritt um die Vorstellung bei den Zuweisern kümmern konnte. Auch hier darf die persönliche Note nicht fehlen: Mit Zuweiserkarten, die den Look des Designs aufgreifen, und einem besonderen Anschreiben präsentierte der Zahnarzt bei den Terminen seine Praxis und legte damit das Fundament für Kooperationen und die Neupatientengewinnung.

Im Einzugsgebiet der Praxis liegen drei amerikanische Kasernen, die schon jetzt die Behandlungsleistungen nachfragen. Um diese Patienten direkt anzusprechen, wurde die Webpräsenz reduziert ins Englische übersetzt – diese Variante gibt einen Überblick über das Praxiskonzept, das Leistungsspektrum und die Kontaktaufnahme. Aufnahmeformulare und Anamnesebögen sind ebenfalls auf Englisch abrufbar.

Um die Außendarstellung schon vor der Eröffnung zu gestalten, die neue Marke der Öffentlichkeit zu präsentieren und damit die Wahrnehmung auf allen Kanälen zu stärken, sollten Marketingmaßnahmen rund ein halbes Jahr vor Praxiseröffnung gezielt geplant und umgesetzt werden. Dabei geht es nicht nur darum, Neupatienten zu gewinnen. Die Schritte sind mindestens genauso wichtig, um qualifizierte Mitarbeiter zu finden. „Die Timeline ist das A und O – auch im Hinblick darauf, sich frühzeitig um Mitarbeiter zu bemühen und den bürokratischen Aufwand einer Neugründung einzuberechnen“, resümiert Knappe.

Entscheidend dabei: die richtige 
Balance zwischen „sich Zeit lassen“ und „Entscheidung treffen“ zu finden, damit es am Ende nicht eng wird. Grundlage ist ein durchdachtes Zeitmanagement, das in der Planungsphase des Marketingkonzepts detailliert geplant, formuliert und laufend evaluiert wird. 

Nadja Alin Jung ist Diplom-Betriebswirtin sowie Gründerin und Inhaberin von m2c — medical concepts & consulting. m2c ist auf die Marketing-Beratung für Heilberufe spezialisiert und betreut Praxen und Kliniken von der Markenbildung über den Websiteauftritt bis hin zu Imagefilmen und Kampagnen.

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