Interview mit Dr. Karl-Georg Pochhammer

„Es ist der absolut richtige Weg, sich der erfolgreichen Wurzeln zu besinnen“

Heftarchiv Politik
Ausgabe 12/2022
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Das große Geschäft mit den Alignern
Nach der Vertreterversammlung der apoBank Ende April wählte der neue Aufsichtsrat in seiner konstituierenden Sitzung Dr. Karl-Georg Pochhammer zu seinem Vorsitzenden. Pochhammer ist stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) und gehört seit 2011 dem Aufsichtsrat der apoBank an. Wir sprachen mit ihm über die stärkere Fokussierung auf Heilberufler als Kunden, Dividendenausschüttungen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten und die IT-Probleme der Bank.

Herr Dr. Pochhammer, Sie folgen auf Prof. Frank Ulrich Montgomery, den ehemaligen Präsidenten der Bundesärztekammer. Was für 
eine Bedeutung hat es, dass nach einem Arzt jetzt ein Zahnarzt diesem Gremium vorsteht?

Dr. Karl-Georg Pochhammer: Ich bin dankbar für das Vertrauen, das mir seitens der Mitglieder im Aufsichtsrat ausgesprochen wurde. Der Vorsitz des Gremiums ist eine sehr verantwortungsvolle Position, die ich bestmöglich ausfüllen möchte. Die wichtigsten Voraussetzungen hierfür sind eine tiefe fachliche Einarbeitung und eine regelmäßige Präsenz vor Ort. Die heilberufliche Disziplin des Stelleninhabers spielt aus meiner Sicht keine vorrangige Rolle. Dies wird im Übrigen auch unterstrichen durch 
die lange Tradition guter Zusammenarbeit aller Heilberufsgruppen im Aufsichtsrat der apoBank.

Der neue Vorstandsvorsitzende Matthias Schellenberg hat auf der Vertreterversammlung angekündigt, den Fokus der Geschäftsaktivitäten wieder voll an den Bedürfnissen von Heilberuflerinnen und Heilberuflern auszurichten, um „zu den Wurzeln zurückzukehren“. Warum ist dieser Weg der richtige?

Die apoBank kann auf eine 120-jährige Geschichte zurückblicken – eine lange Zeit, in der sich immer wieder gezeigt hat, was die Bank und ihren Erfolg ausmacht: Die große Nähe zur Ärzte- und Zahnärzteschaft und zu den Apotheken. Sich wieder auf den Kern zu fokussieren und der erfolgreichen Wurzeln zu besinnen, ist daher aus meiner Sicht der absolut richtige Weg. Wir wissen, wie sehr sich der Gesundheitsmarkt und die Bankenwelt wandeln und wie schnell sich Rahmenbedingungen ändern – sei es durch technologische und gesellschaftliche Entwicklungen oder auch durch neue Kundenbedürfnisse. Es muss daher gelingen, diesen Wandel aktiv zu gestalten, ohne die eigenen Wurzeln aus dem Blick zu verlieren. Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen im Aufsichtsrat wird uns daher der Fahrplan der Transformationsagenda der Bank in den nächsten Monaten intensiv beschäftigen. Wir freuen uns darauf, den Prozess konstruktiv zu begleiten.

Die Vertreterversammlung hat für das Geschäftsjahr 2021 trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten eine Dividendenausschüttung in Höhe von 7 Prozent beschlossen. Diese Dividende bildet den vollständigen Gewinnvortrag in Höhe von 
4 Prozent aus dem Jahr 2020 sowie eine Gewinnbeteiligung in Höhe von 3 Prozent am Geschäftserfolg im Berichtsjahr ab. Wie zufrieden sind Sie mit diesem Ergebnis?

Gemessen an den schwierigen Rahmenbedingungen, mit denen Banken seit Jahren grundsätzlich konfrontiert sind, ist das Ergebnis befriedigend. Damit waren auch alle Voraussetzungen erfüllt, die Mitglieder nicht nur am Ergebnis 2021, sondern auch nachträglich am Erfolg des Jahres 2020 zu beteiligen. Die Dividendenausschüttung ist aus meiner Sicht angemessen und spiegelt die Leistungsfähigkeit der apoBank wider. 

Zuletzt hat die Vertreterversammlung der apoBank viel über 
eine Frauenquote im Aufsichtsrat diskutiert. Wie stehen Sie zu den Beschlüssen, mehr Diversität in 
die Gremien der apoBank zu bringen?

Mehr Diversität zu fordern, finde ich gut und richtig. Ich denke, mittlerweile ist überall angekommen, dass diverse Teams schlicht erfolgreicher sind und dass eine Organisation davon sehr profitieren kann. Insofern freue ich mich über die Beschlüsse der Vertreterversammlung. Wir werden uns im Aufsichtsrat zeitnah mit diesem Thema befassen. 

In der jüngeren Vergangenheit 
hatte die apoBank mit massiven IT-Problemen zu kämpfen. Die IT-Migration lief bekanntermaßen nicht wirklich glücklich. Matthias Schellenberg zufolge ist man „noch nicht ganz über den Berg“. Welche Aufgaben stehen noch an?

Ja, Matthias Schellenberg hat in seiner Rede vor der Vertreterversammlung deutlich gemacht, dass die Bank hier noch Handlungsbedarf hat. Im Vordergrund steht die Verbesserung der technischen Funktionalitäten sowie der Anwendungen für die Kundinnen und Kunden, aber auch der Prozesse. Das sind wichtige Hebel, um auch 
die Kundenzufriedenheit wieder zu steigern – eines der wichtigsten Ziele dieses und der kommenden Jahre. Wir werden uns im Aufsichtsrat regelmäßig ein Bild vom Fortgang der Verbesserungen machen und den aktuellen Stand mit dem Vorstand erörtern. 

Die apoBank setzt stark auf das Thema Nachhaltigkeit. Bis zum Jahr 2030 will die Bank für den eigenen Geschäftsbetrieb klimaneutral werden. Gleichzeitig will man 
die Beraterinnen und Berater der Bank zu Nachhaltigkeitsexperten ausbilden, um insbesondere die niedergelassenen Kunden bei der Umsetzung von Aktivitäten zur Nachhaltigkeit zu unterstützen. Sehen Sie dort großen Bedarf?

Praxis- oder Apothekeninhaber beschäftigen sich durchaus mit der Frage, wie sie sich nachhaltiger aufstellen können und reflektieren ihr eigenes Handeln. Das haben sie in einer Umfrage der apoBank im Herbst letzten Jahres klar zum Ausdruck gebracht. Das finde ich erfreulich, denn in der gesamten Gesellschaft und Wirtschaft muss ein Umdenken erfolgen, um den gewaltigen Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen. Wenn die apoBank mit ihrer Beratung Impulse setzen kann, um etwa den CO2-Ausstoß zu senken, das Abfallmanagement umweltfreundlicher auszurichten oder Geldanlagen nachhaltiger zu gestalten, dann ist das auf jeden Fall ein Schritt in 
die richtige Richtung, den wir im Aufsichtsrat sehr begrüßen.

Das Gespräch führte Sascha Rudat.

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