Dr. Eckart von Hirschhausen wird Honorarprofessor in Marburg

„Kleine Gesten machen einen großen Unterschied“

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Heftarchiv Gesellschaft
Ausgabe 3/2022
Ausgabe 3/2022
Der übersehene Muskel
„Machen Sie den Mund erst auf, wenn Sie die Augenfarbe Ihres Patienten benennen können“, empfiehlt der Arzt und Bestsellerautor Dr. Eckart von Hirschhausen angehenden Medizinern. Mit solchen Ratschlägen will er – als neuer Honorarprofessor in Marburg – in seinen Vorlesungen über „Sprache in der Medizin“ die Bedeutung einer bewussten Gesprächsführung herausarbeiten.

Ich möchte gerne das in den Vorlesungen weitergeben, was ich selber dort nie gehört habe“, sagte von Hirschhausen am 11. Januar bei seiner offiziellen Ernennung und Antrittsvorlesung als Honorarprofessor für Medizin an der Universität Marburg. Es sei wichtig, seine Worte für die Patienten so sorgsam zu wählen wie andere Arzneien, betonte er. „Warum Worte Medizin sind – zwischenmenschliche Kommunikation im Zeitalter der Digitalisierung“ lautet denn auch der Titel der Vorlesung. Der Arzt, Wissenschaftsjournalist, Buchautor und TV-Moderator wird in Marburg ab dem Sommersemester über „Sprache in der Medizin“ und „Klimawandel und Medizin“ referieren.

Richtig nachfragen, die Perspektive wechseln und die Sicht des Patienten einbeziehen – das macht für von Hirschhausen die Qualität von Shared Decision Making aus. Ein guter Arzt müsse „auch mal querdenken“: Schließlich könne die richtige Frage Leben retten. Er ermunterte die Studierenden, ihre eigenen Thesen zu hinterfragen: „Gibt es etwas, das ich nicht gesehen habe?“

„Shared Decision Making kann man lernen“, erklärte von Hirschhausen, auch wenn Gesprächsführung gemeinhin als „Glückssache“ betrachtet werde – „kann man schon irgendwie“. Doch das sei ein Trugschluss: Für die Gesprächsführung benötige man eine ähnlich hohe Befähigung wie beim Setzen eines Herzkatheters.

Ein Arzt führe in seinem Berufsleben etwa 200.000 Gespräche mit Patienten – das sei mit Abstand die häufigste ärztliche Tätigkeit. Sein Rat: Wenn ein Patient ins Sprechzimmer kommt, sollte der Arzt sich nicht hinter seinem Bildschirm verschanzen, und losquatschen, sondern: „Machen Sie erst den Mund auf, wenn Sie die Augenfarbe des Gegenübers benennen können!“ Dann habe man auch nicht den Impuls, sofort loszureden.

Seine Vorträge sind für viele prägend

Zu den Themenfeldern „Sprache in der Medizin“ sowie „Klimawandel und Medizin“ hatte von Hirschhausen bereits 2017 und 2020 Vorträge in Marburg gehalten, die der Uni zufolge großen Zulauf hatten. „Noch heute sprechen mich Studierende und Alumni, die mittlerweile als Ärztinnen und Ärzte tätig sind, auf diese Vorträge an“, berichtete Prof. Dr. Jürgen Schäfer, Leiter des Zentrums für unerkannte Krankheiten am Fachbereich Medizin, der die Vorträge mit initiierte, anlässlich der Antrittsvorlesung. „Diese Veranstaltungen haben sich bei vielen als unvergessliches Erlebnis und bleibende Erinnerung an eine – hoffentlich schöne und erfüllende – Studienzeit eingeprägt“, sagte der Wissenschaftler, der als der „deutsche Dr. House“ bekannt ist.

Von Hirschhausen gestaltet bereits die medizinische Lehre an der Universität Marburg mit – zum Beispiel die fachbereichsübergreifende Ringvorlesung „Klimakrise und Gesundheit“ im Wintersemester 2021/22, mit Schäfer den Podcast „Diagnose: Selten“ oder als Diskussionsgast im „Dr. House“-Seminar, in dem medizinische Fälle aus der amerikanischen Krankenhaus-TV-Serie aufgegriffen und in einen wissenschaftlichen Kontext gestellt werden. Die Honorarprofessur selbst ist ehrenamtlich und unentgeltlich.

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