Studie aus der Sport-Zahnmedizin

So sollte ein Mundschutz gestaltet sein

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Heftarchiv Zahnmedizin
Ausgabe 6/2022
Ausgabe 6/2022
Einrichtungsbezogene Impfpflicht startet
Viele Sportarten bergen das Risiko orofazialer Verletzungen. Um diese zu verhindern oder die Schwere zu mildern, sollte bei einigen Sportarten unbedingt ein Mundschutz getragen werden.

Bei vielen Sportarten ist das Verletzungsrisiko für Zähne, Mund und Kieferknochen sehr hoch. Deshalb wird nicht nur bei Kontakt-Sportarten, sondern etwa auch beim Inline-Skating oder beim Reiten das Tragen eines Zahnschutzes empfohlen. Dabei korreliert die Effektivität mit der korrekten Passform. Forschende aus Toronto haben in einer aktuellen systematischen Übersichtsarbeit den derzeitigen Wissensstand zusammengefasst und die Studienergebnisse in der Fachzeitschrift Dental Traumatology veröffentlicht.

Ein Mundschutz zur Verhütung orofazialer Verletzungen sollten idealerweise eine feine Balance zwischen Schutz und Tragekomfort halten. Die Autoren erklären, dass die Maxilla grundsätzlich einem höheren Verletzungsrisiko ausgesetzt sei, wenngleich sich bei einer Klasse-III-Okklusion das Risiko eher in Richtung Mandibula verschiebe. Idealerweise wird in beiden Kiefern ein Schutz getragen – wird das vom Träger nicht toleriert, sollte der Mundschutz in dem Kiefer getragen werden, der dem höheren Risiko ausgesetzt ist. 

Mindestens 3 Millimeter stark

Bei der Herstellung müsse grundsätzlich darauf geachtet werden, die gesamte Zahnreihe bis zum letzten Molaren zu integrieren (distale Extension). Überdies müssten genügend Raum fürs Weichgewebe belassen und Aussparungen im Bereich des Frenulums integriert werden. Lippen und Wangen sollten trotz des recht voluminösen Mundschutzes nicht gespannt werden und noch eine natürliche Position einnehmen können. Die Zähne müssen vom Mundschutz vollständig bedeckt sein, darüber hinaus auch ein Teil der Gingiva, wobei im Hinblick auf den Tragekomfort palatinal nicht weiter als zehn Millimeter über den Zahnfleischsaum extendiert werden sollte. Eine durchgehende Materialstärke von drei Millimetern solle nicht unterschritten werden, um einen sicheren Schutz zu bieten. Eine Materialstärke von mehr als vier Millimetern erhöhe den Schutz nicht immens, erklären die Autoren. Diese Werte gelten auch okklusal im Hinblick auf die Absorption von Kräften.

Es gibt grundsätzlich drei verschiedene Mundschutz-Typen: den konfektionierten, den individuell angepassten und den individuell angefertigten Mundschutz. Der konfektionierte Mundschutz ist sehr kostengünstig, biete aber einen nur geringen Schutz sowie wenig Komfort aufgrund der schlechten Passform und halte nur durch konstantes Zusammenbeißen. Dies berge langfristig das Risiko der Entwicklung von Schmerzen im Kiefergelenkbereich, weshalb die Autoren von diesem Typ abraten. Der individuell angepasste Mundschutz besteht aus thermoplastischem Material und biete einen kostengünstigen Schutz, obgleich die Anpassung bei Weitem nicht der eines individuell angefertigten Mundschutzes entspreche. Wenn die Anpassung fehlerhaft durchgeführt wird, könne dieser Typ ebenfalls die Gefahr von negativen Auswirkungen beim Tragen bergen. Weiterhin könne die Materialstärke bei der Anpassung in manchen Bereichen so reduziert werden, dass sie drei Millimeter unterschreite und nicht mehr sicher sei. 

Der Individuell gefertigte Mundschutz ist der Goldstandard

Ein individuell angefertigter Mundschutz stelle gegenüber den vorgenannten den Goldstandard dar und sei insbesondere bei impaktierten Eckzähnen sowie bei Patienten mit Implantaten indiziert, erklären die Forschenden. Neben einem optimalen Schutz sollen diese sogar die Leistungsfähigkeit der Sportler steigern, während andere Varianten diese eher herabsetzen. Die optimale Passform könne den Unterkiefer in seiner natürlichen Position fixieren und damit die Balance fördern. Auch festsitzende kieferorthopädische Apparaturen könnten bei einem individuell angefertigten Mundschutz berücksichtigt werden.

Die Anfertigung erfolgt auf der Basis eines digitalen oder physischen Abdrucks. Die Autoren empfehlen für den Mundschutz ein Material auf Ethylvinylacetat-Basis, da dessen Materialeigenschaften in puncto Flexibilität und Elastizität optimal seien. Eine sorgfältige Politur nach Herstellung der Schiene sei wichtig für eine langfristig gute Reinigungsfähigkeit. Alternativ werden in der Übersichtsarbeit dünnere EVA-Schienen mit zusätzlicher Gummibeschichtung auf den Okklusalflächen erwähnt, da diese eine optimierte Schockabsorption bieten könnten. Ein Magnet zur Befestigung könne bei der Herstellung auf Patientenwunsch integriert werden, ebenso wie elektronische Sensoren zur Messung von Kollisionen.

Erst die zahnärztliche Aufklärung überzeugt die Sportler

Die Forschenden führen eine Studie mit Handballspielern an, die belegt, dass erst das Aufklärungsgespräch beim Zahnarzt den entscheidenden Impuls für die Spieler gegeben habe, einen Mundschutz zu tragen. Lediglich die Spieler, die eine Empfehlung vom Zahnarzt erhielten, trugen einen Schutz, alle anderen taten dies nicht.

Originalpublikation: Sliwkanich L, Ouanounou A: Mouthguards in dentistry: Current recommendations for dentists. Dent Traumatol. 2021 Oct;37(5):661–671. doi: 10.1111/edt.12686. Epub 2021 May 21. PMID: 34019343.

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