Zwischenbilanz zur Telematikinfrastruktur

Jede dritte Praxis ist „voll TI-ready“

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Heftarchiv Praxis
Ausgabe 1/2022
Ausgabe 1/2022
Impfen in der Praxis
Die gematik hat erstmals den sogenannten TI-Atlas veröffentlicht, der nun jährlich den Fortschritt der Digitalisierung im Gesundheitswesen aufzeigen soll. Demzufolge sind 97 Prozent der Zahnarztpraxen schon an die Telematikinfrastruktur (TI) angebunden. Bei der Nutzung der Anwendungen gibt es allerdings noch viel Luft nach oben.

Die Digitalisierung bestimmt immer mehr den Praxisalltag. 2021 wurden die elektronische Patientenakte (ePA) und die Kommunikation im Medizinwesen (KIM) eingeführt, 2022 folgen die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU), das elektronische Rezept (E-Rezept) – auch wenn dessen Einführung jetzt verschoben wurde – und das für die Zahnarztpraxen besonders interessante elektronische Beantragungs- und Genehmigungsverfahren (EBZ). Zudem steht mit dem TI-Messenger ein neuer Standard für den sicheren Sofortnachrichtenaustausch von medizinischen Daten in den Startlöchern.

Basis für diese Anwendungen ist die TI, die die Akteure im Gesundheitswesen sicher miteinander vernetzt. Auf- und ausgebaut wird die TI von der gematik, die mit dem TI-Atlas jährlich den Fortschritt der Digitalisierung im Gesundheitsbereich aufzeigen will. Der Atlas fußt auf aktuellen Umfrageergebnissen unter Zahnärzten, Ärzten, Apothekern und Versicherten. Mit rund 1.000 eingereichten Fragebögen hatten sich die Zahnarztpraxen besonders intensiv daran beteiligt. 

Die Praxen sind bereit, die Patienten auch

Und auch bei der Anschlussquote tun sich die Zahnärzte hervor: 97 Prozent sind an die TI angebunden – so viel wie in keiner anderen Berufsgruppe. Jede dritte Zahnarztpraxis wird von der gematik als „voll TI-ready“ bewertet. Das bedeutet, dass diese Praxen nicht nur alle für die TI erforderlichen Komponenten und Dienste eingerichtet haben, sondern darüber hinaus mindestens eine TI-Anwendung, zum Beispiel die ePA, installiert haben.

Die Zahnarztpraxen sind damit gut vorbereitet. Denn die Umfrage zeigt auch, dass ihre Patienten bereit 
sind, die TI-Anwendungen stärker zu nutzen. So würden 81 Prozent der befragten Versicherten die ePA und 42 Prozent das E-Rezept grundsätzlich gerne in Anspruch nehmen. Barrieren sind derzeit noch fehlende Informationen sowie Datenschutzbedenken. Die Akteure im Gesundheitswesen äußern sich ähnlich, stehen den Anwendungen der TI aber überwiegend positiv gegenüber.

Die Bedenken bei den befragten Versicherten zeigen sich auch im Versorgungsalltag der Zahnarztpraxen, wo zum Beispiel der E-Medikationsplan (eMP) und der Notfalldatensatz (NFDM) bislang kaum genutzt werden. Zwar erklären die Versicherten eine hohe Nutzungsbereitschaft, die tatsächliche Nutzererfahrung in den Praxen ist aber noch sehr gering.

Die ePA ist die bekannteste Anwendung in medizinischen Einrichtungen. Seit dem 1. Juli 2021 müssen sie alle Arzt- und Zahnarztpraxen in ihrer Praxis unterstützen. Das Bonusheft wird ab diesem Januar in der ePA gespeichert und aktualisiert. Jede dritte Praxis hat das ePA-Modul bereits installiert (und ist somit „voll TI-Ready“), aber auch hier ist die tatsächliche Nutzung noch ausbaufähig, denn sie ist für gesetzlich Versicherte freiwillig. Und diese tun sich damit noch schwer: Lediglich 20 Prozent der Befragten haben angegeben, die ePA überhaupt zu kennen. Allerdings wollen 81 Prozent die ePA grundsätzlich nutzen. Das Potenzial ist also da, was sich dann auch in den Praxen niederschlagen wird. Zudem soll für die ePA anstelle des aktuellen, strikten „opt-in“ künftig das „opt-out“-Prinzip gelten, das heißt, die Versicherten müssen sich nicht mehr aktiv für eine ePA entscheiden.

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