Studie aus Jena und Berlin

Putzen mit Probiotika reduziert gefährliche Bakterien stärker als Desinfektion

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Heftarchiv Zahnmedizin
Ausgabe 11/2022
Neue Perspektiven für ZFA
Ein Team aus Jena und Berlin hat den Einfluss verschiedener Reinigungsregimes auf Menge, Vielfalt und Resistenzen von Bakterien in Klinikzimmern untersucht. Ergebnis: Bei der Anwendung eines probiotischen Reinigungsmittels nahm die Menge der üblichen Umgebungsmikroben im Vergleich zur Desinfektionsreinigung ab. Gleichzeitig wuchs die Artenvielfalt.

Im vergangenen Jahr beschrieb das Team, wie in den Stationszimmern eines Klinikneubaus die von den Patienten mitgebrachten Bakterien die Umweltkeime nach und nach verdrängten und sich nach fünf bis sieben Wochen auf Türklinken, im Waschbecken und auf dem Fußboden ein jeweils typisches Keimspektrum ausbildete. Unter den Bakterienarten befanden sich auch Krankheitserreger, pathogene Keime nahmen aber nicht zu. Doch die Forscher fanden heraus, dasss sich mit der Zeit die auf dem Boden gefundenen Resistenzgene häuften.

Anschließend analysierte das Team den Einfluss verschiedener Reinigungs- beziehungsweise Desinfektionsmethoden auf die Bakterienflora in den Klinikzimmern. „Bei der Anwendung von Desinfektionsmitteln auf Oberflächen wird zunehmend hinterfragt, ob die desinfizierende Wirkung zeitlich sehr begrenzt sein könnte, und ob sie gegebenenfalls sogar die Verbreitung von Resistenzen begünstigen könnte“, sagt PD Dr. Rasmus Leistner vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Charité. 

im Waschbecken war die größte Bakterienmasse

„Es gibt Untersuchungen, die eine erneute Besiedelung von Oberflächen bereits eine halbe Stunde nach der desinfizierenden Reinigung nachweisen.“ Deshalb analysierte das Forschungsteam, ob und wie sich die Bakterienbesiedlung von Türklinke, Fußboden und Waschbecken ändert, wenn das Reinigungsmittel gewechselt wird.

Nacheinander führte es für jeweils 13 Wochen die tägliche Flächenreinigung in neun Zimmern einer neurologischen Station der Charité mit einem üblichen Desinfektionsmittel, einem Haushaltsreiniger und einem probiotischen Reinigungsmittel durch, das mit verschiedenen Stäbchenbakterien angereichert ist. Nach einer sechswöchigen Umstellungszeit wurden wöchentlich Abstrichproben von Türklinke, Fußboden und Waschbecken genommen. Von den Patienten in den Zimmern wurden Nasen- und Rektalabstriche genommen. Mithilfe 
von Sequenzierungsverfahren und PCR-Analysen bestimmten die Forscher die Menge der Bakteriengemeinschaften und deren Artenzusammensetzung.

In Bestätigung der früheren Ergebnisse fand das Team im Waschbecken die größte Bakterienmasse, gefolgt von der Türklinke. Im Vergleich der Reinigungsarten zeigte sich die jeweils ortstypische Umgebungsbesiedlung bei der probiotischen Reinigung leicht verringert, beim Waschbecken war der Effekt sogar deutlich. Die Auswertung der Mikrobenvielfalt ergab auf der Ebene der Bakterienfamilien zunächst die bereits zuvor gefundenen typischen Verteilungen für die drei Messorte, weitgehend unabhängig von der Art der Reinigung.

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