Editorial

Sommer ohne Loch

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Heftarchiv Meinung
Ausgabe 15/2022
Ausgabe 15/2022
Regenerative Therapien

Eine ruhige Sommerzeit sieht anders aus. Während die Temperaturen in Deutschland und anderswo immer neue Höchststände erreichen, kommt es auch auf (gesundheits-)politischer Ebene kaum zu Abkühlungen. Möglicherweise hat Bundesgesundheitsminister Lauterbach auch gehofft, das vollmundig GKV-Finanzstabilisierungsgesetz genannte Stückwerk würde sang- und klanglos im Sommerloch verschwinden. Aber der Aufruhr nach dem Kabinettsbeschluss zu diesem Gießkannengesetz ging flächendeckend durch die Selbstverwaltung: Zahnärzteschaft, Ärzteschaft, Krankenkassen und noch einige mehr üben massive Kritik. Denn eins ist klar: Strukturelle Probleme löst dieses Gesetz nicht, dafür werden die Folgen für die gesundheitliche Versorgung drastisch sein. Insgesamt befinden wir uns in der Zeit der heißen Nadel. Die für den Herbst beschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie lassen einen auch nicht besser schlafen – von den gesamtwirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges ganz zu schweigen. Es fällt also wahrlich nicht leicht, sommerlich-leichten Optimismus zu versprühen.

Mitten ins Sommerloch fiel dann auch der nächste Akt im nicht gerade an Possen armen Telematikinfrastruktur-Theater. Die Computerzeitschrift c’t hatte sich den Konnektor näher angeschaut und kam zu der Auffassung, dass deren angekündigter Austausch nicht erforderlich sei, um ein neues Krypto-Zertifikat zu implementieren. Bekanntermaßen ist der Austausch von 130.000 Konnektoren in Praxen und Kliniken laut gematik wegen auslaufender Zertifikate notwendig. Es folgte ein Schlagabtausch zwischen gematik und c’t. Zur Beruhigung trug das folgende Kommunikationsverhalten der gematik bei ihren Gesellschaftern und bei den betroffenen (Zahn-)ärztinnen und (Zahn-)ärzten dabei allerdings nicht gerade bei. Was sowohl die KBV, als auch die KZBV zu ziemlich deutlich formulierten Stellungnahmen in Richtung gematik führte. Aktueller Stand: Die gematik bleibt dabei, der Konnektorentausch sei erforderlich. Am 1. September steht die nächste gematik-Gesellschafterversammlung an. Man darf gespannt sein ...

Eine Menge Drama für ein vermeintliches Sommerloch. Ganz ohne Drama geht es im ersten Teil unserer großen Fortbildung zu. Wir beschäftigen uns in dieser und den nächsten beiden Ausgaben intensiv mit dem Themenkomplex Regenerative Therapien. In insgesamt sieben Artikeln gehen wir der Frage nach, wo die regenerative Zahnmedizin derzeit steht. Trotz vieler Fortschritte bei der Regeneration von Knochen, Nerven und Geweben gibt es nach wie vor Grenzen. Wir erläutern, welche Methoden in welchen Fällen erfolgreich anwendbar sind. Dabei werfen wir natürlich auch einen Blick auf mögliche zukünftige Entwicklungen. Wir hoffen, Ihnen damit einen umfassenden Überblick über dieses spannende Thema geben zu können.

Außerdem beschäftigen wir uns im zweiten Teil unseres Praxisratgebers zum Thema Schnittstellenkommunikation damit, wie mit Problemen umzugehen ist, die entstehen können, wenn es Führungsduos in der Praxis gibt. Dabei geht es um die Frage, wer eigentlich den Hut auf hat. Wir zeigen Lösungsstrategien, mit denen Machtvakuen vermieden werden können.

Dann beleuchten zwei Experten das immerwährende Problemfeld zwischen Patient und Kunde. Ist eine Behandlung medizinisch indiziert oder ist sie rein ästhetisch? Wie sieht es mit der Medizinethik aus? Was ist vertretbar? Dieses Dilemma, das nicht leicht aufzulösen ist, wird intensiv erörtert.

Darüber hinaus erinnern wir an einen rasenden Zahnarzt, der kürzlich im Alter von 90 Jahren verstorben ist. Der Brite Tony Brooks tauschte in den 50er-Jahren den Zahnarztstuhl gegen das Cockpit eines Formel-1-Boliden und war damit einige Jahre äußert erfolgreich. Fast wäre er Weltmeister geworden. Außerdem gewann er 1959 das einzige Formel-1-Rennen auf der Berliner AVUS. Mit nur 29 Jahren kehrte Brooks dem Rennsport den Rücken. Wir zeigen diese schillernde Persönlichkeit, die etwas in Vergessenheit geraten ist.

Ein Sommer darf auch unterhaltsam sein. Viel Spaß bei der Lektüre.

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