Interview mit HDZ-Vorsteher Dr. Klaus-Achim Sürmann

„Viele von uns haben Immobilien, in denen Geflüchtete zeitweise wohnen könnten“

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Heftarchiv Gesellschaft
Ausgabe 7/2022
Ausgabe 7/2022
Therapie eines ankylosierten Frontzahns
Gleich nach Beginn des Krieges in der Ukraine hat die Stiftung Hilfswerk Deutscher Zahnärzte (HDZ) zusammen mit den zahnärztlichen Körperschaften auf Bundes- und Länderebene einen Spendenaufruf gestartet. Der Rücklauf ist überwältigend, erste Hilfsaktionen konnten schon auf den Weg gebracht werden, wie der HDZ-Vorsitzende Dr. Klaus-Achim Sürmann im Interview berichtet.

Herr Dr. Sürmann, wie haben die Zahnärztinnen und Zahnärzte auf den Spendenaufruf des HDZ reagiert?Dr. Klaus-Achim Sürmann:

Die Zahnärzteschaft zeigt sich sehr solidarisch. Wie nach der Flutkatastrophe in Deutschland im vergangenen Sommer ist der Spendenzufluss enorm. Es sind bereits 375.000 Euro zusammengekommen. Damit können wir sehr vielen Menschen helfen.

Haben Sie schon etwas davon weitergegeben?

Ja, natürlich. Das HDZ hat bereits länger eine Verbindung in die Ukraine. In Kooperation mit den Salesianern Don Boscos unterstützen wir seit einigen Jahren ein Kinderheim in Lwiw/Lemberg. Nach dem Kriegsausbruch wurden die Kinder in die Slowakei evakuiert, im Kinderheim sind nun Geflüchtete untergebracht. Wir haben den Salesianern 50.000 Euro zur Verfügung gestellt, damit sie diese Menschen versorgen können. Von dem Geld kaufen sie außerdem Nahrungspakete und Medikamente, die sie bei Hausbesuchen verteilen, und unterstützen Einrichtungen, Familien und Alleinlebende unterwegs.

Stehen Sie in Kontakt mit ukrainischen Zahnärztinnen und Zahnärzten?

Die „Ukrainian Dental Association“, das Pendant zur Bundeszahnärztekammer, hat sich über einen Kollegen aus Dresden an uns gewandt und uns eine Liste zukommen lassen mit Dingen, die nötig gebraucht werden. Auf dieser Liste standen ausschließlich Notfallmedikamente wie zum Beispiel blutstillende Arzneien. Das lässt natürlich schockierende Rückschlüsse darauf zu, wie kritisch die Situation vor Ort ist.

Wie kommen Sie an diese Medikamente ran?

Man braucht die richtigen Partner, da man diese speziellen Medikamente nicht einfach wie im Supermarkt kaufen kann. Wir haben uns mit dem Hilfswerk „Action Medeor“ zusammengetan. Das ist eine Art gemeinnützige Weltapotheke. Über Action Medeor haben wir Arzneien im Wert von 40.000 Euro erworben, die sich bald zu einem Verteilungspunkt nahe Lemberg auf den Weg machen. Für eine ähnliche Lieferung stehen wir über meinen Vorstandskollegen Dr. Klaus Winter mit „Apotheker ohne Grenzen“ in Kontakt.

Das HDZ hat auch aus eigenen Beständen gespendet, oder?

Das ist richtig. Wir haben einen Transport von Hilfsgütern, der hier aus Göttingen nach Polen an die ukrainische Grenze gestartet ist, spontan mit knapp 400 Zahnbürsten und 50 Tuben Zahnpasta unterstützt. Aber auch andere Organisationen haben Zahnhygieneartikel zur Verfügung gestellt: Der „Verein für Zahnhygiene“ (VfZ) hat weit über 1.000 Zahnbürsten, Zahnputzbecher und Zahnpasten gespendet und an uns gesendet. Weitere Lieferungen werden folgen, hat der VfZ angekündigt. Was bisher angekommen ist, lassen wir nun über einen zuverlässigen Transportkontakt mit dem St. Lazarus Orden und einer ukrainischen Spedition zunächst nach Berlin und dann in die Ukraine bringen.

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