Sächsischer Fortbildungstag 2022

Gott gebe, dass es klebe

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Heftarchiv Politik
Ausgabe 21/2022
Ausgabe 21/2022
Was tun bei Kiefergelenkluxation?
Mehr als 600 Teilnehmer waren am 7. und 8. Oktober ins Tagungszentrum der Stadthalle in Chemnitz gekommen, um sich fortzubilden und Neues rund um die Adhäsivtechnik zu erfahren. Der Sächsische Fortbildungstag fand als reine Präsenzveranstaltung statt. Neben 
der fachlichen Fortbildung waren die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen ein viel diskutiertes Thema.

Gott gebe, dass es klebe?“ hieß die Überschrift für den diesjährigen Sächsischen Fortbildungstag. Braucht die Adhäsivtechnik noch die Zuwendung des Transzendenten? So richtig positionieren mochte sich niemand zu dieser Frage, aber es war zweifellos das Verdienst der Veranstalter, einmal mit einem Augenzwinkern auf den Anteil des nicht sicher Prognostizierbaren in der Therapie zu verweisen.

Die Inflation bedroht die Praxen

Über dem Fachlichen schwebte jedoch die Sorge über die Krisen der Gegenwart. In seiner Begrüßungsrede machte Dr. Thomas Breyer, Präsident der Landeszahnärztekammer Sachsen, auf die Konsequenzen aufmerksam, die die wirtschaftliche Entwicklung auf die Zahnarztpraxen haben werde: „Wir leben in einer Zeit, die geprägt ist von einer Inflation in bisher 
nicht gekanntem Ausmaß und einem wirtschaftlichen Abschwung, der – darüber müssen wir uns im Klaren sein – früher oder später in unseren Praxen ankommen wird.“


Die inflationäre Entwicklung erfordere auch eine Anpassung der GOZ: „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben faire Löhne verdient, aber im Gegensatz zu Industrie und Handel können wir Preissteigerungen nicht einfach an unsere Patienten weitergeben.“ Die Praxen steckten in einer Zwickmühle: Wenn die Löhne nur im Gleichschritt zur Inflation steigen sollen und gleichzeitig diese Kosten nicht an die Kostenträger und Patienten weitergegeben werden können, entstehen existenzbedrohende Risiken für die Praxen, sagte Breyer am Rande des Fortbildungstages im Gespräch mit der zm. Hinzu kämen die Belastungen aus den gestiegenen Kosten für Energie und dentale Produkte. „Hier muss die Bundesregierung endlich ein Konzept erkennen lassen, wie man den Problemen beikommen will“, forderte Breyer.

Prof. Dr. Christoph Benz, Präsident der Bundeszahnärztekammer, war persönlich nach Chemnitz gekommen, um zu den Teilnehmern zu sprechen. Angesichts der absehbaren Herausforderungen durch die wirtschaftlichen Entwicklungen stünden die Erfolge der Prävention auf dem Spiel: Die Professionelle Zahnreinigung sei der wichtigste Grund dafür, „dass wir 
es in Deutschland mit an die Weltspitze der Mundgesundheit gebracht haben“. Um diesen Erfolg zu halten, appellierte Benz an die Teilnehmer: „Remotiviert die Patienten gerade in Bezug auf die PZR!“

Papierbecher sind keine Lösung

Benz machte auch auf die neue Broschüre der Bundeszahnärztekammer zur Nachhaltigkeit in Zahnarztpraxen aufmerksam. Dort hat die BZÄK zusammengetragen, was es an wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit in Zahnarztpraxen gibt. Entgegen der landläufigen Vorstellung seien Holzzahnbürste und Papierbecher nicht die umweltfreundlichste Lösung. Benz betonte vielmehr die nachhaltige Wirkung der Prävention in der Zahnmedizin: „Nachhaltige Zahnmedizin ist es, die die Patienten weniger oft in die Praxis kommen lässt.“

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