MKG-Chirurgie

Wo bleibt der Zahn? Dentinom blockiert den Zahndurchbruch

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Heftarchiv Zahnmedizin
Ausgabe 5/2022
Ausgabe 5/2022
Wie gut reinigt die Schallzahnbürste?
Das ameloblastische Fibrodentinom (AFD) gehört zu den seltensten odontogenen Tumoren. Es wird meist in den ersten zwei Lebensdekaden als Zufallsbefund diagnostiziert, kann aber auch im Alter auftreten. Ein neunjähriger Patient zeigte einen entsprechenden Befund im Bereich des rechten Kieferwinkels, der zur weiteren Abklärung an unsere Klinik überwiesen wurde.

Zur Vorstellung brachte der Patient eine von seinem Hauszahnarzt angefertigte Panoramaschichtaufnahme mit, auf der sich der Zahn 47 retiniert und nach kaudal verlagert zeigte (Abbildung 1). Des Weiteren befand sich im Bereich des rechten Kieferwinkels eine ausgedehnte rundliche Verdichtung mit transluzentem Randbereich. Diese Raumforderung stand in direktem Kontakt zur Krone des retinierten und verlagerten Zahnes 47. Der Canalis mandibularis stellte sich nicht dar.

Anamnestisch berichtete der Junge von keinerlei Einschränkungen, Schmerzen oder sonstigen Auffälligkeiten. Im Rahmen der klinischen Untersuchung zeigten sich zudem keine Auffälligkeiten im Bereich des N. alveolaris inferior / N. mentalis rechts. Intraoral war die Schleimhaut im Bereich des Kieferwinkels intakt, ohne Anhalt für eine entzündliche Veränderung. Palpatorisch stellte sich eine dezente, schmerzlose knöcherne Auftreibung vestibulär dar. Zur weiteren Diagnostik und OP-Planung wurde eine digitale Volumentomografie angefertigt.

Bei Verdacht auf einen odontogenen Tumor planten wir eine stationäre Aufnahme zur Enukleation des Befunds in toto sowie eine Osteotomie des retinierten und verlagerten Zahnes 47 in Allgemeinanästhesie.

Unter der Vollnarkose erfolgte zunächst eine gründliche intraorale Inspektion, wobei sich im Bereich des Kieferwinkels rechts die knöcherne Ausbuchtung nach vestibulär deutlich darstellte (Abbildung 2). Es folgten eine Infiltrationsanästhesie im Bereich des rechten Kieferwinkels und anschließend eine marginale Inzision regio 85–46 mit Fortführung nach distal-vestibulär sowie anteriorer Entlastung. Nach Bildung eines Mukoperiostlappens wurde die Raumforderung in regio 47 mittels Osteotomie unter Schutz des N. lingualis dargestellt.

Hier zeigte sich zunächst eine bindegewebige Hülle (Abbildung 3), von der zusammen mit dem darunter liegenden Gewebe eine Probe zur intraoperativen histopathologischen Schnellschnittdiagnostik eingesendet wurde. Nach Entfernung der bindegewebigen Hülle im Bereich der Osteotomie folgte die Darstellung der sich darunter befindlichen festen Raumforderung. Diese konnte in toto enukleiert werden (Abbildungen 4 und 5). Darunter zeigte sich der retinierte und verlagerte Zahn 47. Dieser konnte im Anschluss problemlos mittels Hebel nach Bein gelöst und geborgen werden (Abbildung 6).

Mittlerweile hatte die Schnellschnittdiagnostik den Befund eines Odontoms ergeben. Daraufhin folgte die behutsame Kürettage im Bereich der ossären Kavität (Abbildung 7) unter Schonung des dargestellten N. alveolaris inferior. Im Anschluss wurde der Kieferwinkel manuell und visuell auf eine mögliche Fraktur überprüft. Bei noch gutem Knochenangebot konnte eine Fraktur ausgeschlossen werden. Die knöchern begrenzte Höhle wurde mit Kollagenflies augmentiert, dann folgte der plastische Wundverschluss mit einer resorbierbaren Naht. Die postoperative Panoramaschichtaufnahme zeigte eine vollständige Entfernung der Raumforderung sowie des Zahnes 47. Es gab keinen Anhalt für eine Fraktur (Abbildung 8).

In der histopathologischen Schnellschnittuntersuchung zeigte sich in dem circa 3 cm x 2,5 cm messenden, größtenteils festen Resektat deutlich zellreiches, spindelzellig imponierendes mesenchymales Gewebe. Innerhalb dieses Präparats stellten sich einzelne dentogene Zielgruppen mit abgrenzender Palisadenstellung dar. Die weiterführende Untersuchung des gesamten Präparats im Rahmen der definitiven histologischen Befundung ergab zudem einen Hamartom-ähnlichen odontogenen Tumor, was schlussendlich zur Diagnose eines ameloblastischen Fibrodentinoms führte (Abbildungen 9 bis 11).

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