Projekt zur partizipativen Entscheidungsfindung

Share to Care – wie man Patienten einbindet

137094-flexible-1900
Heftarchiv Politik
Ausgabe 17/2022
Ausgabe 17/2022
Zahnärzte im deutschen Film
Welche Ärztin, welcher Arzt will die Patienten nicht so informieren, dass jene die medizinischen Zusammenhänge verstehen und die Entscheidungen mittragen? Ein webbasiertes Projekt am Uniklinikum in Kiel zeigt, wie eine gelungene Arzt-Patienten-Kommunikation aussehen kann: „Share to Care“ bindet Mediziner, Patienten und Pflegende ein. Entscheidungshilfen gibt es für 80 Krankheitsbilder. Kann es auch deutschlandweit die Versorgung verbessern?

Wie kann man das Shared Decision Making (SDM), also die partizipative Entscheidungsfindung zwischen Arzt und Patient, in einem gesamten Klinikkomplex systematisch einführen? Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel erhielt 2017 im Rahmen des Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) den Zuschlag für das Projekt „Making SDM a Reality“. Dazu entwickelten die Initiatoren – ein Team aus Ärzten, Diplom-Psychologen und wissenschaftlichen Mitarbeitern – das Programm „Share to Care“: Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte sowie Patientinnen und Patienten sollten jeweils mit einem eigenen Interventionsmodul am Entscheidungsprozess beteiligt werden. Außerdem sollten verständliche Patienteninformationen verfügbar sein, die bei den medizinischen Entscheidungen helfen. 

1. Ärztetrainings

Alle Ärztinnen und Ärzte durchlaufen ein für das Programm entwickeltes, von der Ärztekammer Schleswig-Holstein akkreditiertes Kommunikationstraining – mit CME-Punkten. Dieses besteht aus einem Online-Training, in dem ihnen anhand von Lehrbeispielen ein Grundlagenwissen zu SDM vermittelt wird. Danach nehmen sie ein reales Entscheidungsgespräch auf Video auf. Auf dieser Basis erhalten sie ein individuelles Feedback mit konkreten Verbesserungsvorschlägen. Zur Festigung der Kenntnisse wird im Verlauf erneut ein Entscheidungsgespräch auf Video aufgenommen und ausgewertet. Die Trainings werden von speziell ausgebildeten Trainern durchgeführt. 

2. Entscheidungshilfen

Für die häufigsten Erkrankungen jedes Fachgebiets wurden bisher 80 Entscheidungshilfen entwickelt und in den klinischen Abläufen verankert – einige betreffen auch den Bereich Zahnmedizin (siehe Kasten rechts). Dafür werten internationale Experten in Abstimmung mit den lokalen Klinikern die weltweit verfügbare Evidenz aus. Ein Medical-Writing-Team erstellt daraus patientenverständliche Texte. Die Texte werden ergänzt mit Videoclips, in denen Ärzte die verschiedenen Optionen vorstellen und betroffene Patienten über ihre Erfahrungen mit ihrer Erkrankung und während ihrer Therapie berichten. Die Texte und Videos stehen Patienten und ihren Angehörigen online zur Verfügung. Der Zugang erfolgt passwortgeschützt mit Zugangsdaten.

3. Ausbildung der Pflegekräfte 

Die Pflegekräfte können eine Schulung zum Decision Coach oder auch zur Entscheidungsbegleitung absolvieren. Als Decision Coach unterstützen sie die Patienten anhand einer Entscheidungshilfe bei einer spezifischen Fragestellung, die medizinischen Sachverhalte zu verstehen sowie die eigenen Vorlieben und Prioritäten klar benennen zu können. Als Entscheidungsbegleitung helfen sie den Patienten anhand einer allgemeinen (generischen) Entscheidungshilfe, das eigene Vorwissen zu strukturieren, Fragen zu unklaren medizinischen Sachverhalten zu formulieren sowie ebenfalls die eigenen Vorlieben und Prioritäten klar benennen zu können.

geschulte Ärzte und Patienten wissen mehr

Das gesamte Projekt wurde wissenschaftlich durch die Technische Universität München begleitet. Die unabhängige Evaluation des Projekts konnte belegen, dass Ärzte besser kommunizierten und Patienten gesundheitskompetenter wurden und sich mehr beteiligten.


Projektleiter Prof. Dr. Dipl.-Psych. Friedemann Geiger vom Nationalen Kompetenzzentrum Shared Decision Making am Kieler Klinikum war bei der Vorstellung des Projekts vor der Presse zuversichtlich, dass mit Share to Care eine Perspektive für die deutsche Gesundheitsversorgung aufgezeigt werden konnte. Jetzt gehe es darum, „das Konzept in die bundesweite Regelversorgung“ zu bringen.

Mehr zum Share-to-Care-Konzept:https://www.uksh.de/sdm/Was+ist+SHARE+TO+CARE_-p-90.html - external-link-new-window.


Mehr zu den 80 Entscheidungshilfen:https://www.uksh.de/uksh_media/Dateien_Verwaltung/SDM_Shared+Decision+Making/Presse/PI+29_6_2022/Entscheidungshilfen_Report-p-593681.pdf - external-link-new-window


https://www.uksh.de/uksh_media/Dateien_Verwaltung/SDM_Shared+Decision+Making/Presse/PI+29_6_2022/Entscheidungshilfen_Report-p-593681.pdf - external-link-new-window

Melden Sie sich hier zum zm-Newsletter des Magazins an

Die aktuellen Nachrichten direkt in Ihren Posteingang

zm Heft-Newsletter

Sie interessieren sich für einen unserer anderen Newsletter?
Hier geht zu den Anmeldungen zm Online-Newsletter und zm starter-Newsletter.