Ungeahnte Therapiemöglichkeiten

Scannen bald State of the art?

Einen Intraoralscanner als simplen Ersatz für die Abformung anzusehen – das war einmal. Was ist Zukunftsmusik, was funktioniert bereits heute? Das diskutierten PD Dr. Jan-Frederik Güth, ZT Josef Schweiger, Dr. Andreas Adamzik, Dr. Joachim Wever und Rune Fisker von 3Shape im Expertenzirkel „Scannen bald State of the Art?“ des DENTAL MAGAZINS.

Schweiger/Güth/Plitzko

Ihr höchstes Potenzial spielen Scanner derzeit in der Implantatprothetik aus. In diesem Punkt herrschte weitgehende Übereinstimmung. Bei Einzelimplantaten sei das Scannen heute kaum zu toppen, eine echte „Killerapplikation“, sagte PD Dr. Jan-Frederik Güth, München. Scanbody aufschrauben, einscannen, das war’s. „Noch einfacher geht das mit dem Münchner Implantatkonzept“, fügte er an. Und das funktioniere nicht nur bei einem, sondern bei bis zu drei Implantaten nebeneinander, unterstrich er. Vorausgesetzt, die Scanbodys sind in der Bibliothek hinterlegt und für das System freigeschaltet, gelinge das Scannen von Scanbodys heute zudem schneller als das Scannen präparierter Zähne, ergänzte Dr. Andreas Adamzik, Dorsten/Gelsenkirchen. Doch nicht nur das Scannen allein optimiert den Workflow, zusätzliche Softwaretools sorgen für eine vorhersagbare Implantatplanung. So lassen sich STL- und DICOM-Datensätze matchen. Diese Datenbasis dient einer umfassenden Diagnose und Behandlungsplanung. Die Sicherheit wächst, die Implantatposition wird optimiert – also das perfekte Backwardplanning, urteilte die Runde. 

Enorme Compliance

Während Güth und ZT Josef Schweiger bei bestimmten Indikationen, insbesondere bei der Funktionsabformung, nach wie vor die konventionelle Abformung vorziehen, haben sich Adamzik und Dr. Joachim Wever, Langenfeld, bereits komplett von Alginat und Co. verabschiedet. Ausschlaggebend dafür war bei beiden neben der immer besseren Technik vor allem die Scanbegeisterung bei den Patienten. Der optische Abdruck unterstütze perfekt das Aufklärungsgespräch, unterstrich Wever. „An der am Bildschirm dargestellten Gebisssituation erkennen Patienten den Behandlungsbedarf einfach viel besser“, sagte er. Adamzik setzt in seinen Praxen inzwischen standardmäßig Tablets als zusätzlich Patientenmonitore ein. So können die Patienten das Scanprozedere Step by Step mitverfolgen. Beide bezeichneten die digitale Abformung als Marketinginstrument. Patienten suchten gezielt aus diesem Grund ihre Praxen auf. Auch an der Uniklinik München fragen Patienten aktiv nach der optischen Abformung, „da uns der Ruf einer digitalen Klinik vorauseilt“, erklärte Güth. Er lobte ebenfalls die Vorteile bei der Patientenaufklärung. Implantatpatienten könnten nun viel besser nachvollziehen, warum etwa Augmentationen nötig seien und wo es kompliziert werden könnte. Bewährt habe sich zudem, die Scans für Verlaufskontrollen einzusetzen, ergänzte er. Gemeinsam mit Prof. Dr. Daniel Edelhoff und Dr. Kurt-Jürgen Erdelt hat er ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Abrasionen oder Materialverschleiß in vivo messen lassen, und dafür den Wissenschaftspreis der AG Keramik erhalten. Güth: „Es ging um die Frage, wie viel Substanz einer Restauration im Mund über die Tragedauer verloren geht. Darüber gibt es noch kaum Daten.“ Umfassendere Verlaufskontrollen hätten „das Zeug, mehr Evidenz in die Zahnmedizin zu bringen“, war sich die Runde einig. Adamzik geht diesen Weg bereits und optimiert mit obligatorischen Ganzkieferscans beim Patientenerstkontakt die Therapie- und Präventionsmöglichkeiten. In jeder Recallsitzung wird gecheckt, was sich verändert hat. Noch muss er die Scandaten dafür von einem externen Labor analysieren lassen, mit dem er zusammenarbeitet.

Das könnte sich für TRIOS-Anwender bald ändern: 3Shape entwickelt die dafür nötigen Softwaretools, Methoden und Verfahren, Anfang 2018 soll das entsprechende Update kommen. Dreh- und Angelpunkt sei der sogenannte „Dental Desktop“, eine neue vereinheitlichte Plattform zum Ausführen aller erhältlichen Apps in einer integrierten Umgebung. „Damit geben wir dann die App zum digitalen Patientenmonitoring frei, die es Zahnärzten ermöglicht, Veränderungen im Zeitverlauf durch das Vergleichen intraoraler Scans präzise zu messen“, kündigte Fisker an. Zudem biete 3Shape eine neue App an, die patientenspezifischen Bewegungen folgt. Damit lasse sich die dynamische Artikulation am Bildschirm anzeigen und erfassen. Den Prototyp – allerdings nur im Rahmen eines Vortrags – hat Schweiger bereits gesehen. Ein spannendes Projekt, urteilte er. Denn er und auch Güth vermissen derzeit „vor allem, dass Intraoralscanner keine schädelbezügliche Position in den analogen Artikulator überführen können“. Schweiger: „Diese Schnittstelle wünschen wir uns, um Ungenauigkeiten und einen Rückschritt in der Funktion ausschließen zu können.“ Dass „3Shape und auch andere Hersteller“ das Problem angehen, begrüßten beide sehr.

Zahnstrukturdaten

Möglicherweise werden Intraoralscans künftig sogar nicht mehr nur die Oberfläche des Zahns erfassen, sondern die komplette Zahnstruktur. Die Idee sei, mit den Intraoralscansystemen Zähne mehrschichtig aufzunehmen und Zahnstrukturdaten zu erstellen, erklärte Schweiger. Anhand dieser Daten ließe sich dann patientenindividueller Zahnersatz fertigen. Der Patient bekäme sozusagen seine alten Zähne. Da dies analog definitiv nicht funktioniere, wäre es die zweite „Killerapplikation“.

All diese Visionen und tatsächlichen Entwicklungen setzten natürlich offene Systeme voraus, konstatierte die Runde. Nur dann ließen sich alle therapeutischen Möglichkeiten nutzen. Vordefinierte Schnittstellen für Standardindikationen wollten die Experten dabei aber nicht missen. Denn diese Schnittstellen selbst zu definieren, könne so manchen Behandler abschrecken, meinten sie. Diese Hürde dürfte das Programm „Trusted Connections“ von 3Shape lösen. „Es bedeutet, dass wir eng mit anderen Technologieherstellern kooperieren, um die nahtlose Integration in ihre Produkte sicherzustellen“, angefangen bei kostengünstigen kompakten Fräslösungen über 3D-Drucker bis hin zu neuen Materialien und Implantatprodukten“, sagte Fisker.

Das PDF des kompletten Expertenzirkels aus dem DENTAL MAGAZIN können Sie hier herunterladen.

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