Dampsoft: Umsicht beim Online-Rollout der Telematik

Nicht verfrüht umstellen

von Paul Sobottka, Damp
Praxismanagement
Im Sommer 2017 hat die Gematik grünes Licht für den Start des Online-Rollouts der elektronischen Gesundheitskarte gegeben. Dennoch sollten Praxisbetreiber nicht in blinden Aktionismus verfallen. Nicht nur offene Fragen zu den notwendigen Geräten sprechen für Besonnenheit – die Fristverlängerung für die Umsetzung nimmt ebenfalls Druck von den Entscheidungsträgern und verschafft den Praxen Zeit, sich vor der Anschaffung der neuen Hardware umfassend zu informieren.

Im Verlauf der Vorbereitung des Online-Rollouts sorgte insbesondere die angekündigte Sanktion von 1 Prozent Honorarabschlag dafür, dass Praxisbetreiber sich unter Zugzwang sahen. Nach Gesprächen der KZBV mit dem Bundesgesundheitsministerium ist eine Verlängerung der Frist bis zum 31. Dezember 2018 bereits sicher. Bis dahin sollen 44.000 Zahnarztpraxen, 120.000 Arztpraxen, 2.000 Krankenhäuser und 24.000 Heilberufler an die Telematikinfrastruktur angeschlossen werden.

950 Installationen je Werktag

Das würde bei der voraussichtlichen Verfügbarkeit aller Komponenten ab Anfang 2018 ca. 950 Installationen

pro Werktag bedeuten. Experten halten die Schätzung für zu optimistisch. „Aus unserer Sicht ist dieser Zeitplan unter aktuellen Rahmenbedingungen nicht einzuhalten und sollte um ein weiteres Jahr verlängert werden“, so Dietmar Hermann, Zahnarzt und Produktmanager beim Praxissoftwareanbieter Dampsoft. Deshalb haben sich die KZBV und KBV in einem gemeinsamen Brief bereits an das Bundesministerium für Gesundheit gewandt, um den Stichtag mindestens bis zum 1. Juli 2019 zu verschieben.

Ziel der Neuerung ist die Vernetzung aller Akteure im Gesundheitswesen. Für die Zahnärzte entstehen durch die Anbindung an die Telematikinfrastruktur (TI) konkrete Vorteile, denn beim Einlesen der Gesundheitskarte findet online ein Abgleich der Versichertenstammdaten mit der Krankenkasse statt. Das heißt, die Praxis erhält sofort eine Rückmeldung, ob der Patient über eine gültige Krankenversicherung verfügt. Geänderte Stammdaten wie Wohnort oder Namensänderungen werden dabei ebenfalls in Echtzeit auf der Karte aktualisiert.

Zulassungsphase läuft

Die erforderlichen Konnektoren und Kartenterminals befinden sich momentan in der Zulassungsphase. Erste zertifizierte Geräte stehen frühestens ab dem Herbst 2017 zur Verfügung. „Unsere Empfehlung lautet deshalb, Ruhe zu bewahren und die Entwicklung am Gesundheitsmarkt zu beobachten“, rät Hermann. Eines hebt er in diesem Zusammenhang besonders hervor: „Niedergelassene Zahnärzte sollten sich nicht von der Industrie unter Druck setzen lassen. Das gilt insbesondere für Early-Bird- oder Best-Price-Angebote“, fügt er hinzu. Es sei schon deshalb sinnvoll zu warten, weil bei Geräten, die nachträglich an die gesetzlichen Vorgaben angepasst werden müssen, meist unklar ist, ob die Kosten von der jeweiligen Finanzierungsvereinbarung gedeckt sind.

Mehr Anbieter, mehr Wahlfreiheit

Auch bezüglich der Zugangsdienste sei noch kein echter Wettbewerb vorhanden. „Wir raten Praxisbetreibern zum aktuellen Zeitpunkt, nicht vorschnell langfristige Vertragsbindungen einzugehen, sondern abzuwarten, bis mehr Anbieter am Markt sind und echte Wahlfreiheit besteht“, betont Hermann.

Neben der Hardware benötigen die Zahnärzte für die Anmeldung in der Telematikinfrastruktur eine Institutionskarte (SMC-B) und einen Heilberufsausweis (HBA), die jeweils von den KZVen und der Zahnärztekammer ausgegeben werden. Zwischen Bestellung und Auslieferung können jedoch bis zu vier Wochen vergehen – eine Zeitspanne, die Zahnärzte einplanen sollten. Last, but not least muss die Praxisverwaltungssoftware alle Voraussetzungen erfüllen, die für die TI-Anbindung erforderlich sind. „Dampsoft hat am 5. September 2017 von der Gematik die Zertifizierung des Praxisverwaltungssystems DS-Win erhalten. Das heißt, die Software ist konform zur Konnektorenschnittstelle und wird mit allen zugelassenen Komponenten und Zugangsdiensten funktionieren“, so Hermann.

Fazit: Mit einer von der Gematik zertifizierten Software sind Praxisbetreiber und ihre Teams optimal auf die Einführung der TI vorbereitet. Es empfiehlt sich jedoch, die Anschaffung der Hardware zurückzustellen, bis ein echter Wettbewerb zwischen den Anbietern besteht.

Fakten

Kostendeckung durch Pauschalen

Für die Kosten der Anbindung an die TI kommen die Krankenkassen auf. Jede Praxis erhält Pauschalen für ein Standard-Erstausstattungspaket und ein Standard-Betriebspaket. Hier die wichtigsten Zahlen im Überblick:

  • Konnektoren (Q3 2017 = 2620 Euro, Q4 2017 = 2358 Euro, Q1 2018 = 2122 Euro, Q2 2018 = 1910 Euro, ab Q3 2018 = 720 Euro)

  • Kartenleseterminal 435 Euro (auch mobil)

  • VPN-Zugangsdienst vom Q3 2017 bis einschließlich Q2 2018 = 100 Euro (monatlich); ab Q3 2018 = 83 Euro (monatlich)

  • SMC-B-Karten 8 Euro monatlich für fünf Jahre

  • HBA 3,88 Euro monatlich für fünf Jahre

  • Installation 900 Euro

Entscheidend für die Bezuschussung der Kosten der Anbindung ist der Zeitpunkt der ersten Nutzung, nicht etwa der Bestelltermin.

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