Präventionspreis 2022

Wie können Parodontitispatienten motiviert werden?

von nb
Nachrichten
Dr. Gerhard Schmalz und Prof. Dirk Ziebolz von der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie des Universitätsklinikums Leipzig nutzen eine Methode aus der Psychosomatik, um ihre PatientInnen zu motivieren – dafür wurden sie jetzt mit dem diesjährigen Präventionspreis ausgezeichnet.

Mit ihrer Bewerbung „Aus Aufklärung wird Coaching – Einsatz einer visuellen Metapher zur Selbstreflexion, Motivation und Kommunikation in der Parodontalbehandlung” überzeugten die beiden Wissenschaftler die Jury. Schmalz und Ziebolz erläutern darin die Idee, die visuelle Metapher PRISM (Pictorial Representation of Illness and Self-Measure) zur Kommunikation zwischen Ärzten und Parodontitispatienten sowie zur Aufklärung und Motivation Letzterer einzusetzen. Die PRISM-Methode stammt aus dem Bereich der Psychosomatik und wurde von Prof. Stefan Büchi und Prof. Tom Sensky mit dem primären Ziel entwickelt, Leiden zu quantifizieren und zu visualisieren.

Laut Schmalz und Ziebolz versetze PRISM sowohl Behandler als auch Patienten in eine Beobachterrolle. Dies stärke wiederum deren Beziehung. So ließen sich gemeinsame Ziele definieren und es werde ein positives Betreuungsverhältnis gefördert. In der Parodontalbehandlung könne PRISM an verschiedenen Stellen der Behandlungsstrecke eingesetzt werden. Schmalz und Ziebolz haben bereits verschiedene Studien zu PRISM initiiert. So wurde PRISM zur Mundgesundheitsaufklärung bei Patienten vor Implantation eines künstlichen Gelenkes (Endoprothese) eingesetzt. Die

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35566631/ - external-link-new-window

ergab, dass die Wahrnehmung der Bedeutung der Mundgesundheit durch ein PRISM-basiertes Gespräch signifikant gestärkt werden konnte [1].

Zudem befinden sich weitere Studien in der Phase der Datenerhebung. Zum Beispiel wird PRISM in einem Kooperationsprojekt mit der Klinik für Psychiatrie des Universitätsklinikums Leipzig eingesetzt, um die parodontale Situation und Mundhygiene bei Patienten mit affektiven Störungen zu verbessern.

Zwei Gewinnerprojekte für das Jahr 2022 ausgezeichnet

Der Präventionspreis wird jährlich von der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und CP GABA verliehen – in diesem Jahr lautete das Thema „Parodontalerkrankungen – weit verbreitet, unterschätzt und neu geregelte Behandlung”. Es wurden Konzepte und Projekte in Bezug auf Vorsorge, Behandlung oder Nachsorge gesucht, die gute Ansätze für eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Zahnmedizinern unter anderem mit Diabetologen, Diabetesassistenten, Allgemeinmedizinern, Kardiologen, Rheumatologen, Gynäkologen und Hebammen aufzeigen. Die Preise waren insgesamt mit 5.000 Euro dotiert.

Der zweite Preis ging an Dr. Sabrina-Nathalie Reitz, Zahnärztin aus Mainz, die ein Konzept für eine Online-Plattform sowie für ein Untersuchungsheft „mit zielgerichtetem individuellen Patientenmanagement unter dem Aspekt der interdisziplinären Zusammenarbeit” entwickelte.

Die Online-Plattform richtet sich an Patienten und Ärzte und soll Informationen zur Parodontitis und deren Risikofaktoren enthalten. Dies diene laut Reitz einer erweiterten Form der Aufklärung. Patienten würden in leicht verständlicher Sprache das Therapiekonzept im Rahmen der neuen PAR-Richtlinie nochmals erklärt, und somit erhielten diese einen Einblick in die allgemeine Therapieplanung und deren Ablauf.

Des Weiteren reichte Reitz Ideen für ein Untersuchungsheft für den parodontalen und allgemeinärztlichen Bereich ein. Dieses Untersuchungsheft für den parodontalen und allgemeinärztlichen Bereich ist laut Reitz ein klar strukturiertes interdisziplinäres „Behandlungsbuch”. Laut Konzept könnten in diesem zum Beispiel Maßnahmen zur Tumorvorsorge, kardiovaskuläre Untersuchungen, Blutzuckerwerte und allgemeinärztliche Vorsorgemaßnahmen erfasst werden. Patienten könnten das Heft zu den jeweiligen Ärzten mitnehmen und Zahnärzte könnten sich mit dessen Hilfe darüber informieren, welche ärztlichen Behandlungen die Patienten erhalten. Das Heft könne auch per QR-Code auf die Online-Plattform verweisen.

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