USA

Aligner-Start-up sammelt an der Börse 1,2 Milliarden Euro ein

Das Unternehmen SmileDirectClub, das seit 2014 in den USA Alignerbehandlungen per Post anbietet, hat bei seinem Börsengang rund 1,2 Milliarden Euro eingenommen.

Die Aktie des SmileDirectClub unterliegt seit ihrer Ausgabe am 12. September starken Schwankungen (im Bild zu sehen der Kursverlauf am 16.9.). Kurz nach der Ausgabe fiel der Wert der Aktie zunächst um mehr als 10 Prozent, erholte sich aber rasch wieder. zm-mg

Das 2013 in Nashville gegründete Unternehmen verkaufte seine Alignerbehandlungen für knapp 1.900 Dollar zunächst nur an Kunden in den USA. Mittlerweile ist die Dienstleistung jedoch auch online und in mehr als 300 Geschäften in den USA, Kanada, Australien und Großbritannien verfügbar. In der Zwischenzeit wurde das Geschäftsmodell aber auch vielfach kopiert und international verbreitet. So führte 2016 YourSmileDirect eine vergleichbare Dienstleistung mit Ladenlokalen in Großbritannien, Italien und Frankreich ein (Australien und Deutschland sind nach Unternehmensangaben in Planung) - und Ende 2017 starteten dann in Deutschland die Start-ups DrSmile, SunshineSmile und SmileMeUp (zm berichtete).

Aligner-Therapie aus dem Internet

Seit Ende 2017 vermarkten drei deutsche Firmen Aligner-Therapien im Internet. Dabei stellen Patienten ihren Zahnabdruck entweder selbst her oder besuchen zur Befundung mittels 3-D-Scan einen Shop.

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Laut dem Nachrichtendienst Forbes hat das US-Unternehmen SmileDirectClub mit dem Börsengang aktuell einen Wert von 9 Milliarden US-Dollar, was seine beiden Mitbegründer Jordan Katzman und Alex Fenkell, beide 30, rechnerisch zu zwei der jüngsten Milliardäre des Landes macht. Der 59-jährige David Katzman hält als größter Anteilseigner sogar 31 Prozent der Unternehmensanteile.

Geschätztes Marktpotenzial: 500 Millionen Kunden

Einen Teil des Emissionserlöses soll für allgemeine Unternehmenszwecke verwendet werden, zu denen die internationale Expansion ebenso gehört wie Forschung und Entwicklung, heißt es.

Aktuell wachsen Umsatz und Verlust beinahe gleichermaßen stark bei dem US-Unternehmen. So stieg der Umsatz im Jahr 2018 um 190 Prozent auf 423 Millionen US-Dollar – gleichzeitig hatten sich die Verluste im selben Zeitraum mit 75 Millionen US-Dollar mehr als verdoppelt. Als Ursache hierfür gab das Unternehmen hohe Marketingausgaben für Anzeigen in sozialen Medien, Fernsehen und Außenwerbung an. Aktuell kämpfen Katzman & Co. weiter um Bekanntheit, denn nach Schätzungen des Unternehmens ist das Marktpotenzial riesig: SmileDirectClub geht davon aus, dass es weltweit rund 500 Millionen Menschen gibt, "die von ästhetischen Zahnkorrekturen profitieren könnten". Behandelt habe man bisher aber lediglich 700.000 Kunden.

Widerstand von Zahnärzten und Dentalindustrie ist groß

Doch auch der Widerstand in der Branche ist riesig: Die American Dental Association warnte schon vor Jahren vor der Dienstleistung, es gab Beschwerden sowohl bei der US-Wettbewerbs- und Verbraucherschutzbehörde (Federal Trade Commission) als auch bei der amerikanischen Behörde für Lebens- und Arzneimittel (Food and Drug Administration). Und auch der Verband amerikanischer Kieferorthopäden (American Association of Orthodontists) hatte in 36 US-Bundesstaaten Beschwerde eingereicht. Bisher haben zwei Staaten reagiert und Schritte unternommen, die das Geschäft für SmileDirectClub erschweren könnten: In Georgia erließ die Dentalbehörde eine Vorschrift, nach der ein zugelassener Zahnarzt anwesend sein muss, wenn 3-D-Oralaufnahmen gemacht werden. In Alabama forderte die Zahnärztekammer, dass ein Zahnarzt in dieser Situation "direkte Aufsicht" haben müsse.

SmileDirectClub reagierte Medienberichten zufolge prompt, indem es in beiden Bundesstaaten Klage einreichte, da es diese Regeln als wettbewerbswidrig einstuft. Ein übliches Vorgehen des Unternehmens: In der Vergangenheit hatte es bereits mit millionenschweren Unterlassungsklagen gegen Zahnärzte und die Zahnärztekammer des Staates Michigan sowie durch einen Rechtsstreit mit seinem - ebenfalls börsennotierten - Konkurrenten Align Technology für Aufsehen gesorgt. Die ersten Probleme hatten es zwischen den beiden Unternehmen im Jahr 2016 wegen einer vermeintlichen Patentverletzung gegeben. Später beschloss Align Technology jedoch, die Klage fallen zu lassen und sich mit SmileDirectClub zusammenzuschließen, beteiligte sich mit 17 Prozent an dem Unternehmen und schloss einen Liefervertrag bis Ende 2019. Ein Jahr später kaufte Align dann noch einmal weitere 2 Prozent des Mitbewerbers.

Konkurrent Align Technology muss Ladenlokale schließen

Doch Ende 2017 - während die Dienstleistung durch Start-ups nach Deutschland kam - kam es zu neuem Streit zwischen den beiden US-Unternehmen. Align Technology modifizierte sein Geschäftsmodell und eröffnete Shops in den USA, die sich erstmals direkt an Endkunden richten. SmileDirectClub monierte daraufhin einen Verstoß gegen ein Wettbewerbsverbot in einer Vereinbarung und der Fall eskalierte. Im März 2019 wurde der Fall dann in einem Schiedsverfahren zugunsten von SmileDirectClub entschieden. Align Technology wurde angewiesen, bis April 2019 seine mittlerweile zwölf Filialen zu schließen und mit einem Wettbewerbsverbot bis August 2022 belegt. Gleichzeitig wurde Align Technology verpflichtet, seinen 19-prozentigen Unternehmensanteils an SmileDirectClub zurückzuverkaufen.

Doch SmileDirectClub hat noch weitere Mitbewerber: Allein in den USA verkaufen die Unternehmen Candid, Uniform Teeth, Orthly und SmileLove ebenfalls Aligner-Behandlungen per Post.

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