Wissenswertes zum Virus

Corona-News Kompakt

+++ Warum eine Corona-Impfung Myokarditis auslösen kann +++ An Fatique leiden meist junge Frauen +++ Neurokognitive Beschwerden werden subjektiv oft überschätzt +++ Long-COVID ist nach Omikron-Infektion seltener +++


Corona News KW 39

Wie Forschende der Charité Berlin und des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel, in einer aktuellen Untersuchung zeigen, sind überwiegend junge Frauen von einem Erschöpfungssyndrom betroffen. Geistige Beeinträchtigungen wurden eher bei Männern ab 55 Jahren beobachtet.

Das postinfektiöse chronische Erschöpfungssyndrom, auch bekannt als Fatigue-Syndrom, zeigt sich durch eine langfristige und stark ausgeprägte körperliche Schwäche, die sich selbst durch Schlaf und Ruhepausen nicht bessert. Häufig tritt eine Verschlechterung auch nach geringfügigen Belastungen auf. Die chronische Erschöpfung gilt als Hauptgrund für eine verminderte Lebensqualität nach COVID-19. Geeignete Therapieoptionen fehlen. Bislang gab es keine zuverlässigen Zahlen für die Häufigkeit von Spät- und Langzeitfolgen wie dieser nach COVID-19. Auch schwanken die Angaben über die Verbreitung von Fatigue in der Bevölkerung in anderen Zusammenhängen.

Für die aktuelle Untersuchung wurden die Daten von rund 1.000 Patienten ausgewertet, deren SARS-CoV-2-Infektion mindestens sechs Monate zurücklag. Die Vergleichsgruppe ohne vorangegangene Infektion bildeten rund 1.000 Menschen, deren Daten für eine Bevölkerungsstudie der Universität Leipzig vor der Pandemie zusammengetragen worden waren.

Rund 19 Prozent der zuvor SARS-CoV-2-Infizierten wiesen demnach relevante Symptome für ein chronisches Erschöpfungssyndrom auf, im Gegensatz zu nur acht Prozent in der Vergleichsgruppe. Chronische Erschöpfung kommt damit auch Monate nach einer Infektion mit dem Coronavirus mehr als doppelt so häufig vor wie in der gesunden Allgemeinbevölkerung. Insbesondere trifft sie jüngere Frauen zwischen 18 und 24 Jahren infolge einer Infektion.

Kognitive Einschränkungen wie Konzentrations- oder Gedächtnisstörungen sind laut der Studie eine weitere häufige Folge einer Coronavirus-Infektion: Sie zeigten sich bei 27 Prozent der Untersuchten. Symptome dieser Art traten vor allem bei älteren Männern auf.

Hartung T. J. et al. Fatigue and cognitive impairment after COVID-19: A prospective multicentre study. eClinicalMedicine, Volume 53, 2022. doi: 10.1016/j.eclinm.2022.10165

Einem internationalen Forscherteam verschiedener Universitäten und kardiologischer Kliniken in Deutschland und Israel ist es gelungen, einen neuen Mechanismus bei der Entstehung von sehr seltenen Herzmuskelentzündungen (Myokarditiden) nach mRNA-Impfungen gegen SARS-CoV-2 aufzudecken. Myokarditis wurde als sehr seltene Nebenwirkung von mRNA-COVID-Impfungen bei männlichen Jugendlichen und jungen Männern 2021 zuerst in Israel beschrieben. Sie tritt in der Regel im engen zeitlichen Kontext nach der Impfung auf und zeigt häufig einen milderen Verlauf im Vergleich zu klassischen viralen und nicht-infektiösen Herzmuskelentzündungen.

In der aktuellen Studie wurden Blutproben von Patienten im Alter von 14 bis 79 Jahren analysiert, von denen meist auch eine Herzmuskelbiopsie mit dem histologischen Befund einer Myokarditis vorlag. Insbesondere bei männlichen Jugendlichen und jungen Männern konnten Autoantikörper gegen einen zentralen körpereigenen Entzündungshemmer namens Interleukin-1-Rezepetor-Antagonist nachgewiesen werden.

Interleukin-1 (IL-1) ist ein wichtiger Botenstoff, der bei Infekten an der Alarmierung und Mobilisierung des Immunsystems beteiligt ist – er bewirkt beispielsweise Fieber. Ist die IL-1-Ausschüttung allerdings zu hoch, können viele entzündliche Erkrankungen entstehen. Bei dem Interleukin-1-Rezeptor-Antagonisten (IL-1-Ra) handelt es sich um einen natürlichen Gegenspieler, der die Andockstelle für IL-1 auf der Zelloberfläche wie ein Stöpsel blockieren und damit den Signalweg abschalten kann.

„Bei den Patienten mit Myokarditis findet sich meist eine atypische Form mit einer zusätzlichen Phosphorylierung des IL-1-Ra. Das Immunsystem bewertet diesen dann als körperfremde Struktur und bildet fälschlicherweise Antikörper dagegen. Dadurch wird der so wichtige körpereigene Entzündungshemmer neutralisiert und somit die Wirkung entzündungsfördernder Botenstoffe begünstigt”, erklärt PD Dr. Lorenz Thurner vom Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS).

Thurner L, Kessel C, Fadle N, Regitz E et al., IL-1RA Antibodies in Myocarditis after SARS-CoV-2 Vaccination. N Engl J Med. 2022 Sep 21. doi: 10.1056/NEJMc2205667. PMID: 36130012. https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMc2205667

In einer Vergleichsstudie haben Forschende des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) herausgefunden, dass subjektiv empfundene neurokognitive Beschwerden wie eine schlechtere Konzentrationsleistung nach einer COVID-19-Erkrankung häufig nicht mit einer objektiv erhobenen Testleistung übereinstimmen. Vielmehr lagen diese subjektiv empfundenen Beschwerden häufig schon vor einer COVID-19-Erkrankung vor.

Für die Studie untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine Stichprobe aus der Allgemeinbevölkerung in Bezug auf Gedächtnis- und Konzentrationsleistung und verglichen die Ergebnisse mit bereits 2015 – also vor der Corona-Pandemie – erhobenen Daten zur neurokognitiven Leistungsfähigkeit in Zusammenhang mit Lebensstilvariablen derselben Teilnehmenden.

„Unsere Studie soll zur Diskussion anregen. Neurokognitive Beschwerden werden subjektiv häufig überschätzt. Zugleich erhält Long-COVID als ein neues Krankheitsbild eine große mediale Aufmerksamkeit, wodurch Betroffenen auf eigene Symptome mehr achten und diese verstärkt oder provoziert werden können”, sagt Erstautorin Anna Baumeister. Daher sei eine gut differenzierte Diagnostik wichtig, um möglicherweise vorstehende emotionale Probleme oder solche, die sich aus der Krankheitsverarbeitung ergeben könnten, nicht zu übersehen.

Literatur: Baumeister et al. Long-COVID or long before? Neurocognitive deficits in people with COVID-19. Psychiatry Research. 2022. DOI: https://doi.org/10.1016/j.psychres.2022.114822

Eine im Alter beeinträchtigte Immunreaktion ist offenbar dafür verantwortlich, dass ältere Patienten anfälliger für schwere COVID-19-Verläufe sind. Eine internationale Studie zeigt, dass ältere Mäuse, die mit SARS-CoV-2 infiziert sind, weniger Interferone bilden. Durch die Behandlung mit künstlichen Interferonen konnten sie vor einer schweren Erkrankung geschützt werden. Dies legt die Annahme nahe, dass der klinische Einsatz von Interferonen bei älteren COVID-19-Erkrankten sehr wirksam sein könnte, schreiben die Forschenden.

Die Reaktion des Immunsystems auf SARS-CoV-2 wird von einer Gruppe antiviraler Signalproteine, den Interferonen, koordiniert, die dazu beitragen, die Vermehrung des Virus zu stoppen. Gleichzeitig sind sie an der Aktivierung verschiedener Immunzellen beteiligt, die dabei helfen, das Virus aus dem Körper zu entfernen. Es gibt drei verschiedene Arten von Interferonproteinen, diese sind als Typ I, II und III bekannt. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 20 Prozent der SARS-CoV-2-bedingten Todesfälle auf Defekte in der Interferon-Signalübertragung zurückzuführen sind, etwa aufgrund von genetischen Mutationen oder Autoantikörpern, die den korrekten Ablauf einer Interferonantwort verhindern.

Die Freiburger Forscher stellten fest, dass die Typ-I und Typ-II-Interferonantworten bei alten Mäusen stark reduziert ausfielen, was wiederum die ungehemmte Virusvermehrung erklärte. Sie zeigten weiterhin, dass eine therapeutische Behandlung mit Typ-II-Interferon in Kombination mit dem besonders gut verträglichen Typ-III-Interferon effizient schwere Krankheitsverläufe in besonders vulnerablen Mäusen mit hohem Alter und genetischen Immundefekten verhindern konnte.

Julius Beer, Stefania Crotta, Angele Breithaupt et al., Impaired immune response drives age-dependent severity of COVID-19, J Exp Med (2022) 219 (12): e20220621. DOI: 10.1084/jem.20220621https://doi.org/10.1084/jem.20220621

Experten hatten vor dem Oktoberfest und einer möglichen „Wiesn-Welle” gewarnt. Nun steigt die Inzidenz in München viel schneller als in ganz Bayern und bundesweit, zeigen Zahlen des Robert Koch-Instituts. Laut RKI-Dashboard liegt die /-Tage-Inzidenz aktuell (Stand 28.9.22) bei 379, wobei es wie früher auch starke regionale Unterschiede gibt. Aktuell liegt Bayern mit einem Wert von 503 noch hinter dem Saarland mit 628, auf Landkreisebene explodieren die Zahlen vor dem letzten Oktoberfest-Wochenende aber.

Natürlich lässt sich ein Zusammenhang der Anstiege mit dem Oktoberfest derzeit zwar kaum beweisen, er liegt aber nahe, schreiben verschiedene Medien und verweisen auf Erfahrungen mit anderen Volksfesten, bei denen sich häufig etwa eineinhalb Wochen nach Beginn ein deutlicher Anstieg in den Inzidenzen gezeigt hat. Das RKI kommentiert derartige Vermutungen natürlich nicht, sondern mahnt in seinem Update nur stoisch, auch in den Sommermonaten empfehle es sich „nach wie vor, die AHA+A+L-Regeln einzuhalten (Abstand halten, Hygieneregeln beachten, Alltag mit Maske, Coronawarnapp nutzen, Lüften), bei Atemwegssymptomen zu Hause zu bleiben und sich testen zu lassen.” Der weitere Verlauf der Pandemie werde – neben dem Auftreten neuer Virusvarianten – wesentlich vom Impfstatus und Verhalten der Bevölkerung abhängen.

Das Risiko für Long-COVID-Beschwerden untersuchten britische Forschende und konnten dabei feststellen, dass dieses bei Infektionen mit Omikron nur ein Viertel so hoch ist wie nach einer Infektion mit Delta. Die Studie quantifiziert erstmals die relativen Wahrscheinlichkeiten für Long-COVID nach einer SARS-CoV-2-Infektion in Großbritannien.

In der Fall-Kontroll-Beobachtungsstudie mit 41.361 genesenen Probanden nach einer Omikron-Infektion und 56.003 Personen nach einer Delta-Infektion wurden Daten aus der COVID Symptom Study App verwendet. Nach den Leitlinien des National Institute for Health and Care Excellence wurde Long-COVID dabei als Auftreten neuer oder anhaltender Symptome für mindestens vier Wochen nach Beginn der akuten COVID-Erkrankung definiert.

Die Testpersonen hatten mittels positivem PCR- beziehungsweise Antigen-Test eine nachgewiesene Infektion – symptomatisch oder auch asymptomatisch, waren geimpft und hatten vor der Impfung noch keine Infektion.  Bei den Omikron-Infektionsfällen zeigten 2.501 und damit 4,5 Prozent der Personen Long-COVID-Symptome, bei den Delta-Fällen waren es 4.469 und damit 10,8 Prozent von 41.361 Personen. Insgesamt ergab sich bei der Omikron-Variante im Vergleich zur Delta-Variante eine Verringerung der Wahrscheinlichkeit von Long-COVID um drei Viertel – je nach Alter und Zeitpunkt der Impfung.

Antonelli, M. et al: "Risk of long COVID associated with delta versus omicron variants of SARS-CoV-2" The Lancet, published: June 18, 2022 DOI:https://doi.org/10.1016/S0140-6736(22)00941-2


68124466798817679882167988226812447 6812448 6798825
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare