Gesellschaft

Crystal gegen Stress

Crystal Meth ist keine reine Partydroge mehr. Immer mehr Menschen konsumieren die Substanz, um im Job die erforderliche Leistung zu bringen. Zu dem Ergebnis kommt jetzt eine Studie.

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Das Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS) an der Universität Hamburg hat in der ersten öffentlich geförderten Crystal Meth-Studie mit knapp 400 Teilnehmern sieben Konsumierendengruppen identifiziert: Freizeit-Konsumenten, die homosexuelle Party-Szene, Schüler und Auszubildende, Berufsgruppen, Eltern, psychisch erkrankte Menschen und Menschen mit riskantem Konsumverhalten.

Arbeiten auf Droge

Fast allen gemeinsam sind mindestens ein psychisch traumatisierendes Erlebnis in der Kindheit, oft auch mehrere, wie sexueller Missbrauch, Gewalt oder Scheidung der Eltern. Etwa die Hälfte der Teilnehmer gab an, Crystal Meth zu nutzen, um die berufliche Leistungsfähigkeit zu steigern. Ein Drittel der Befragten trägt die Droge in Schule und Universität bei sich. Für zwei Drittel der Studienteilnehmer ist aber die Freizeit nach wie vor der häufigste Anlass, zur Droge zu greifen.

Auch wenn Crystal Meth damit Nutzerkreise abseits der Partyszene erreicht, ist der Konsum bei fast Dreiviertel der annähernd 400 befragten Konsumenten eng mit Feiern verbunden. Die Studie zeigt aber auch, dass die Hälfte der Konsumenten beim Sex auf die Droge zurückgreift.

Rund ein Viertel der Befragten gab an, sich die Droge aus dem grenznahen Ausland zu beschaffen. Sicherheitsbehörden warnen immer wieder vor der Ausbreitung der Droge, die häufig in Tschechien hergestellt wird und deshalb bislang vor allem in Sachsen und Bayern ein großes Problem ist. Eine Sprecherin des Bundeskriminalamtes (BKA) sagte, es sei mit einer „weiteren Ausweitung des Phänomens“ zu rechnen. 2012 waren insgesamt 2.556 Menschen erstmals wegen der Droge bei den Behörden auffällig geworden, 51 Prozent mehr als 2011.

Für die Nervenzellen ist Crystal hochgiftig. Vor allem der Langzeitkonsum kann zu Nervenschäden, Gedächtnis- und Konzentrationsproblemen, Zahnausfall, Herzproblemen, Hautentzündungen und Psychosen führen.

Starkes Craving

Nutzer fallen in der Regel nach einer Dosis in ein tiefes Loch, werden depressiv und können sich überhaupt nicht mehr konzentrieren. Die Konsumenten entwickeln den Autoren zufolge sehr schnell ein starkes Craving, also das Bedürfnis, die Droge wieder einzunehmen. Das liegt daran, dass Crystal Meth von der ersten Anwendung an die Hirnchemie verändert. Hunger, Durst und Müdigkeit werden unterdrückt, weil die Energie für die Steigerung des Stoffwechsels und der Atmung benötigt wird, heißt es in einem Handzettel der Leipziger Drogenberatungsstelle Drug Scouts.

Manche berichten davon, dass sie nach dem Konsum drei Tage nicht schlafen konnten. Puls, Blutdruck und Körpertemperatur steigen an, die Pupillen sind erweitert. Die Droge löst Euphorie und ein gesteigertes Selbstbewusstsein aus, vor allem aber erhöht sie die Aufmerksamkeit und steigert die Leistungsfähigkeit. Ebenso werden Schmerzen nicht mehr wahrgenommen.