Wissenschaft und Aktuelles

Die Corona-News kompakt

+++ Faszination Fluoreszenz: Forscher entwickeln leuchtende Variante des Coronavirus +++ Charité: Studie entdeckt Unterschiede im Blut schwer und leicht Erkrankter +++ Ausgaben für Medikamente im März stark gestiegen +++ KI hilft bei Literatur-Check und Fakten-Einschätzung +++ EU-Kommission: 9,4 Milliarden Euro für Gesundheit aus +++ Update: Impfstoff und Arzneien


Die Corona-News kompakt 5. Juni 2020

Nase – Rachen – Lungen. Das ist die Route des Coronavirus im menschlichen Körper. Ein Forschungsteam um Yixuan Hou, Richard Boucher und Ralph Baric von der Universität North Carolina hat eine grün fluoreszierende Variante des SARS-CoV-2-Virus konstruiert und damit seine „Reise-Eigenschaften“ sichtbar gemacht und wissenschaftlich bewiesen.

Auch mit der Frage, warum das so ist, haben sich die Forscher beschäftigt. Ihre Antwort: Vermutlich liegt es an cilientragenden Zellen in der Nasenschleimhaut (eine Zilie ist eine besondere Form des Zellfortsatzes). Die Viren gelangen in den Cilienzellen beim Einatmen besonders einfach und schnell in den menschlichen Rachen – und von dort aus weiter in die Lunge.

Das Studienergebnis bestätigt die bisherigen Theorien, die Ärzte und Wissenschaftler durch Beobachtung an COVID-19-erkrankten Menschen gemacht haben.

Eine Infektion mit SARS-CoV-2 kann sich bei Patienten ganz unterschiedlich manifestieren. Einige zeigen dabei kaum Symptome und überstehen die Infektion ohne größere Beschwerden, andere erkranken schwer. Mediziner suchen daher nach möglichen Frühindikatoren für den Krankheitsverlauf, um entsprechende Therapiewege einzuschlagen.

An der Berliner Charité haben Forscher jetzt in einer Studie 27 Proteine im Blutplasma von COVID-19-Erkrankten identifiziert, die abhängig von der Schwere der Infektion in unterschiedlicher Konzentration nachzuweisen sind. Dieser Bio-Marker könnte für die Vorhersage des Krankheitsverlaufs genutzt werden und somit sogar Leben retten. Das Team um Prof. Dr. Markus Ralser, Direktor des Instituts für Biochemie der Charité, nutzt dafür modernste Analysemethoden, die die Menge der verschiedenen Proteine im Blut zügig bestimmen. Im Weiteren wird nun untersucht, wie sich der Nachweis der Bio-Marker im Krankheitsverlauf verändert.

Die British Dental Association (BDA) hat gewarnt, dass es in England zunächst keine Rückkehr zum "Business as usual" für die Zahnmedizin geben wird. Ab Montag, 8. Juni, können die Praxen wieder öffnen, wenn es ihnen möglich ist, geeignete Sicherheitsmaßnahmen zu treffen. Aber einige Zahnärzte sagen, dass es nicht genug Warnung war und ihnen die notwendige Ausrüstung fehlt, hieß es. Eine BDA-Umfrage unter 2.000 englischen Zahnärzten ergab jedoch, dass nur knapp ein Drittel (36 Prozent) plant, am Montag wieder zu eröffnen.

Wer erwarte, dass die Zahnmedizin am Montag auf magische Weise zurückkehre, werde enttäuscht, sagte der BDA-Vorsitzender Mick Armstrong. "Diese wiedereröffneten Praxen sind jetzt mit weniger Patienten und höheren Kosten konfrontiert und werden Schwierigkeiten haben, die Nachfrage zu befriedigen." Tatsächlich schätzt die Mehrheit (mehr als 60 Prozent) der Praxisinhaber, dass sie weniger als ein Viertel der sonst üblichen Patientenzahlen behandeln können. Nach eigenen Aussagen verfügt nur ein Drittel der Praxen über ausreichend Schutzausrüstung – und nur 15 Prozent sind laut Umfrage in der Lage, ein umfassendes Behandlungsspektrum anzubieten.

Laut BDA gibt es in England etwa 10.000 Zahnarztpraxen.

Die Techniker Krankenkasse (TK) hat die Ausgaben für Medikamente während der Corona-Pandemie geprüft. Das Ergebnis: In der zweiten Märzhälfte – das war die Woche vor dem Inkrafttreten des Kontaktverbots – stiegen die Ausgaben der TK auf knapp 104 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im Vorjahr lagen sie im Vergleichszeitraum, Kalenderwoche 12, bei rund 72 Millionen Euro. Das entspricht einer Steigerung von 44 Prozent.

„Wir sehen in unseren Daten, dass sich die Patienten vor dem (...) Lockdown auch mit verschreibungspflichtigen Medikamenten bevorratet haben, das gilt insbesondere für Versicherte mit chronischen Krankheiten“, sagt Dr. Jens Baas, Vorsitzender des Vorstands der TK. Der sprunghafte Anstieg bei den Ausgaben für Medikamente sei ein Beispiel dafür, dass die Kosten der Pandemie für die gesetzlichen Krankenkassen insgesamt aktuell nur schwer einzuschätzen sind, so Baas.

In der Flut der wissenschaftlichen Schriften zu COVID-19 ist es nicht leicht, geprüfte Fakten zu sichten. Deshalb nutzt die nicht kommerzielle Organisation Allen Institute for Artificial Intelligence (AI2) in den USA nun experimentell künstliche Intelligenz, um Artikel auf ihre Plausibilität und auch die wissenschaftliche Methodik zu prüfen.

Die Vorgehensweise des KI-Anwendung basiert auf einem neuronalen Netzwerk namens VeriSci für den Fakten-Check und wurde mit Datensammlungen, die mit Hilfe von Wikipedia sowie von Semantic Scholar erstellt wurden, trainiert und getestet. Das Tool erkennt Sätze, die für die Bewertung einer Aussage relevant sind. Es ist noch ausbau- und lernfähig, könnte aber in Zukunft und auch bei anderen wissenschaftlichen Themen unterstützen. Bisher weist es eine Treffsicherheit von 23 richtigen Ergebnissen in 36 Versuchsfällen auf.

Die Europäische Kommission bringt als eine Lehre aus der Corona-Krise ein neues europäisches Gesundheitsprogramm auf den Weg. „EU4Health“ soll für die Jahre 2021-2027 mit einem Etat von 9,4 Milliarden Euro ausgestattet werden.  

Neben einem besseren Schutz vor grenzübergreifenden Gesundheitsgefahren soll das Programm auch die Verfügbarkeit von bezahlbaren Medikamenten und medizinischer Ausrüstung sicherstellen und die Gesundheitssysteme in der EU stärken.

Das Programm soll es der EU ermöglichen:

  • in die Schaffung von Reserven an medizinischer Versorgung für den Krisenfall zu investieren
  • eine Reserve von Gesundheitspersonal und Experten zu schaffen, die zur Prävention oder Reaktion auf Gesundheitskrisen in der gesamten EU mobilisiert werden können
  • Gesundheitspersonal für den Einsatz in der gesamten EU auszubilden
  • die Überwachung von Gesundheitsbedrohungen zu verstärken, und
  • die Belastbarkeit der Gesundheitssysteme zu verbessern

Neben der Krisenresilienz soll EU4Health auch zur Bewältigung weiterer Herausforderungen beitragen, wie Ungleichheiten beim Zugang zu Gesundheitssystemen, Belastungen durch nicht-übertragbare Krankheiten wie Krebs, unterschiedlichen Kapazitäten der Gesundheitssysteme in der EU und Hindernisse bei der Digitalisierung im Gesundheitsbereich.

„EU4Health“ versteht sich als Teil des Aufbauplans „NextGenerationEU“, den Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im Europäischen Parlament vorgestellt hatte. Das Programm soll einen „echten Paradigmenwechsel herbeiführen hinsichtlich der Art und Weise, wie die EU mit Gesundheit umgeht“, heißt es in einer Erklärung der Kommission dazu. Nach Zustimmung der EU-Staaten und des Europäischen Parlaments könnte EU4Health am 1. Januar 2021 anlaufen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte zuletzt die klinische Studie für das Präparat Hydroxychloroquin gestoppt und von dessen Einsatz als Mittel gegen COVID-19 abgeraten. Die dazu veranlasste Studie, auf die sich die Organisation in ihrer Erklärung beruft, ist allerdings von Wissenschaftlern hinsichtlich der angewandten Methodik und der Datenerhebung weltweit kritisiert worden. In einem Brief an die WHO wird auch bemängelt, dass keinen anderen Wissenschaftler Einblick in die Daten gewährt wurde. Die Malaria-Arznei Hydroxychloroquin oder Chloroquin des Herstellers Bayer zeigt bei der Verabreichung an mittelschwer Erkrankte zu deutliche Nebenwirkungen bei zu geringen Behandlungserfolgen.

In Japan wird hingegen das Virustatikum Favipiravir bei leichten bis moderaten COVID-19-Fällen erfolgreich eingesetzt. Es hemmt dabei, wie Remdesivir, die Replikationsfähigkeit der Viren-RNA und ist ebenfalls gegen Ebola entwickelt worden. Anders als Remdesivir ist es jedoch bereits zugelassen und gilt als probates Mittel gegen Influenza. Eine klinische Studie mit 2.158 COVID-19-Erkrankten untersuchte nun die Wirksamkeit. Hier wurde Favipiravir zusätzlich zur Behandlung eingesetzt und konnte in rund 88 Prozent der leichten Krankheitsfälle eine deutliche Besserung im Laufe von 14 Tagen erzielen, bei moderaten Verläufen 84 Prozent und in schwereren Fälle immerhin noch in 60 Prozent, so die Studienergebnisse.


Das neu identifizierte Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht die "Corona virus disease 2019" (Covid-19) und ist Auslöser der COVID-19-Pandemie.

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