Kinder im Kosmetiksalon

ck/dpa
Gesellschaft
Braucht eine Zehnjährige Antifaltencreme? Diese Frage stellen sich nicht nur manche Eltern in Südamerika. Auf der Suche nach neuen Kundinnen bieten Kosmetikstudios auch hierzulande Spezialangebote für Kinder an.

Puppen frisieren war gestern. Kosmetik- und Schönheitsprodukte für Kinder liegen in einigen Ländern Amerikas stark im Trend, auch wenn das vielen Eltern nicht passt. Auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern hat dieser Trend schon Einzug gefunden. In München gibt es zum Beispiel seit mehreren Jahren ein Mädchen-Studio.  

Wie durch die rosarote Brille

Die Studios in Ländern wie Argentinien, Kolumbien oder Mexiko haben Namen wie Pink Princess Spa, Krisalidas, Le Petit Spa oder Princess-landia. Bei der Einrichtung überwiegt Rosa. Alles ist pinkfarben - Bademäntel, Wände und manchmal sogar die Willkommensgetränke für die kleinen Kundinnen. Die Mädchen sollen sich "wie Prinzessinnen" fühlen, so der Werbeslogan. 

Kinder im Alter von fünf bis 14 können ihren Geburtstag im Schönheitssalon verbringen, wirbt ein Anbieter. "Den meisten Frauen gefällt das von klein auf... Cremes, Make-up, Frisuren. Deshalb haben wir für Dich und Deine Freundinnen zum Geburtstag eine Spa-Party kreiert", heißt es in der Einladung in die Welt der Kosmetikprodukte.  

Kosmetikbehandlungen für Dreijährige

Die meisten Jungkundinnen sind zwischen acht und neun Jahre alt, aber auch Dreijährige kommen schon in den Genuss der Kosmetikbehandlungen, erzählt Gabriela von GlamourSpa, einem Anbieter in Buenos Aires. Oft finden die Partys zu Hause statt. Jedes Mädchen habe ihr eigenes Set - Spiegel, Hand- und Fußbad, Matte zum Relaxen. 

"Nach der Gesichtsbehandlung und Massage werden die Mädchen geschminkt, die Nägel lackiert und die Haare gemacht", sagt Gabriela. Außerdem gebe es Haarbänder, Federboas, und Kostüme für eine Modenschau zum Abschluss des Tages. 

Von klein an in eine Geschlechterrolle gedrängt

Nicht alle Eltern sind glücklich darüber: "Ich habe immer wieder mit anderen Eltern darüber gestritten, die ohne nachzudenken solche Angebote buchen", sagt Alexandra, Mutter einer fünfjährigen Tochter. Zuerst seien es nur die Gurkenscheiben auf den Augen, doch schnell folge der Griff zur Antifaltencreme: "Die Mädchen geraten so auf einen Konsum-Pfad, der nichts mit Gesundheit zu tun hat. Sie beginnen etwas zu konsumieren, dass sie überhaupt nicht brauchen und werden von klein an in eine Geschlechterrolle gedrängt", sagt sie. "Auf einmal machen sich kleine Mädchen Sorgen über Make-up und Falten." 

Ein weiterer Grund zur Besorgnis für viele Eltern ist die wachsende Beliebtheit von Schönheitsoperationen. Die Patientinnen für die Fettabsaugung oder Brustvergrößerung werden immer jünger. 

Gefahr der Sexualisierung von Kindern

Schon 2010 warnte die US-Psychologenvereinigung APA vor der Gefahr der Sexualisierung von Kindern, auch im Rahmen der sehr populären Kinder-Schönheitswettbewerbe. Kosmetika seien oft mit dem Wunsch verbunden, sexuell anziehend zu wirken - "dieser Wunsch scheint bei vor-pubertären Mädchen fehl am Platz", schrieben die US-Psychologen. Außerdem sei dieser "sexy" Look gerade für junge Menschen aus niedrigeren Einkommensschichten ein großes finanzielles Problem. 

Es gehe jedoch nicht nur um oberflächliche Schönheitsideale, sagen Firmen. Ihr Salon zähle sehr viele Patchworkfamilien zu seinen Kunden, erzählt Tamara vom argentinischen Schönheitssalon Princess-landia. "Oft kommen Frauen mit den Töchtern ihrer neuen Partner. Man kann hier eine Atmosphäre schaffen, um die Familienbande zu stärken." 

Ob die Kinder-Schönheitssalons nun ein bestimmtes Frauenbild verstärken oder nicht, darüber wird in Südamerika noch lange gestritten. Doch eines scheint klar, Mini-Spas sind auf dem Vormarsch.

von Florencia Martin, dpa

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