Beleg für Tabakkonsum in der Antike

Nikotin aus Uralt-Plaque extrahiert

Was und wieviel rauchten unsere Vorfahren? US-Forscher haben Nikotinreste aus Plaque von Zähnen der Antike extrahiert - und können damit erstmals den Tabakkonsum archäologisch exakt belegen.

WSU

Bislang wurde der Tabakkonsum in der Vorzeit anhand von gefundenen Pfeifen, verkohlten Tabaksamen und der Analyse von Haaren und Fäkalien nachgewiesen. Diese Funde sind jedoch selten. Die wenigen archäologischen Überreste sind darüber hinaus schwer  bestimmten Personengruppen zuzuordnen. Infolgedessen war es schwierig, das Rauchen archäologisch zu belegen.

Plaque konserviert eine Vielzahl von Substanzen, die sich im Mund befinden

Da Plaque an den Oberflächen der Zähne fest haftet und im Laufe der Zeit mineralisiert, konserviert er auch eine Vielzahl von Substanzen wie Mineralien und Pflanzeninhaltsstoffe, die sich im Mund befinden. Zudem ist es relativ leicht, die gefundenen Inhaltsstoffe bestimmten Individuen zuzuordnen, weil das zu untersuchende Material direkt von den Zähnen entfernt werden kann.

Nichtsdestotrotz wurde der Zahnbelag von Archäologen lange weitgehend ignoriert. Durch den Einsatz moderner und hochempfindlicher Instrumente können Wissenschaftler heute aber Spuren einer Vielzahl von Verbindungen, einschließlich Proteinen, bakterieller DNA, Stärkekörnern und anderen Pflanzenfasern im Zahnbelag nachweisen und bestimmen.

Sonntag sahen Fernsehzuschauer in den USA zum ersten Mal Werbung gegen das Rauchen, die von den Tabakkonzernen finanziert wurde.

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Vor diesem Hintergrund wollte das Team um Jelmer W. Erkens und Shannon Tushingham und herausfinden, ob Nikotin sich auch in der Plaque von Menschen, die vor langer Zeit lebten, konserviert. Dazu extrahierten sie die Plaque der Zähne von acht Individuen, die vor 6.000 bis 300 Jahren begraben worden waren und untersuchten sie auf die Rückstände.

Mit gewöhnlichen Zahnstochern extrahierten sie den Zahnbelag von den alten Zähnen und schickten ihn dann zur Analyse an die Labore. Dort wurde eine Flüssigkeitschromatografie-Massenspektrometrie durchgeführt, um die Proben auf Nikotin und andere pflanzliche Stoffe wie Koffein und Atropin ­ - ein Muskelrelaxans - zu testen.

Nikotin überlebt in nachweisbaren Mengen in alter Plaque!

Unter den Proben, die sie analysierten, wurden zwei positiv auf Nikotin getestet, was zum ersten Mal zeigt, dass das Alkaloid in nachweisbaren Mengen in alter Plaque überleben kann. Einer dieser Personen, ein erwachsener Mann, wurde zusammen mit seiner Pfeife begraben. Eine Überraschung zeigt der Molar einer älteren Frau: Auch in ihrer Plaque konnte Nikotin nachgewiesen werden.

"Sie war wahrscheinlich im gebärfähigen Alter und wahrscheinlich eine Großmutter", schlussfolgert Eerkens. " Dies unterstützt andere jüngste Forschungsergebnisse, die besagen, dass jüngere erwachsene Frauen in traditionellen Gesellschaften Pflanzengifte wie Nikotin vermeiden, um Säuglinge vor schädlichen Biochemikalien zu schützen, aber ältere Frauen diese Rauschmittel nach Bedarf konsumieren können."

Obwohl die Forscher keine Beweise für andere pflanzliche Stoffe gefunden haben, sind sie optimisitisch, dass Plaque helfen könnte, die Verwendung und Verbreitung anderer Rauschmitteln zu verfolgen. "Wir denken, dass eine Vielzahl von pflanzlichen, berauschenden Chemikalien in altem Zahnbelag gefunden werden könnte", sagte Co-Autor Korey J. Brownstein. "Es eröffnet wirklich viele interessante Wege der Entdeckung."

Jelmer W. Eerkens, Shannon Tushingham, Korey J. Brownstein, Ramona Garibay, Katherine Perez, Engel Murga, Phil Kaijankoski, Jeffrey S. Rosenthal, David R. Gang. Dental calculus as a source of ancient alkaloids: Detection of nicotine by LC-MS in calculus samples from the Americas. Journal of Archaeological Science: Reports, 2018; 18: 509 DOI: 10.1016/j.jasrep.2018.02.004

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