Gesellschaft

Pflege hat viele Gesichter

Der Professor Klaus Dörner plädiert seit Jahren dafür, bei der Pflege die gewohnten Wege zu verlassen. Statt der Unterbringung in Heimen setzt er auf lokale Netzwerke, die sich um alte Menschen kümmern.

Neue Wege in der Pflege gehen: Dafür plädiert der Mediziner, Sozialpsychiater und Autor Klaus Dörner. zm

Jetzt stellte der Mediziner, Sozialpsychiater und Autor Dörner seine These von einem dritten Sozialraum auf einer Abendveranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin vor. Unter dem Titel "Die Zukunft gestalten - Netzwerke statt Heime" erläuterte er, wie man die Pflege neu arrangieren kann.

Neben einem ersten privaten Sozialraum und einem zweiten öffentlichen Sozialraum skizziert Dörner einen dritten Sozialraum, der durch diverse Formen bürgerschaftlichen Engagements ausgefüllt wird - etwa der der Nachbarschaftshilfe.

Der solidarische Bürger

Als maßgeblicher Akteur sei dabei der solidarische Bürger gefragt - Angehörige, Nachbarn und Freunde, die von professionellen Kräften unterstützt würden. Laut Dörner ist es der Wunsch der meisten Pflegebedürftigen, im häuslichen Umfeld gepflegt zu werden.

Gastfamilien für Senioren

Mittlerweile sei es es in vielen Teilen Deutschlands gelebte Praxis, "fremde" Pflegebedürftige in die Familie zu holen. Ein Beispiel: Der Träger Arkade e.V. in Ravensburg hat das Projekt "Leben in Gastfamilien für Senioren" ins Leben gerufen. Menschen, die mindestens 65 Jahre alt sind und alters- oder krankheitsbedingt nicht mehr in ihrem gewohnten häuslichen Umfeld leben können, finden so einen Platz in einer Gastfamilie. Das Angebot bietet eine Alternative zur Unterbringung in einem Pflegeheim.

Ein weiteres Beispiel: Der Verein Freunde alter Menschen e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, alte Menschen vor Einsamkeit und Isolation zu bewahren. Unter dem Motto "Alte Freunde sind die besten“ plädiert der Verein für einen anderen Weg im Umgang mit alten Menschen.

Es gäbe inzwischen Dörfer, die sich mit einer ambulanten Wohnpflegegruppe sich als "heimfreie Zone“ bezeichnen. Ein Beisspiel: Eichstetten/Freiburg. Aber auch die Kleinstadt Ettenheim mit drei Wohnpflegegruppen oder auch einzelne Stadtviertel einer Großstadt wie Bielefeld, wo
es etwa 70 solcher ambulanter Wohnpflegegruppen gibt, seien represäntativ.