+++ Neue Studien zu SARS-CoV-2 +++

SARS-CoV-2 kann Gehirnzellen befallen

Im Cortex von drei verstorbenen COVID-19-Patienten und im Mäuseexperiment konnten Forscher das neuartige Coronavirus nachweisen. Wie es dort hingelangt, ist noch unklar. Dass es zum Tod führen kann, scheint möglich.

15. September 2020

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SARS-CoV-2 kann Gehirnzellen befallen

Dass sich SARS-CoV-2 nicht nur auf den Befall der Lunge beschränkt, sondern auch Zellen von Gefäßen und Organen, wie die Leber, das Herz und die Nieren, angreift, ist bereits erwiesen. Nun veröffentlichten Forscher die Ergebnisse zu Experimenten, die zeigen, dass das Virus auch die Zellen im Gehirn angreifen kann. Zuvor wurde es durch die Ermittlung von Antikörpern im Gewebe des Cortex bei drei verstorbenen COVID-19-Patienten nachgewiesen. An der Yale School of Medicine in New Haven/Connecticut zeigen nun Versuche mit Mäusen und Zellkulturen aus Stammzellen zur Hirnzelleuntersuchung im Labor, dass eben auch diese angegriffen werden.

Demnach scheinen die Coronaviren in der Lage, Nervenzellen zu identifizieren und dabei vor allem die kortikalen Neuronen der Großhirnrinde zu bevorzugen. Allerdings stellten die Forscher fest, dass die Infektion nicht zum Tod der Neuronen führt, jedoch ein Zelltod in der Umgebung stattfand. Das könnte auf die Unterversorgung der Zellen mit Sauerstoff aufgrund der Infektion zurück zu führen sein. Eindeutig nachweisen konnten die Forscher die Bildung der ACE2- Rezeptor in den Hirnzellen, die für den Eintritt in diese und somit für die Infektion Voraussetzung sind. Unklar bleibt bislang, wie die Viren ins Gehirn gelangten – eventuell über die Blutgefäße. Möglich wäre aber auch der direkte Weg von der Nasenschleimhaut über die Geruchsnerven ins Gehirn.

Beim Mäuseversuch gelang die Infektion des Gehirns. Die Tiere nahmen stark an Gewicht ab und starben. Während andere Versuchstiere, deren Lungen infiziert waren, eher leicht erkrankten und kein Gewicht verloren.

Iwasaki, A. et al; „Neuroinvasion of SARS-CoV-2 in human and mouse brain“ published on September 08, 2020 doi: https://doi.org/10.1101/2020.06.25.169946

 

14. September 2020

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Theorie zur Immunität: Weiterer Vorteil des Maskentragens?

US-Forscher veröffentlichten vergangene Woche die Hypothese, dass durch die geringe Virenkonfrontation beim Tragen von Masken eventuell eine Immunantwort ohne schlimmere Infektion gebildet werden könnte.

Masken und Mund-Nase-Schutz schützen vor allem andere Personen vor einer möglichen Infektion durch Tröpfchen und Aerosole. Wenn jeder in den geschlossenen Bereichen des öffentlichen Lebens eine trägt, ist ein großer Teil für den Infektionsschutz getan – soweit sind sich Wissenschaftler und Mediziner einig. Zwei Wissenschaftler aus den USA gehen jetzt noch einen Schritt weiter und veröffentlichen eine Theorie, die Maske einen weiteren nützlichen Effekt zuspricht. Ihrer Auffassung nach kann das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes helfen, immun gegen SARS-CoV-2 zu werden.

Ihren Ansatz erklären Monica Ghandi und George Rutherford von der University of California in San Francisco in einem Meinungsbeitrag im New England Journal of Medicine so: Die meisten Masken halten zwar den Großteil der Töpfchen zurück, ein geringer Teil gelangt jedoch mit der Atemluft durch das Material in die Umgebungsluft. Diese Virenmenge ist idealerweise so gering, dass sich andere Personen, zumal sie auch eine Maske tragen, nicht infizieren. Das Immunsystem kann die geringe Dosis an Erregern abwehren. Eine mögliche, leichte Infektion bleibt unbemerkt. Durch die geringe Virusanzahl kommt es zudem zu weniger stark ausgeprägten Symptomen.

Dennoch, und das ist der Kern der Hypothese, könnte es durch den Kontakt mit den Viren zu einer Immunreaktion kommen und sich daraus eine Immunität entwickeln. Diese kann dann als Schutz vor weiteren Infektionen dienen. Diesen Ansatz führen die Forscher auf die sogenannte Variolation bei früheren Versuchen der Pockenimpfung zurück, bei denen Patienten eine Sekret mit einer geringen Menge Viren über das Einreiben der Haut verabreicht wurden. Die Hoffnung dabei war, dass die Menge reicht, um eine Immunantwort zu bilden, nicht aber um eine Infektion auszulösen.

Belegt ist aber noch nicht, ob auch leichte und asymptomatische Infektionen zur einer anhaltenden Immunität führen können und ob eine kleine Virendosis nicht auch einen stärkeren Effekt auslösen kann.

Monica Gandhi, George W. Rutherford; "Facial Masking for Covid-19 — Potential for 'Variolation'” as We Await a Vaccine", published on September 8, 2020, at NEJM.org; DOI: 10.1056/NEJMp2026913

 

Unerklärte klinische Probleme könnten Ursache in unerkannter COVID-19-Erkrankung haben

In einem Pariser Klinikum gab es bei der Überprüfung der analytischen Leistungsfähigkeit des Antikörpertests "Abbott SARS-CoV-2 IgG-Assay" einen interessanten Zufallsbefund. Der Test von 259 Probanden, bei dem zusätzlich die SARS-CoV-2-IgG-Positivitätsraten in COVID-19-positiven und COVID-19-freien Bereichen des Krankenhauses verglichen wurden, bescheinigte dem Verfahren eine Sensitivität von 94 Prozent und eine Spezifität von 100 Prozent.

Dabei fiel jedoch auf, dass mehrere stationäre Patienten, die in vermeintlich COVID-19-freien Bereichen stationiert waren und eine Vielzahl ungeklärter klinischer Merkmale aufwiesen – einschließlich Herz-, Gefäß-, Nieren-, Stoffwechsel- und Infektionsstörungen – unerwartet als seropositiv getestet wurden. Die Autoren leiten daraus ab, dass die SARS-CoV-2-Serologie auch ein nützliches Instrument zur retrospektiven Diagnose von COVID-19-Infektionen sein kann.

Hélène Péré et al.; "Unexpected diagnosis of COVID-19-associated disorders by SARS-CoV-2-specific serology", Journal of Clinical Virology, Volume 132, November 2020, 104568, doi.org/10.1016/j.jcv.2020.104568

 

11. September 2020

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Unterschiedliche Kopfschmerz-Formen bei SARS-CoV-2

Das Spektrum der Kopfschmerzen bei einer SARS-Cov-2-Infektion ist vielfältig. Für eine Studie mit 112 Patienten, die selbst im Gesundheitswesen als medizinische Fachkräfte tätig sind, befragten und untersuchten die Wissenschaftler um Jesús Porta‐Etessam der neurologischen Fakultät der Universidad Complutense de Madrid die Charakteristika der Kopfschmerzen. Diese traten unabhängig vom Fieber auf und werden unterschiedlich beschrieben. Das Symptom trat am dritten oder vierten Tag der Infektion auf.

Dabei berichteten 46 Prozent der Patienten von hemicranialen, halbseitigen Kopfschmerzen, 42,5 Prozent von Schmerzen mit dumpf-drückendem holocraniellen Charakter und 17,7 Prozent von okzipitalen Kopfschmerzen. Mit 80 Prozent der Befragten beschriebt die große Mehrheit die Schmerzen in jedem Fall als drückend. 17 Prozent der Patienten hatten bereits vorher regelmäßige Kopfschmerzen in Form von Migräne. Sie beschrieben den Kopfschmerz während der Erkrankung am häufigsten als pulsierend. Einige Patienten litten zudem an Übelkeit und Lichtempfindlichkeit. Die Studienbetreiber führen die heterogene Erscheinung der Schmerzen auf verschiedene pathophysiologische Mechanismen zurück.

Porta‐Etessam J. et al. Spectrum of Headaches Associated With SARS‐CoV‐2 Infection: Study of Healthcare Professionals. Headache J Head Face Pain. 2020 :1697-1704. doi:10.1111/head.13774

 

10. September 2020

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Corona-Hygienemaßnahmen verhindern auch andere Infektionen

Im Krankenhaus erworbene Infektionen ( Hospital-Acquired Infections, kurz: HAI) sind häufige Komplikationen bei akuten Patienten, die in neurologischen Einheiten stationiert sind, insbesondere bei Schlaganfallpatienten. Eine italienische Studie untersuchte nun, ob die durch die Pandemie verbesserten Hygienemaßnahmen eine Abnahme der HAI in „COVID-freien“ neurologischen Einheiten zur Folge hatten. Dazu wurden 319 Patienten, die ab dem 8. März 2020 in Neurologie- und Schlaganfallabteilungen des Policlinico Umberto I-Krankenhauses in Rom hospitalisiert und vor dem 31. Mai 2020 entlassen wurden (n = 103), in die Studie aufgenommen und mit Patienten verglichen, die im gleichen Zeitraum 2019 ins Krankenhaus eingeliefert wurden (n = 216).

Ergebnis: Bei Patienten, die 2019 eingeliefert wurden, lag die Inzidenz von HAIs bei 31,5% (95% -Konfidenzintervall (CI): 0,25–0,38), verglichen mit 23,3% (95% -Konfidenzintervall: 0,15–0,32) im Jahr 2020 ( p = 0,12). Dabei war der Krankenhausaufenthalt 2020 unabhängig mit einem geringeren HAI-Risiko verbunden und mit einer geringeren Anzahl von HAIs sowie einer geringeren Anzahl von verschriebenen Antibiotika pro Patient verbunden. Die Autoren sehen darin Belege für die Auswirkungen strengerer Hygienemaßnahmen auf HAIs.

Emanuele Irelli et al., "The potential impact of enhanced hygienic measures during the COVID-19 outbreak on hospital-acquired infections: A pragmatic study in neurological units", Journal of the Neurological Sciences Volume 418, 15 November 2020, 117111, https://doi.org/10.1016/j.jns.2020.117111

 

COVID-19 kann offenbar Insulinmangel-Diabetes verursachen

Wissenschaftler des Uniklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) berichten von einem Fall, in dem die Manifestationen von insulinabhängigem Diabetes nach einer SARS-CoV-2-Infektion bei einem 19-Jährigen auftraten, die für Typ-1-Diabetes mellitus typisch sind. Die Anamnese des Patienten ergab eine wahrscheinliche COVID-19-Infektion 5–7 Wochen vor der Aufnahme.

Interessanterweise trug der Patient einen menschlichen Leukozyten-Antigen-Genotyp, von dem angenommen wurde, dass er nur ein geringfügig erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Autoimmun-Typ-1-Diabetes mellitus bietet. Obwohl der Bericht die Kausalität zwischen COVID-19 und der Entwicklung von Diabetes bei diesem Patienten nicht vollständig feststellen kann, so die Autoren, sei davon auszugehen, dass SARS-CoV-2 hier selbst die Betazellen im Pankreas angegriffen hat. 

Hollstein, T. et al. "Autoantibody-negative insulin-dependent diabetes mellitus after SARS-CoV-2 infection: a case report. Nat Metab (2020). https://doi.org/10.1038/s42255-020-00281-8

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An dieser Stelle gibt die zm-Redaktion regelmäßig einen kurzen Überblick über ausgewählte Studien zu SARS-CoV-2

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