Ergebnisse aus der Dresdener Studie

Schulen in Sachsen wurden nicht zu Hotspots

ck/pm
Gesellschaft
Nur 0,6 Prozent der untersuchten Schüler und Lehrer weisen Antikörper gegen SARS-CoV-2 auf. Dresdener Forscher haben jetzt erste Ergebnisse aus der bislang größten Studie zur Verbreitung des Virus an Schulen vorgestellt.

Die Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der TU Dresden und des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus untersuchten dazu in den Monaten Mai und Juni 2.045 Blutproben von Schülern und Lehrern aus 13 weiterführenden Schulen in Dresden und den Landkreisen Bautzen und Görlitz. Insgesamt 1.541 stammten von Schülern (50 Prozent Mädchen, 50 Prozent Jungen) aus den Klassen acht bis elf, 504 von Lehrern (70 Prozent Frauen, 30 Prozent Männer) im Alter von 30 bis 66 Jahren.

Für die Studie wurden Schüler dieser Altersgruppe ausgewählt, weil die Forscher annahmen, dass sie sich in größerem Maße unabhängig von ihrem Elternhaus und von den allgemeinen Vorgaben bewegen sowie außerdem über viele soziale Kontakte verfügen. Es wurden bewusst auch Schulen ausgewählt, von denen bekannt war, dass dort vor dem Lockdown SARS-CoV2-Infektionen nachgewiesen worden waren.

Der Immunisierungsgrad liegt bei 0,6 Prozent

Untersucht wurde, wie viele Schüler und Lehrer Antikörper gegen das SARS-CoV-2-Virus in sich tragen und wie sich dessen Ausbreitung über die Zeit verändert. Die Zahlen geben den Forschern zufolge Aufschluss über den aktuellen Immunitätsstatus von Lehrern und Schülern - sie liefern daher auch wichtige Anhaltspunkte dafür, wie der Schulbetrieb nach den Sommerferien weitergehen kann.

Von den 2.045 untersuchten Blutproben ließen sich in 12 zweifelsfrei Antikörper gegen das SARS-CoV-2-Virus nachweisen. Damit liegt der Immunisierungsgrad bei deutlich unter einem Prozent (0,6 Prozent) und fällt geringer aus als prognostiziert. In 5 dieser 12 Fälle gab es eine bekannte nachgewiesene Corona-Virusinfektion, in 7 Fällen war die Infektion vorab nicht bekannt. Somit liegt die Dunkelziffer für die Infektion unter den Studienteilnehmern knapp über zwei. Eine stille, symptomfreie Infektion bei den untersuchten Schülern und Lehrern habe bislang noch seltener als vermutet stattgefunden.

Dynamik der Virusverbreitung In Familien wurde überschätzt

In 24 Familien der Studienteilnehmer gab es mindestens einen bestätigten Corona-Fall, aber nur bei einem der Probanden ließen sich Antikörper nachweisen. Aus Sicht des Team um Studienleiter Prof. Reinhard Berner, Klinikdirektor der Klinik und Poliklinik für Kinder-und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus, wurde die dynamische Verbreitung des Virus in Familien offenbar bisher überschätzt.

Berner: „Diese Untersuchungsergebnisse liefern Hinweise darauf, dass die Virusübertragung in Familien nicht so dynamisch geschieht, wie bisher angenommen." Das würde bedeuten, dass der größte Teil der Schulkinder trotz eines Infektionsfalls im Haushalt selbst keine Infektion durchgemacht hat. "Auch diesen Befund muss man mitbedenken, wenn über Maßnahmen der Kontaktbeschränkung neu zu entscheiden ist“, hob er hervor.

Vier von fünf Schülern hatten angegeben, über ihren Klassenverband und die Familie hinaus regelmäßige soziale Kontakte unterhalten haben. "Auch das hat offenbar nicht zu einer weiteren Verbreitung des Virus geführt“, stellte Berner fest.

Die Schulen wurden nicht zum Hotspot

In drei der untersuchten Schulen gab es bestätigte Corona-Fälle. Dennoch waren bei den Lehrern und Schülern der betreffenden Einrichtungen nicht überdurchschnittlich mehr Antikörper nachweisbar, was den Medizinern darauf schließen lässt, dass sich die Schulen nicht zu Hotspots entwickelt haben.

"Wir gehen in die Sommerferien 2020 mit einem Immunitätsstatus, der sich nicht von dem im März 2020 unterscheidet", sagte Berner.

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